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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Die Witterung an der deutschen Küste im Januar 1903. 
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Steife- bis stürmische Winde brachte die erste Witterungsepoche aus 
dem Südwestquadranten am 4. und in der vorhergehenden Nacht an der west- 
deutschen Küste, am 7. an der Nordsee und am 8. an der ganzen Küste, die 
an der Nordsee vielfach in der Nacht die Stärke 9 erreichten. Die Frostperiode 
führte nur steife Winde in einiger Ausdehnung am 12. an der Ostsee aus dem 
Nordostquadranten und mehr vereinzelt am 17. und 18, aus dem Südostquadranten 
an der Nordsee herbei. Die letzte Periode zeichnete sich in hohem Grade 
durch unruhige Witterung aus. Nachdem steife südwestliche Winde am 25. an 
der Nordsee, am 26, und 27. an der ganzen Küste aufgetreten waren, herrschten 
stürmische Winde aus dem Südwestquadranten, und von Rügen ostwärts teil- 
weise aus dem Nordwestquadranten, am 28. bis 30. an der ganzen Küste und 
noch am 31. von Rügen ostwärts; gröfsere Stärken als 8 wurden an der Nord- 
see nur vereinzelt beobachtet, während an der Ostsee am 29. und 30. vielfach 
starker Sturm auftrat. Diese stürmischen Winde aus westlichen Richtungen 
hatte ihre‘ gröfste Stärke fast durchweg in der Nacht und ließen am 
Tage nach. 
Die höchsten Tagestemperaturen zeigten in ihrem Gange von Tag zu 
Tag nach einer Zunahme während der ersten Pentade, vom 6. bis 10., 11. im 
Osten, wenig Änderung, dann ein rasches Fallen und nach einer vorübergehen- 
den Zunahme um Mitte des Monats ein weiteres Sinken bis zum 17,, worauf 
meist wenig Änderung bis zum 22. folgte; nach zunächst raschem, dann lang- 
samem Steigen his zum 26. oder 27. erfuhren die Tagesmaxima dann bis Monats- 
schlufs geringe Änderung. Die Tagesminima zeigten nahezu den gleichen Gang, 
doch bei gröfseren Schwankungen einen unstetigeren Verlauf und die Wende- 
punkte der‘ Curven im allgemeinen um einen Tag verspätet. — Die Temperatur 
schwankte an der Küste zwischen 10,4, dem Maximum von Hamburg, und — 14,4, 
dem Minimum von Rügenwaldermünde, also um 24,8, gegenüber der kleinsten 
Schwankung von 14,1 in Keitum und gröfsten gleich 21,7 in Rügenwaldermünde. 
Die Zahl der Eistage mit Maximum unter 0 betrug 7 bis 12, die der Frosttage 
mit Minimum unter 0 war 13 bis 17. Die aus den Änderungen der Temperatur 
von Tag zu Tag für die drei Beobachtungstermine als ‚arithmetisches Mittel 
ohne Rücksicht auf die Vorzeichen der Änderungen berechnete interdiurne Ver- 
änderlichkeit der Temperatur (I. T. V.) lag mit ihren gröfsten Werten zwischen 
1,9 (Borkum) und 3,0 (Neufahrwasser); die kleinsten Werte fielen meist auf den 
Nachmittag, die gröfsten fast durchweg auf den Morgen. 
Die Monatsmengen des Niederschlags waren im Westen gröfser als im 
Osten und lagen meist zwischen 30 und 55 mm; gegenüber 19 mm in Neufahr- 
wasser und 24 in Norderney hatten Brunsbüttelkoog 58 und Schleimünde 64 mm. 
Sehr ergiebige Niederschläge mit mehr als 20 mm in 24 Stunden kamen nicht 
vor; die gröfsten Tagesmengen traten am 5. an der Nordsee, mehrfach 13 bis 
15 mm erreichend, auf. ‚Nebel herrschte in gröfserer Verbreitung am 2, und 
5. an der Nordsee, am 6. über Rügen und Pommern, am 20. und 21. an der 
preufsischen Küste, am 22., 23. und 24. ostwärts bis Mecklenburg, bezw. Rügen 
und Pommern, am 25. an der ganzen Küste sowie am 26, und 28. an der Nord- 
see. Als heitere Takt an denen die Bewölkung im Mittel aus den nach der 
Skale 0 bis 10 zur Zeit. der‘ Terminbeobachtungen geschätzten. Bewölkungs- 
graden kleiner als 2 war, charakterisierten sich über gröfserem Gebiete der 13, 
von der Weser bis zur Kieler Föhrde und an der preufsischen Küste, der 14. 
ostwärts bis Rügen und der 17, bis 22, an der ganzen Küste, an den beiden 
letzten Tagen vielfach von Nebel begleitet. 
Die erste Wetterperiode charakterisierte sich durch die andauernde 
Herrschaft von mächtigen, ziemlich tiefen Depressionen, die Europa in östlichen 
Richtungen durchquerten und ihren Bereich vom Ozean meist bis zu den Alpen 
und in den letzten Tagen bis zum Mittelmeer erstreckten. Auf der südlichen 
Seite der vorübereilenden Minima gelegen, hatte die Küste ganz überwiegend 
Winde aus südlichen Richtungen ozeanischen Ursprungs, so dafs mildes Wetter 
und Niederschläge nicht ausbleiben konnten. Nachdem sich eine am 1. Mittel- 
europa bedeckende Depression in der folgenden Nacht nach Finnland entfernt 
hatte, breitete sich eine neue Depression nördlich von Schottland her bis zum 
A, ostwärts über Nord- und Mitteleuropa bis Westrußland aus, während gleich-
	        
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