Ann. d. Hydr. ete., XXXI. Jahrg. (1903), Heft 1V.
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Eine Anleitung für die Fahrt von Kronstadt nach Wladiwostok
und zurück in neuer Form.
Von Julius Herrmann, Assistent bei der Seewarte,
Im Januarheft des vorigen Jahrganges dieser Zeitschrift‘) wurden bereits
die bis dahin erschienenen ersten beiden Bände des russischen Handbuches für
die Fahrt von Kronstadt nach Wladiwostok und zurück eingehend besprochen.
Der erste Band behandelte in der Hauptsache, wie noch einmal kurz erwähnt
werden mag, die maritim - meteorologischen Verhältnisse dieser Fahrt, während
der zweite Band die Anweisungen für die Fahrt durch die Ostsee enthielt. Der
jetzt vorliegende dritte Band bringt daran anschliefsend die Anweisungen für
die Fahrt durch die Nordsee in den Atlantischen Ozean und umgekehrt, unter
Zugrundelegung der ausführlichen deutschen und englischen Segelhandbücher,
soweit sie für die Dampferfahrt von Nutzen sind. Aufser dem Wege vom
Skagerrak nach dem Englischen Kanal sind auch der nördliche Weg zwischen
der norwegischen Küste und den Shetland-Inseln und die verschiedenen Wege
zwischen den Shetland- und Orkney - Inseln und der Nordküste Schottlands in
den Atlantischen Ozean berücksichtigt.
Da für die Nordsee keine russischen Karten vorhanden sind, sind die
russischen Seeleute hauptsächlich auf den Gebrauch der englischen Karten an-
gewiesen. Daraus und mit Rücksicht auf den eigentlichen Zweck des Buches,
das die Angaben’der Karte ergänzen und den erläuternden Text dazu bilden
soll, ergab sich die Notwendigkeit, alle Eigennamen in der englischen Benennung
aufzuführen. Nur solche Namen, die sich schon in der russischen Sprache ein-
gebürgert haben, sind in der russischen Schreibweise gegeben. Hierdurch
werden Verwechselungen von Namen und Milsverständnisse vermieden, und die
in den Karten vorhandenen Namen können im Handbuche leicht aufgefunden
werden. .
Für die Anordnung des Stoffes sind die verschiedenen Wege von der
Ostsee nach dem Atlantischen Ozean, d. bh. vom Skagerrak und vom Kaiser
Wilhelm-Kanal nach dem Englischen Kanal und vom Skagerrak um den Norden
Schottlands mafsgebend gewesen. Bei dem grofsen Interesse, das in deutschen
Schiffahrtskreisen der Frage der Dampferhandbücher, wie sie vor einiger Zeit
von der Deutschen Seewarte angeregt worden ist, entgegengebracht wird, dürfte
es” angebracht sein, näher auf den Inhalt des vorliegenden Werkes einzugehen.
Hierbei mag erwähnt werden, dafs das russische Handbuch nach ähnlichen
Grundsätzen zusammengestellt ist, wie sie im Jahre 1900 dem Entwurfe des
Handbuches der Seewarte „Der Pilote, ein Handbuch für Dampfer in der Süd-
amerikanischen Fahrt“ zugrunde gelegt wurden.
Vorweg genommen sind Angaben über das Betonnungs-, Rettungs-, Signal-
und Lotsenwesen von Holland, Belgien und England, während die gleichen
Angaben für Norwegen, Dänemark und Frankreich erst bei der allgemeinen
Zusammenstellung der sämtlichen Rettungs-, Signal-, Lotsenstationen u. s. w.
der Nordsee in der zweiten Hälfte des Bandes gegeben werden.‘ Hieran
schliefst sich eine kurze Übersicht über die Tiefenverhältnisse und die gefähr-
lichsten Bänke der Nordsee. Die Küstenbeschreibung, die bei Skagen beginnt
und zunächst die Westküste Jütlands, die deutsche Nordsee-Küste und die
holländische Küste‘ behandelt, ist auf das Notwendigste beschränkt. Ebenso
wie auch bei den Küstenbeschreibungen in den folgenden Abschnitten sind nur
die hauptsächlichsten Landmarken, die äufseren Bänke, die der Küste vor-
gelagerten Inseln, Gezeiten und Strömungen und die Haupthäfen berücksichtigt.
Zahlreiche Abbildungen der wichtigsten Küstenpunkte und Landmarken er-
gyänzen die Küstenbeschreibung in geeigneter Weise und erleichtern dem Schiffs-
i) „Ann. d. Hydr. etc.“ 1902, S. 20.
Ann. d. Hyde. etc, 1903, Heft IV.