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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1903.
Fahrt durch den Kanal von Korinth.
Bericht des Kommandos S. M. S. „Stein“, Kapt. z. S. Bachem, Dezember 1902.
Auf der Fahrt vom Piräus nach der Kekhries-Bucht wurde das Schiff,
wie für das Passieren ‘des Kaiser Wilhelm-Kanals vorbereitet. Entsprechend
der 42,6 m betragenden Höhe einer den Kanal überspannenden Eisenbahnbrücke
wurden die Stengen gestrichen. Wegen der Enge zwischen den den Kanal
hoch überragenden Böschungen wurden die Rahen hart angebrafst, die Seitenboote
eingeschwungen und aufgetoppt und die Fallreepspodeste beigeklappt.
Bei Ankunft auf der este von Kalamaki um 11% 5=in V kam der durch
Signal erbetene Kanallotse bis auf etwa 1 Sm auf einem kleinen Schleppdampfer
entgegen. Der Dampfer blieb bei S. M.S. „Stein“ gemäfs Kanalvorschrift,
wonach Schiffen über 800 Tonnen ein Schlepper zur Kanalfahrt kostenlos zur
Verfügung zu stellen ist. Ferner sandte die Kanalverwaltung vier grofse mit
Stahldraht umsponnene und mit Holzplatten aufsen versteifte Korkfender von
1'/a m Durchmesser an Bord, ohne Leihentschädigung zu verlangen. Die Fender
wurden an beiden Seiten in Höhe der Backspieren und der achtersten Kutter
angebracht. Diese vermindern infolge ihrer Dicke gemeinsam mit der grofsen
Steigung der Böschung bei KEinschraubenschiffen unter allen Umständen eine
Grundberührung in oder unter der Wasserlinie. Bei Doppelschraubenschiffen
dürfte jedoch in den meisten Fällen der Schraubenschutz die beste Abwehr-
vorrichtung bleiben. .
Ein Mitglied des Kanaldirektoriums war mit dem Lotsen zusammen an
Bord gekommen, um als Dolmetscher zu dienen, und blieb während der ganzen
Fahrt an Bord. Durch diesen wurde festgestellt, dafs die Angabe der Höhe der
den Kanal kreuzenden Eisenbahnbrücke in dem von der Gesellschaft heraus-
gegebenen Büchlein mit 45,0 m falsch angegeben ist und 42,6 m heifsen mufs,
Nach Beendigung der Vorbereitung wurde mit der geringsten möglichen
Fahrt eingelaufen. Der achterliche Wind war OSO Stärke 4, Strom setzte
Nordwest 3 Sm. Sobald der Kopf des Schiffes in den engen Teil des Kanals
eintrat, setzten Strom und Wind infolge des Widerstandes des aufgestauten
Wassers am Bug das Heck herum. Durch die notwendigen Manöver kam das
Schiff zweimal vorn und achtern in gröfsere Nähe der Böschung, so dafs die er-
wähnten Fender von grofsem Nutzen waren und eine Grundberührung ver-
hinderten. Der mitsetzende Strom erschwerte das Steuern sehr. Bei mitsetzendem
Strom ist nach diesseitiger Ansicht ein Kopfdampfer zur sicheren und schnellen
Durchfahrt erforderlich, während bei entgegensetzendem Strom derselbe wohl
‚ortbleiben kann. Um eine gröfsere Steuerruhe zu erzielen, wurden. dann auch
dem kleinen vorausfahrenden Dampfer zwei Schleppleinen gegeben. Der Erfolg
des Mitschleppens war der gewünschte. Bei der schlechten Übersichtliehkeit
von der Kommandobrücke aus und dem geringen freien Raum von-:4 bis 5 m an
beiden Seiten des Schiffes waren starke und vor allem sehr schnell. aufeinander
folgende Ruderkorrektionen notwendig, welche bei dem nur langsam legbaren
Handruder oft Schwierigkeiten bereiteten. Sobald das Schiff einer Hart-Ruder-
lage nicht genug Folge leistete, wurde die’ erwünschte Drehung durch Fahrt-
vermehrung erzwungen. Zeigte sich Steuerunruhe, so .wurde durch Fahrt-
verminderung dieselbe in kurzer Zeit beseitigt, Am Schlufs der Fahrt erweiterte
sich der Kanal und bot die Ausfahrt keinerlei Schwierigkeiten. Die Durchfahrt
durch den Kanal vollzog sich trotz aller Schwierigkeiten glatt. Der Lotse
machte einen guten, selbstbewulsten und gewissenhaften Eindruck. .Dieser sprach
nur griechisch; der Beamte vom Direktorium übersetzte. die Anweisungen in
das Französische. 4 5.
Die Gebührnisse für Kanalbenutzung betragen für Schiffe nach Häfen des
Adriatischen Meeres: 0,4 Fres. für die Tonne, nach anderen Häfen 0,25 Fres.
für die Tonne. Die Lotsengebühr beträgt 1,5 Centimes für. die Tonne. -
Die Fahrt durch den 3,4 Sm langen Kanal dauerte 37 =", was eine
Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,51 Sm ergibt.
Gleichmäfsige Tiefe des Kanals . . 8,00 m
Breite an der Oberfläche . . . . . 2460 „
» »„ Sohle... “..“ . 21.00