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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1903
Sowie nun die Südwesthuk passiert ist, gehe man auf 63° (NOz0%0)-
Kurs. Dieser führt auf die südlich von der Insel Picuda Chica gelegene Insel
zu und frei durch den Kanal. Das Lot zeigte bei der Durchfahrt mit 20m
keinen Grund, später 36 m an:
Die Halbinsel Morro de Barcelona, die durch einen ganz niedrigen Sand-
rücken mit dem Festlande verbunden ist, erscheint aus der Ferne als Insel und
kann daher leicht mit der Insel Barracho verwechselt werden. Der dahinter
liegende Sandrücken wird erst auf einige Seemeilen Abstand wahrgenommen.
Die vor der Einfahrt nach der Guanta-Bucht liegenden Inseln sind schwer
zu unterscheiden, man mufs sich merken, dafs die Insel Tourblanche die höchste
derselben ist.
S. M.S. „Vineta“ lag vor der Grande Passage zu Anker. Scheinbar
setzt hier ein Unterstrom. Das Schiff lag trotz Windstärke 3 bis 4 nicht auf
dem Winde und die mit dem Relingslog gemachten Strombestimmungen er-
gaben keinen Strom.
Ansteuerung von Norden her. F-Kapt. Graf v. Oriola berichtet
darüber wie über die Küste folgendes: S.M.S. „Gazelle“ benutzte die in der
Karte mit „best track“ angegebene Durchfahrt zwischen Chimana Grande und
Chimana Segunda. Nach dem Verlassen dieser Durchfahrt wurde der Kurs ge-
ändert auf die östliche den Hafen von Guanta bildende Huk und dieser so
lange eingehalten, bis zwischen Round Island und Tourblanche (Pitahaga Island
nach der amerikanischen Spezialkarte von Guanta Nr. 1324) die Häuser von
Guanta zu sehen waren. Die Einfahrt in den Guanta-Hafen ist ohne Schwierigkeit
ausführbar, man hat nur die Mitte zwischen der Pitahaga-Insel, der Centre-Insel
und der South-Insel einerseits, und den Round-Inseln und den Long-Inseln
andererseits zu halten. S.M.S. „Gazelle“ steuerte mit 170° (S’/s O)-Kurs, das
Zollhaus recht voraushaltend, bis die Verte-Insel 256° (WSW*°/4W) peilte, wo
auf 22 m Wasser geankert wurde. Das Zollhaus ist ein einstöckiges ziemlich
hohes Gebäude mit rotem Dache. Die Bezeichnung Verte-Insel findet sich nicht
in der amerikanischen Karte; mit Verte-Insel wird die südlich von der South-
Insel auf der Green Island-Bank gelegene Insel bezeichnet.
Der Hafen ist gegen alle Winde geschützt. Ein hölzernes Bollwerk ge-
stattet das Festmachen an Land. Telegraphenverbindung ist vorhanden, ebenso
Bahnverbindung mit Barcelona.
Eine in italienischem Besitz befindliche Grube fördert die viel Schwefel
haltende Guanta-Kohle zu Tage.
Der Platz zum Manövrieren ist beschränkt. Ist man gezwungen zu
drehen, so schwingt man am besten um den Anker. Der Hafen ist nicht geräumig.
Bei Anwesenheit von zwei Schiffen ist bereits ein Verankern mit Bug- und
Heckanker notwendig. .
Die Küste von der St. Juan-Bai bis Vela de Coro. Der Verlauf der
Küste ist richtig in die Brit. Adm-Krt. Nr. 1966 eingezeichnet, doch scheinen
einzelne „Puntas“, wie Manzanillo und Tayma Tayma, soweit solches durch
Peilungen festgestellt werden konnte, weiter nördlich vorzuspringen als an-
gegeben. Die Konturen der Küste sind von St. Juan bis nach Punta Zamuro
wechselnd, teils niedriges mit Bäumen bestandenes Flachland, teils kahler röt-
licher Fels, steil nach See zu abfallend. Von Punta Zamuro bis nach Punta Tayma
Tayma ist die Küste hügelig mit spärlichem Pflanzenwuchs; von Tayma Tayma
ab ist der Dünensand des Istmo de Medanos bereits . vorherrschend. Der
zwischen der St. Juan-Bai und Ubero Point liegende Farallon de Soldado war
nicht auszumachen. Von den vielen in der Karte eingezeichneten Puntas
konnten mit Sicherheit nur die Puntas Zamuro, de Manzanilla und de Tayma
Tayma ausgemacht werden. Die Punta Zamuro hebt sich‘ scharf ab und ist
ziemlich hoch. Sie fällt steil ab, ist von gelblich roter Färbung und durch
einzelne Palmenbäume und eine Ansiedelung erkennbar. Punta de Manzanilla ist die
5östlichste Huk an der langgestreckten und ziemlich weit zurücktretenden Bucht
von Cunarebo, die im Westen durch Punta Tayma Tayma begrenzt wird. Westlich
von Punta de Manzanilla erstreckt sich teils über, teils unter Wasser eine Sand-
bank in die Bucht hinein. Kurz nach dem Passieren von Punta de Manzanilla
kommt der in der Südostecke der Bucht liegende Ort Cunarebo in Sicht, dessen
Kirche eine weit sichtbare Landmarke bildet.