Seidel, H.: Klima und Wetter auf den Marianen.
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Küstenhandbuch angerührt. Der Grund hierfür liegt nicht zum kleinsten Teil
an der Weitschweifßgkeit vieler Küstenbeschreibungen, die bei dem jetzt für die
meisten Gegenden vorhandenen ausgezeichneten Kartenmaterial nicht mehr nötig
ist. Hieraus ergibt sich von selbst die Mahnung, die Küstenbeschreibungen
nur auf solche Angaben zu beschräuken, die als Ergänzungen zu den Seekarten
dienen können. Die dadurch erreichte leichtere Handhabung der Küstenhand-
bücher würde sicherlich ihren öfteren Gebrauch sehr zum Nutzen der Schiffs-
führer herbeiführen.
Wenn man Zuverlässigkeit, die bei einem auf amtliche Angaben gestützten
und von amtlicher Stelle herausgegebenen Buche wohl vorauszusetzen ist, Über-
sichtlichkeit und bequeme. Handhabung als Haupterfordernis eines guten Segel-
handbuches annimmt, so kann man dem vorliegenden russischen Handbuche ein
günstiges Zeugnis über seine Verwendbarkeit für die praktische Navigierung
ausstellen. Es scheint in. hervorragender Weise geeignet, dem Schiffsführer
ein nützlicher Ratgeber für die Fahrt durch die Nordsee zu sein, ihn sicher an
den gefährlichen Stellen vorbeizuführen und auf alle an ihn herantretenden
Fragen Auskunft zu geben.
Klima und Wetter auf den Marianen,
Von H., Seidel, Berlin.
Wer heute über die meteorologischen Verhältnisse dieses kleinen, locker
ausgestreuten Archipels schreiben will, mufs leider von vornherein darauf ver-
zichten, seine Studie auf ein ausreichendes. wissenschaftliches Beobachtungs-
material zu gründen. Möglichenfalls hat die. spanische Kolonialverwaltung in
Guam derartige Erhebungen veranlafst; allein sie sind wohl niemals veröffentlicht
worden, wenigstens nicht an einigermafßsen zugänglicher Stelle, Aus, einem
Bericht des Kapt. z. S. Knorr‘) von 1876 erfahren wir wie zufällig, dafs
damals .der „geistliche Oberbirte der Marianen“ schon 25 Jahre lang Temperatur
and Luftdruck in der Inselhauptstadt Agana ‚sorgsam gemessen hatte, Wir
wollen hoffen, dafs diese wichtigen Untersuchungen nur in Vergessenheit geraten,
nicht ‚aber gänzlich verloren gegangen sind, und dafs es nur der Anregung
bedarf, um die praktischen Amerikaner, denen Guam jetzt gehört, zu ernstlicher
Nachfrage zu bestimmen.
Was für unser Thema an brauchbaren Zeugnissen zu Gebote steht,
beschränkt sich auf die mehr gelegentlichen und meist kürzeren Beobachtungen,
wie sie von Reisenden und Seefahrern, die allerdings nur spärlich die Marianen
berührten, während ihres jeweiligen Aufenthaltes gewonnen wurden. Hierher
gehören vor allem die Arbeiten der französischen Weltumsegler unter
Kapt. de Freycinet, der mit der Korvette „Uranie“ im Frühling 1819 den
Archipel besuchte und dort vom 18. März bis zum 16. Juni verweilte. Sein
grofßses Expeditionswerk ermöglicht die erste allgemeine Charakteristik des
Marianenklimas und bietet aufserdem im geschichtlichen Teile manche belang-
reichen Einzelzüge zur Belebung der starren Zahlenreihen dar. Ähnliche Nach-
weise begegnen uns ferner in einem der ältesten Bücher über. unsere Inseln, in
der „Histoire des isles Marianes“ des Jesuitenpaters le Gobien, die 1700 und
1701 zu Paris in zwei Auflagen erschien. Auch die Beschreibung von Ansons
Reise um die Erde ist .an solchen Beiträgen nicht arm. Aus neuerer und
neuester Zeit kommen endlich — von vereinzelten spanischen Quellen?) ab-
gesehen -— die deutschen Mitteilungen in Betracht, und zwar einmal der
vorzitierte Aufsatz von Knorr, zweitens die Berichte der Lokalverwaltung in
den jährlichen „Denkschriften“ über die Entwickelung unserer Kolonien oder
in sonstigen Organen. Mit Bedauern vermissen wir aber noch immer die not-
wendigsten Tabellen, wie sie z. B. über einzelne Karolinen schon veröffentlicht
sind. Woran liegt das?
, Über die Reise S. M. S. „Hertha“ in den „Ann. d. Hydr. ete.“ Bd. IV (1876) S. 277.
2) z. B. Alvarez Guerrs, über dessen Schrift Prof. Blumentritt im „Globus“, Bd, 44
(1883) S, 136 ff, das Bedeutendste gebracht hat.