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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Zur Küstenkunde Venezuelas. 
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Vela de Coro, in der Südostecke der gleichnamigen Bucht gelegen, ist ein 
nur aus wenigen ärmlichen Häusern bestehender Ort. . Von See aus fällt be- 
sonders ins Auge das Zollgebäude dicht am Wasser und die mit einem Blech- 
dach gedeckte Landungsbrücke. Vela ist Hafenort des ungefähr 14 km weiter 
westlich: gelegenen Coro, mit dem er durch Bahn verbunden ist. Der Handel 
ist nur gering. In ruhigen Zeiten verkehrt dort alle 14 Tage ein Dampfer der 
amerikanischen Red D-Linie. Küstenschiffahrt und Verkehr mit Curagao durch 
Schoner und Goeletten wird ebenfalls unterhalten. Die Ansteuerung des Anker- 
platzes macht keine Schwierigkeiten. Der Kurs parallel zur Küste wird bei- 
bebalten, bis Vela völlig zu sehen ist. Dann ändere man den Kurs auf das 
Zollhaus und fühle sich mit dem Lot bis. auf die dem Tiefgange des Schiffes 
entsprechende Wassertiefe. Die Bucht ist sehr flach. S. M. S. „Gazelle“ lag auf 
7m Wasser ungefähr 2 Sm von der Ortschaft entfernt. Selbst bei mäfsiger 
Brise verursacht die auf das flache Wasser auflaufende See groben Seegang, 
der das Liegen unbequem macht und den Bootsverkehr mit dem Lande erheblich 
erschwert. Das Hafenfeuer brennt nicht. Die an einem Hause am Wasser be- 
festigte Laterne ist völlig zerstört. 
Aruba - Insel. Die Feuer Cerrito Colorado und Oranjestadt wurden auf 
bedeutend . gröfsere Entfernung gesichtet, als im Leuchtfeuer-Verzeichnis oder 
in der Karte angegeben. Peilungen ergaben einen Abstand. von Oranjestadt 
von 14 Sm, von Cerrito Colorado von 18 Sm. Es war Neumond und die Luft 
gut sichtig; die Augeshöhe betrug 9,5 m. 
Estanques-Bai. Die im „West India Pilot“ gegebene Weisung, den Pan 
de St. Ana in 85° (0'4N) voraus zu halten, führt gut frei von Taques Point. 
Die Bucht wird nach innen schnell flach. Ankerplatz findet man dicht bei 
Taques Point in etwa 600 m Abstand, die Spitze der Landzunge 270° (W) 
peilend. Die Bucht ist gegen Nord- und Ostwinde gut geschützt und bietet guten 
Ankergrund. Verkehr findet gar nicht statt. Die Ortschaft Taques wie auch 
das auf der Landzunge gelegene Fischerdorf sind ohne Bedeutung. DLeichter- 
verkehr mit Maracaibo besteht zurzeit nicht. Vorräte sind nicht zu bekommen. 
Punta la Macolla markiert sich auf gröfsere Entfernung gut. Punto Salinos ist, 
wie im „West India Pilot“ angegeben, an den Bäumen gut zu erkennen. 
St.Juan-Bai. Eine flache gegen Nord- und Nordostwinde nur wenig geschützte 
Bucht. Die Wassertiefe beträgt durchweg 7 bis 8 m und nimmt von St. Juan 
Cay nach innen langsam ab. Die geringe Wassertiefe zwingt, in ungefähr 2 Sm 
Abstand von der im Süden der Bucht liegenden Ansiedelung zu ankern. Die 
Durchfahrt zwischen St. Juan Cay und NW Cay hat gegenüber der zwischen 
NW Cay und der Küste den Vorteil, dafs man längere Zeit gröfsere Wasser- 
tiefen lotet und sich bis zum Ankerplatze nur verhältnismälsig kurze Zeit auf 
7 bis 8 m Wasser befindet. Schiffe mit grofsem. Tiefgange ankern am besten 
westlich vom NW Cay. 
Strom. Zwischen der Paraguana-Halbinsel und Aruba setzte der Strom im 
Oktober stark nach Westen. Auf der Fahrt Curacao—St. Juan-Bai—La Guayra 
wurde Oststrom .von 0,5 bis 1 Sm Geschwindigkeit vorgefunden. Im November— 
Dezember fand man auf der Fahrt von St. Tumas nach Puerto Cabello nördlich 
von Los Roques den Strom nach WzS, 27 Sm im Etmal setzend. Zwischen 
Trinidad und Grenada wurde Weststrom von 2 Sm Geschwindigkeit beobachtet, 
und unter der Küste sehwacher Weststrom. 
Die Windverhältnisse werden während der letzgenannten Periode normal, 
nur am 25. November ging der Wind, nachdem er bis 3° aus Nordost mit 
Stärke 3 geweht hatte, plötzlich auf Nordnordost und frischte gleichzeitig auf. 
Gegen 8” V wehte er mit Stärke 6 bis 8, bis 11° N mit Stärke 5 bis 7, dann 
faute er ab. Das Barometer zeigte keine ungewöhnlichen Schwankungen, 
Ann. d. Hydr. etc., 1008, Heft IM.
	        
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