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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 19083,
Die Elisabeth-Bucht, Südwestafrika.
Nach Bericht S. M, S. „Wolf“, Komädt, Kaptit. Bechtel, August 1902,
Allgemeines, Der Charakter der Küste nördlich und südlich von der
Elisabeth-Bucht ist felsiger Natur. An den nach See zu steil abfallenden Felsen
steht überall starke Brandung. Nur an wenigen Stellen ist bei gutem Wetter
eine Landung möglich. Die Vegetation ist, wie an der ganzen Küste von
Südwestafrika, äufserst mangelhaft und besteht aus nur kleinem Buschwerk und
Pflanzen, die wenig Wasser gebrauchen. Nur nahe der Elisabeth-Bucht befindet
sich eine Stelle mit trinkbarem Wasser, dicht bei der Quellenbake. Aber auch
dieses Wasser hat einen brackigen Geschmack.
Landungsverhältnisse. Bei der Ansiedelung auf der Possession-Insel
befindet sich ein bequemer Landungssteg, der, weit in die See hinausgebaut, bei
jedem Wetter eine Landung gestattet. Auf dem Festlande sind die Landungs-
verhältnisse der Brandung wegen fast immer schwierige. Die beste Landungs-
stelle befindet sich an der südlichen Ecke des langen Sandstrandes, der der
Ansiedelung auf der Possession-Insel gegenüberliegt. Ratsam ist es, bei der
ersten Landung sich an die Guano-Fischer von Possession zu wenden, die jederzeit
sich bereitwilligst zur Verfügung stellen.
Wind, Wetter und Strömungen. Wie an der ganzen Südafrikanischen
Westküste ist auch hier der Südwestwind vorherrschend. Diesem Winde ent-
sprechend, der in den Nachmittagsstunden fast regelmäfsig zu Stärke 5 bis 6
auffrischt, steht auch meistens starke Dünung aus Südwest. Das Auftreten von
O-Wind hat stets einen günstigen Einflufs auf das Wetter; die Dünung geht
rasch herunter und der oft tagelang über das ganze Gebiet ausgebreitete Nebel
verschwindet.
Eine Linie, von südlich der Grofsen Bucht nach 315° (NW) laufend,
bildet eine Scheide für Wind, in Bezug auf Stärke und Richtung, für See, in
Bezug auf Stärke, und vor allem für Nebel. Nördlich von dieser Linie ist viel
weniger Nebel als südlich davon. Diese Beobachtung wird von den lange Jahre
an der Küste fahrenden Dampferkapitänen bestätigt. ;
Parallel zu dieser Linie setzt der Küstenstrom meist von der Grofsen
Bucht an nach 215° (NW) mit 0,3 bis 0,5 Sm in der Stunde; südlich von der
Grofsen Bucht läuft der Strom parallel zur Küste, Vor beiden Eingängen zur
Elisabeth-Bucht setzen wechselnde Strömungen, Der meist nach Norden laufende
Küstenstrom setzt nach längerem nördlichen Wind, aber nur dann, in einen fast
gleich starken Südstrom um.
In der inneren Lüderitz-Bucht ist es klar, wenn aufserhalb der Bucht
dicker Nebel liegt. Nur bei nördlichem Winde kommt Nebel in die Bucht.
Dasselbe ist meist, aber nicht ‘so regelmäßig, in der Elisabeth-Bucht der Fall.
Das Barometer zeigt jeden Witterungswechsel durch eine scharfe Kurve
an, aber so kurz vor dem Wechsel, dafs man danach nicht etwa einen Plan für
24 Stunden machen kann. Das schönste Wetter war stets beim Barometerstand
von 765 mm; am meisten Wind war, wenn das Barometer auf 770 mm oder
noch höher stand. Nebel war am häufigsten, wenn das Barometer um 770 mm
herum stand. Im allgemeinen kann man mit 3 bis 4 tägigen Wetterperioden
rechnen. Vollmond. und Neumond bringen nach 2 bis 3 Tagen stets energischen
Umschlag,
Ankerplatz. Der geschützteste Ankerplatz in der Elisabeth-Bucht befindet
sich bei der Possession-Insel in der Höhe der Ansiedelung in der Peilung:
Nord-Possession . . . .. 2... . . 45° (NW), .
Flaggenstange auf dem Berge der Insel . 292° (WSW).
Da der Grund steinig ist, stecke man mindestens das Fünffache der
Wassertiefe an Kette aus.
Einsteuerung. Beim Einlaufen in die Bucht durch die nördliche Einfahrt
ist zu beachten, dafs man nicht der Küste bei Doppelkopf und Elisabeth Point
zu nahe kommt, da der Grund hier sehr unrein ist. In der Peilung 214° (SWzS)
vom Doppelkopf liegen die Steine bis 0,7 Sm von Land ab und ziehen sich in
der Richtung 142° (SO®/<S) trotz der in das Land nach Norden einschneidenden