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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1903.
Die vieljährigen Mittel beziehen sich auf den 25jährigen Zeitraum 1876/1900, bis auf
die der Windgeschwindigkeit, die aus allen bis 1891 einschl. vorhandenen Anemometer-Registrierungen
1bgeleitet wurden, soweit die Aufstellung der Anemometer keine erhebliche Änderung erfahren hatte.
[nfolge der Veränderung der Umgebung der Anemömeter und des langjährigen Gebrauchs dieser
Apparate erscheinen die berechneten vieljährigen Mittel mehrfach zu grofs, so dafs eine Neuberechnung
demnächst ausgeführt werden wird.
Für Rügenwaldermünde wurden die 15jährigen Mittel 1886/1900 auf 25jährige 1876/1900
mittelst der Stationen Swinemünde und Neufahrwasser reduziert.
Seit dem 1. Januar 1899 werden die registrirten Windgeschwindigkeiten aus den
Umdrehungen des Schalenkreuzes mittels experimentell hestimmter Konstanten berechnet; sie er-
scheinen seitdem wesentlich kleiner als bei der früher benutzten, von Robinson eingeführten An-
nahme, dafs der Wind einen dreimal so grofsen Weg zurücklege als die Mitte der rotierenden
Anemometer-Schalen,
Als Sturmnorm sind untere Grenzwerte für die stündliche Geschwindigkeit bei stürmischen
Winden zu verstehen, die in Beiheft II des „Monatsberichtes der Deutschen Seewarte, Jahr-
gang 1890“ abgeleitet wurden; infolge der veränderten Berechnung der registrierten Geschwindigkeiten
mufsten die Sturmnormen entsprechend umgerechnet werden und erscheinen jetzt kleiner als
früher. Die für Keitum und Memel, wo die Anemometer inzwischen eine andere Aufstellung
erhalten haben, angegebenen Sturmnormen sind nicht ganz sicher, dürften aber ihren wirklichen
Werten nahezu entsprechen; für Neufahrwasser dürfte die Sturmnorm, zufolge der Aufstellung
des Anemographen, von der Windrichtung zum Teil abhängig sein, -8o dafs die angegebene Sturmnorm
als unsicher zu betrachten ist.
Als Tage mit Sturm wurden diejenigen Tage gezählt, an welchen die mittlere Wind-
geschwindigkeit im Mittel mindestens einer Stunde die betreffende Sturmnorm erreichte. Wo
Störungen im Gange der Anemometer vorkamen, ohne dafs die durchschnittliche stündliche
Geschwindigkeit für diese Zeit ermittelt werden Konnte, sind die Monatsmittel der Wind-
geschwindigkeiten kursiv gedruckt; die Daten der Tage mit derartigen Störungen, an denen
stürmische Winde beobachtet wurden, sind ebenso wie die Tage mit stürmischen Böen, an denen
lie Sturmnormen nicht erreicht wurden, in Klammern hinzugefügt; in gleicher Weise bedeuten die
in Klammern gestellten Zahlen für Rügenwaldermünde, das kein Anemometer besitzt, die Daten der
Tage, an denen stürmische Winde beobachtet wurden.
Durch kursive Ziffern sind allgemein alle Werte gekennzeichnet, bei deren Ableitung
interpolierte oder ergänzte Zahlen mitbenutzt werden mufsten,
Bei etwas zu hohem Luftdruck charakterisierte sich der Monat in seinen
Mittelwerten als mild und heiter; die registrierten Windgeschwindigkeiten waren
meist zu grofs, während die Niederschlagsmengen an der Nordsee zu klein, an
der Ostsee aber fast überall zu grofs ausfielen. Nach den Terminbeobachtungen
überwogen die Winde der südlichen Quadranten an Zahl bedeutend diejenigen
aus WNW bis ONO.
Der Monat brachte drei Witterungsperioden: mildes und niederschlag-
veiches Wetter zu Anfang und Ende des Monats, getrennt durch kaltes und
trockenes Wetter etwa vierzehntägiger Dauer, das einige Tage vor Monatsmitte
einsetzte.
Zunächst herrschte mildes Wetter mit Niederschlägen an der west-
deutschen Küste bis zum 11., an der ostdeutschen bis zum 12. Bis auf leichten
Frost zu Beginn und Ende dieser Periode blieb das Wetter fast ausnahmslos
(rostfrei; täglich hatte fast die ganze Küste Niederschläge, ausgenommen wesent-
lich trockene Witterung am 2. östlich von Rügen, am 7. östlich der Oder sowie
am 8. und 9. über dem gröfseren Teile der Küste.
Mit nordöstlichen Winden setzte alsdann die zweite Periode ein, die bis
zum 23. oder 24. kaltes, bis zum 22, trockenes, vorwiegend heiteres Wetter
herbeiführte. Nachdem bereits am 12, die höchste Tagestemperatur ostwärts
bis zur Oder unter den Gefrierpunkt gesunken war, herrschte in der Folge, mit
wenigen Ausnahmen um Mitte des Monats, anhaltend Frost bis zum 22. und
vielfach strenge Kälte, besonders um den 18, und 22.
Die zunächst im Westen eintretende Zufuhr ozeanischer Luft leitete die
dritte Witterungsperiode ein. Niederschläge traten in der Nacht zum 23. an
der Nordseeküste ein, breiteten sich am 23. über das ganze Gebiet aus und er-
bielten sich in dieser Ausdehnung bis zum 29.; erst der 30. war an der Nord-
see, der 31. an der ganzen Küste wesentlich trocken. Am 23. hoben sich die
höchsten Tagestemperaturen an der Nordsee, an der Ostsee teilweise erst am
24. und in Memel am 25., über den Gefrierpunkt, und nach rascher Erwärmung,
verbunden mit weit ausgebreitetem und anhaltendem Nebel, brachte die letzte
Woche wieder sehr milde Witterung, annähernd gleich derjenigen der zweiten
Pentade: seit dem 26, blieb die Küste andauernd frostfrei.