Zur Küstenkunde Venezuelas.
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Vela de Coro, in der Südostecke der gleichnamigen Bucht gelegen, ist ein
nur aus wenigen ärmlichen Häusern bestehender Ort. . Von See aus fällt be-
sonders ins Auge das Zollgebäude dicht am Wasser und die mit einem Blech-
dach gedeckte Landungsbrücke. Vela ist Hafenort des ungefähr 14 km weiter
westlich: gelegenen Coro, mit dem er durch Bahn verbunden ist. Der Handel
ist nur gering. In ruhigen Zeiten verkehrt dort alle 14 Tage ein Dampfer der
amerikanischen Red D-Linie. Küstenschiffahrt und Verkehr mit Curagao durch
Schoner und Goeletten wird ebenfalls unterhalten. Die Ansteuerung des Anker-
platzes macht keine Schwierigkeiten. Der Kurs parallel zur Küste wird bei-
bebalten, bis Vela völlig zu sehen ist. Dann ändere man den Kurs auf das
Zollhaus und fühle sich mit dem Lot bis. auf die dem Tiefgange des Schiffes
entsprechende Wassertiefe. Die Bucht ist sehr flach. S. M. S. „Gazelle“ lag auf
7m Wasser ungefähr 2 Sm von der Ortschaft entfernt. Selbst bei mäfsiger
Brise verursacht die auf das flache Wasser auflaufende See groben Seegang,
der das Liegen unbequem macht und den Bootsverkehr mit dem Lande erheblich
erschwert. Das Hafenfeuer brennt nicht. Die an einem Hause am Wasser be-
festigte Laterne ist völlig zerstört.
Aruba - Insel. Die Feuer Cerrito Colorado und Oranjestadt wurden auf
bedeutend . gröfsere Entfernung gesichtet, als im Leuchtfeuer-Verzeichnis oder
in der Karte angegeben. Peilungen ergaben einen Abstand. von Oranjestadt
von 14 Sm, von Cerrito Colorado von 18 Sm. Es war Neumond und die Luft
gut sichtig; die Augeshöhe betrug 9,5 m.
Estanques-Bai. Die im „West India Pilot“ gegebene Weisung, den Pan
de St. Ana in 85° (0'4N) voraus zu halten, führt gut frei von Taques Point.
Die Bucht wird nach innen schnell flach. Ankerplatz findet man dicht bei
Taques Point in etwa 600 m Abstand, die Spitze der Landzunge 270° (W)
peilend. Die Bucht ist gegen Nord- und Ostwinde gut geschützt und bietet guten
Ankergrund. Verkehr findet gar nicht statt. Die Ortschaft Taques wie auch
das auf der Landzunge gelegene Fischerdorf sind ohne Bedeutung. DLeichter-
verkehr mit Maracaibo besteht zurzeit nicht. Vorräte sind nicht zu bekommen.
Punta la Macolla markiert sich auf gröfsere Entfernung gut. Punto Salinos ist,
wie im „West India Pilot“ angegeben, an den Bäumen gut zu erkennen.
St.Juan-Bai. Eine flache gegen Nord- und Nordostwinde nur wenig geschützte
Bucht. Die Wassertiefe beträgt durchweg 7 bis 8 m und nimmt von St. Juan
Cay nach innen langsam ab. Die geringe Wassertiefe zwingt, in ungefähr 2 Sm
Abstand von der im Süden der Bucht liegenden Ansiedelung zu ankern. Die
Durchfahrt zwischen St. Juan Cay und NW Cay hat gegenüber der zwischen
NW Cay und der Küste den Vorteil, dafs man längere Zeit gröfsere Wasser-
tiefen lotet und sich bis zum Ankerplatze nur verhältnismälsig kurze Zeit auf
7 bis 8 m Wasser befindet. Schiffe mit grofsem. Tiefgange ankern am besten
westlich vom NW Cay.
Strom. Zwischen der Paraguana-Halbinsel und Aruba setzte der Strom im
Oktober stark nach Westen. Auf der Fahrt Curacao—St. Juan-Bai—La Guayra
wurde Oststrom .von 0,5 bis 1 Sm Geschwindigkeit vorgefunden. Im November—
Dezember fand man auf der Fahrt von St. Tumas nach Puerto Cabello nördlich
von Los Roques den Strom nach WzS, 27 Sm im Etmal setzend. Zwischen
Trinidad und Grenada wurde Weststrom von 2 Sm Geschwindigkeit beobachtet,
und unter der Küste sehwacher Weststrom.
Die Windverhältnisse werden während der letzgenannten Periode normal,
nur am 25. November ging der Wind, nachdem er bis 3° aus Nordost mit
Stärke 3 geweht hatte, plötzlich auf Nordnordost und frischte gleichzeitig auf.
Gegen 8” V wehte er mit Stärke 6 bis 8, bis 11° N mit Stärke 5 bis 7, dann
faute er ab. Das Barometer zeigte keine ungewöhnlichen Schwankungen,
Ann. d. Hydr. etc., 1008, Heft IM.