Wislicenus, @:: Betrachtungen über Inhalt nnd Form von Küstenhandbüchern. 111
Die deutsche Beschreibung ist die einzige, die durch mehrere Überschriften
den; Stoff zunächst‘ in drei Teile :teilt.‘ Diese drei Teile. führen. die Über-
gehriften: „Die Bucht von Bilbao“, „Der Nerviön-Flufs“ und die Stadt „Bilbao“.
Durch Anwendung größerer Zeilenstichwörter ist der Teil „Die Bucht von Bilbao“
noch in vier Unterabschnitte geteilt, von denen der erste Abschnitt allgemeine
Angaben bestimmter Art enthält, über die der Schiffsführer vor dem. Anlaufen
des Hafens unterrichtet sein mufs... Dann folgt.im nächsten Unterabschnitt die
Beschreibung der Ostküste der Bilbao-Bucht und im dritten die der Westküste;
schließlich beschreibt der vierte Unterabschnitt den äufseren Hafen von Bilbao.
Dieser erste Teil enthält schon alles Wissenswerte für Schiffe, die nur schlechten
Wetters wegen innerhalb der neuen Wellenbrecher des äufseren Hafens von
Bilbao Schutz suchen. Vergleicht man damit die fremden Handbücher, so findet
man, dafs die nur für den äufseren Hafen von Bilbao giltigen Beschreibungen
und Anweisungen innerhalb der ganzen Beschreibung derart: verstreut sind, dafs
man sie erst an den verschiedensten Stellen, zum Teil ganz am Ende. suchen
mufs, wodurch die schnelle Benutzung jedenfalls erschwert wird.
Zusammenfassung des Zusammengehörigen ist somit eine wichtige Aufgabe
für die deutsche Küstenbeschreibung; denn die Vorzüge einer für den Gebrauch
bequemen und übersichtlichen Anordnung sind wohl leicht. zu erkennen. ‘Des-
halb empfiehlt sich die Einschaltung von Überschriften ‚zur Abgrenzung. von
Unterabschnitten sehr; jemehr solcher Unterabschnitte ein Hauptabschnitt (Kapitel)
enthält, um so leichter wird ‚es für den Seemann, schnell das Gebiet zu finden,
worüber er gerade Auskunft haben will. Die Art und Weise. der Einteilung in
Unterabschnitte mufs freilich dem richtigen Blick des Bearbeiters überlassen
bleiben; sie wird sich vielfach aus der Küstenform ganz von selbst ergeben,
wird allerdings zuweilen‘ auch Schwierigkeiten machen, wenn z. B. ein Gewirr
von Inseln, Untiefen und Fahrstrafßsen die Übersichtlichkeit und den Zusammen-
hang erschwert. Aber wenn man nur an dem Bestreben. festhält, die Be-
schreibung stets den Bedürfnissen‘ der Schiffsführung anzupassen, wird man
imstande sein, auch. bei schwierigeren Gebieten den richtigen Weg für die
Beschreibung herauszufinden. Dazu ist es aber unbedingt.zu empfehlen, für den
Gang der Beschreibung jeder einzelnen Küstenstrecke zunächst einen genauen
Plan mit den den Inhalt bezeichnenden Überschriften und Zeilenstichwörtern
aufzustellen. Als Grundlage für den Plan mufs das Kartenbild dienen, doch
muf dabei auch gleich berücksichtigt werden, ob überhaupt Beschreibungen der
einzelnen Küstenpunkte etc.;vorhanden sind. Wo viele Berichte und ‚andere
Quellen über dieselbe Gegend vorliegen, empfiehlt es sich, gleich bei Aufstellung
des Planes neben den einzelnen Zeilenstichwörtern die Quellen zu bezeichnen,
die Angaben dafür enthalten, weil das das Hin- und Hersuchen und das wieder-
holte Durchlesen der einzelnen Quellen erspart. Bei der Benutzung fremder
Küstenhandbücher mufß darauf geachtet werden, dafs sie für die Zeit vom Tage
ihrer Herausgabe an bis zum Tage: der Benutzung vollständig mit Hilfe der
Nachrichten für Seefahrer oder anderer Nachträge verbessert sind. Als zweites
Beispiel für die Verschiedenheit in. der Anordnung und zugleich als Beispiel,
wie man unabhängig von älteren Beschreibungen zunächst den erwähnten Plan
aufstellt, sind für die Beschreibung der La Plata-Mündung die Abschnitts- und
Unterabschnitts-Überschriften, sowie. die Hauptstichwörter innerhalb der Unter-
abschnitte (vgl. Seite 114) für ‚das deutsche, englische und französische Küsten-
handbuch gegeben; Vergleich der ‘Stichwörter wird am besten verdeutlichen,
wie wünschenswert :eine übersichtliche Anordnung ist. .
Richtungsangaben. Alle Peilungen sind stets von Bord des Schiffes aus
gedacht, auf die Landmarken und Leuchtfeuer zugerichtet gegeben, damit der
am Kompasse stehende Offizier die‘Peilung so im Buche liest, wie er :sie selber
am Kompasse ‚ablesen wird. Die Peilungen zur Bestimmung der Lage von
Klippen und Tonnen in Beziehung :auf Landmarken sind wie Ankerpeilungen
eines Schiffes behandelt. Die Unterschiede im Gebrauche mifsweisender oder
rechtweisender Richtungsangaben in Graden oder in Kompafsstrichen sind vor-
läufig noch sehr grofs. - Im allgemeinen kann man sagen, dafs die romanischen
and slavischen Staaten die rechtweisenden Richtungen bevorzugen, die ger-
manischen halten dagegen meist vorläufig noch an den mifsweisenden Angaben fest,
trotzdem diese insofern wesentlich unbequemer für den Gebrauch sind, als sie