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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1903,
führer das Zurechtfinden an unbekannten Küstenstrecken und die Ansteuerung
der Häfen. Für diese sind nur Angaben über Fahrwassertiefe, Lotsenwesen,
Schleppdampfer, Schiffsausrüstung, Dockgelegenheit und ähnliches mehr gemacht.
In derselben Weise ist die Beschreibung der belgischen Küste, der französischen
Küste bis Calais und des südlichen Teiles der englischen Ostküste weiter-
geführt. Der Beschreibung der norwegischen Küste von Lindesnäs bis Bergen
sind allgemeine Bemerkungen über Witterung, Wassertiefe, Grund und
Strömungen beigefügt. In. den folgenden Abschnitten werden die Shetland-
und Orkney - Inseln, die Nordostküste von Schottland, der Pentland Firth und
die hauptsächlichsten Häfen zwischen Duncansby Head und Cromer behandelt,
Hiermit sind die Küsten- und Hafenbeschreibungen beendet. Der nun
folgende Teil des Bandes befalst sich zunächst mit den Wind-, Witterungs-,
Gezeiten- und Stromverhältnissen der Nordsee, um darauf noch eine kurze
geographisch geordnete Zusammenstellung aller bereits vorher bei der Küsten-
beschreibung behandelten Häfen und Ankerplätze zu geben. Hierbei wird noch
einmal angeführt, bis zu welchem Tiefgange das KEinlaufen in diese Häfen
möglich ist, und ob Gelegenheit zum Docken, Reparieren und Bunkern vor-
handen ist. Die Dockanlagen, Patenthellinge u. s. w. der verschiedenen Häfen
sind im folgenden mit Angaben über ihre Gröfse und Tragfähigkeit besonders
angeführt, ebenso die Plätze, in denen Bunkerkohlen zu haben sind und wo
sich russische Konsulate oder Gesandtschaften befinden. Die weiteren Zu-
sammenstellungen nennen die Zeitsignal-, Rettungs-, Sturmsignal-, Lloydsignal-,
Lotsen- und Signalstationen und geben auch Aufschluls über die entsprechenden
Signale sowie über Not- und Eissignale. Die Verkehrsverhältnisse der Nordsee-
Häfen werden durch kurze Angaben über Telegraphenkabel, Dampfer- und
Bahnlinien berücksichtigt, während vor den Gefahren der Schiffahrt an den
verschiedenen Küsten durch Aufzählung der in den letzten Jahren dort vor-
gekommenen Strandungen und Schiffszusammenstöfse gewarnt wird. Zum Schlufs
folgen noch Anweisungen für die Fahrt durch die Nordsee nach den verschiedenen
Häfen und nach dem Atlantischen Ozean und zurück, sowie eine Entfernungs-
tabelle für die Haupthäfen,
Wie schon aus der Inhaltsangabe ersichtlich ist, bildet der vorliegende
Band die Vereinigung eines Küstenhandbuches mit einem Dampferhandbüch, oder
deutlicher ausgedrückt, er beschreibt die Küsten der Nordsee, allerdings in
sehr abgekürzter Form, und gibt gleichzeitig Anweisungen für die verschiedenen
Dampferwege durch die Nordsee nach dem Atlantischen Ozean und nach den
für die russische Schiffahrt hauptsächlich in Betracht kommenden Häfen. Diese
Art der Zusammenstellung war erforderlich, da keine russischen Küsten-
handbücher für die Nordsee vorhanden sind, und weil andererseits ein Dampfer-
handbuch allein den Gebrauch fremder Küstenhandbücher nicht entbehrlich
gemacht hätte. Bei der Zusammenstellung des Werkes unter der Leitung des
Barons Wrangel ist alles Überflüssige geschickt vermieden und das Notwendige
in übersichtlicher Weise geordnet worden. Die Angaben über Strömungen,
Gezeiten, besonders gefährliche Stellen für die Schiffahrt etc., in der zweiten
Hälfte des Bandes, hätten sich vielleicht besser mit den Anweisungen für die
verschiedenen Wege vereinigen lassen, um auf diese Weise für jeden Weg eine
vollständige, alle Verhältnisse berücksichtigende Anleitung zu geben und das
lästige Nachschlagen in anderen Abschnitten zu vermeiden. Wollte man aufser-
dem noch eine zusammenhängende Darstellung der Strömungen, Gezeiten etc.
geben, die für manche Zwecke wünschenswert erscheint, so hätte dies ohne
nennenswerte Vergröfserung des Umfanges geschehen können. Der verhältnis-
mäßig geringe Umfang des Bandes (251 Seiten, wovon die eigentliche Küsten-
beschreibung nur etwa 150 Seiten einnimmt‘), ist vor allen Dingen dadurch
erreicht worden, dafs im Hinblick auf den bereits betonten Zweck eines jeden
Segelhandbuches, als erläuternder Text zu den Seekarten zu dienen, alles weg-
gelassen worden ist, was unmittelbar aus den Karten zu ersehen ist. Durch
diesen geringen Umfang wird natürlich die Übersichtlichkeit und das schnelle
Zurechtfinden wesentlich erhöht, ein Vorteil, der gar nicht hoch genug anzu-
schlagen ist, wenn man bedenkt, dafs im allgemeinen Segelhandbücher, und
besonders umfangreiche, nur in dringenden Fällen zur Hand genommen werden.
Solange nur irgend mit der Karte allein auszukommen ist, wird vielfach kein