136 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1903,
zeitig hoher Luftdruck von Südwesten her über Südeuropa vordrang, 80 dafs die
Winde an der Küste in dem eingangs erwähnten Umfange auffrischten. Diese
Depression entfernte sich in nördlicher Richtung bei dem Herannahen einer
neuen Depression, die, rasch vom Ozean heranziehend, bei südlicher Erstreckung
bis zum Alpengebiet am 7. und 8. von Schottland über Südskandinavien nach
Finnland mit einem tiefen Minimum schritt, das die für diese Tage angegebenen
atürmischen Winde hervorrief. Eine neue tiefe Depression schritt am 9. bis 12,,
zeitweise ganz Europa vom hohen Norden bis nach dem Mittelmeer umfassend,
mit einem Minimum südwestlich von Schottland her über das Skagerrak nach
Westrufßland.
Im Rücken der genannten Depression breitete sich ein Hochdruckgebiet
von einem Maximum westlich von Schottland her über Skandinavien aus. In
der Nacht zum 12. entwickelten sich an der ganzen Küste nordöstliche Winde,
und damit wurde die kalte Wetterperiode des Monats eingeleitet. Bei dem
starken Vordrängen des hohen Drucks frischten die Winde an der Ostsee am
12, vielfach bis Stärke 7 auf. Rasch rückte das Hochdruckgebiet vom Ozean
heran und breitete sich unter Zunahme an Höhe bereits am l5. über ganz
Europa aus, wo es seine Herrschaft fast uneingeschränkt bis zum 21. behauptete,
Da der Kern höchsten Druckes von den Britischen Inseln über Südskandinavien
und Westrufsland, in welcher Lage er am 17. und 18. die höchsten Barometer-
stände, über 785 mm, aufwies, nach Südosteuropa schritt, so wehten die Winde
an der Küste zunächst aus nordöstlichen, dann aus südöstlichen Richtungen.
Trockenes, vorwiegend heiteres und meist sehr kaltes Wetter war durch diese
Wetterlage gegeben.
Eine am 21. nordwestlich von Schottland liegende Depression entwickelte
einen Ausläufer, der am 22, und 23. vom Kanal her längs der Küste ostwärts
schritt und Niederschläge nebst Erwärmung und ausgebreitetem Nebel herbei-
führte, Hiermit war die dritte Wetterperiode des Monats eingeleitet. Nach-
dem noch mehrere Ausläufer längs der Küste geschritten waren, in deren Ge-
folge die Temperatur bei anhaltendem Nebel weiter anstieg und vielfach steife
Winde am 25, bis 27., wie angegeben, auftraten, näherte sich am 27. das Mini-
mum vom Ozean her dem hohen Norden Europas, und es bildete sich die für
die Entwicklung von schweren und anhaltenden Stürmen bedrohlichste Wetter-
lage heraus: Ost— West verlaufende nahezu gradlinige Isobaren über der Mitte
Europas bei hohem Druck über Südeuropa, besonders im Südwesten, und sehr
niedrigem Druck im hohen Norden. Diese Verteilung des Luftdruckes erhielt
sich bis zum 30. und führte ausgebreitete schwere Stürme herbei, im Gefolge
von Ausläufern, die sich in der dieser Wetterlage eigentümlichen Weise nur durch
leichte ostwärts fortschreitende Ausbuchtungen der Isobaren über dem Küsten-
gebiete zu erkennen geben. Wie gewöhlich, so bereitet es auch in diesem
Falle einige Schwierigkeit, die den einzelnen Ausbuchtungen zukommenden
stürmischen Winde in ihrer Erstreckung über die Küste auseinanderzuhalten;
kaum dafs der Wind im Rücken eines solchen Sturmerregers Zeit hat, nach W
oder gar NW zu drehen, rückt bereits ein neuer Sturmerreger heran, in dessen
Bereich der Wind unter Abnahme zurückdreht, um alsbald unter Rechtdrehen
wieder aufzufrischen. Eine sich am 30. im Nordwesten andeutende neue De-
pression gewann zunächst noch keinen Einflufs, da sich hoher Luftdruck vom
Mittelmeer über Mitteleuropa ausdehnte, so dafs am letzten Tage, wie bereits
am 30. an der Nordsee, an der ganzen Küste trockenes Wetter eintrat.
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