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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

110 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1903, 
eigener Erfindung zu einer Deckpeilung verwerten, von denen man nicht voll- 
ständig sicher ist, dafs in der Wirklichkeit aüch beide über- oder nebeneinander 
zu sehen sind; überhaupt darf man aus der Kartendarstellung allein Keine 
Beschreibung des wirklichen Küstenbildes machen. Besondere Vorsicht ist bei 
Übersetzungen geboten, namentlich dann, wenn der fremde Bearbeiter die Sache 
selbst nicht genau gewulst oder verstanden hat und sich infolgedessen unklar 
oder zuweilen sogar unverständlich ausgedrückt hat; man beachte wohl, dafs der 
Sinn eines fremdsprachigen Satzes zuweilen durch einen kleinen Irrtum in der 
Auffassung und Übersetzung einzelner Wörter stark entstellt oder sogar voll- 
ständig verdreht werden kann, wie schon weiter oben erwähnt wurde. Deshalb 
empfiehlt es sich sehr, die für den Handgebrauch geschaffenen Verzeichnisse 
fremdländischer Ausdrücke aus der Küstenbeschreibung fortlaufend zu ergänzen 
and zu berichtigen, a 
Versehleden heiten in der Bearbeitungsweise. Die Mannigfaltigkeit in der 
Verarbeitung des Stoffsa und in der Darstellungsform ist selbst innerhalb der 
Küstenhandbücher ein und desselben Landes sehr grofs und ist zumeist durch 
Jas Alter und die Entstehungsweise der verschiedenen Bücher mit bedingt. Bei 
Büchern, die eine grofse Zahl von Auflagen hinter sich haben, geht die Ein- 
heitlichkeit in der Darstellungsform bisweilen vollständig verloren; das erklärt 
sich dadurch, dafs die einzelnen Bearbeiter der neuen Auflagen ihre Zusätze und 
Ergänzungen der älteren Ausgabe des Handbuches, um Zeit und Mühe zu sparen, 
häufig gar nicht vollständig und sinngemäfs mit dem alten Text verschmelzen, 
sondern die einzelnen Erweiterungen als besondere Abschnitte in die alte Auf- 
lage einschalten. So entstehen schliefslich manchmal Bücher, bei denen die 
ganze Beschreibung aus einer Reihe wild durcheinander gewürfelter und ohne 
Zusammenhang zueinander stehender Abschnitte besteht. Damit ist aber dem 
Zwecke des Buches nicht gedient, denn die beste Anordnung kann doch nur eine 
solche sein, in der der Stoff so gegliedert ist, wie es für den Schiffsgebrauch 
während der Ansteuerung von Küstengewässern und Häfen am zweckmäfsigsten 
ist. Übersichtlichkeit in der Anordnung ist eine Grundbedingung für die Brauch- 
barkeit einer Küstenbeschreibung. . 
Bei der Ausführlichkeit sollte in der Arbeit stets das richtige Mafs 
zwischen Weitschweifigkeit und allzu dürftiger Knappheit und Kürze im Aus- 
druck gesucht werden. Der Bearbeiter darf nie aus den Augen lassen, dafs die 
Küstenhandbücher dazu bestimmt sind, dem Schiffsführer auch in schwierigen 
Lagen schnelle und sichere Auskunft zu gewähren. Deshalb mufs auch die 
Ausdrucksweise stets klar und bestimint sein; es empfiehlt sich, ein und dieselbe 
Sache oder dieselbe Handlung stets mit einem und demselben und zwar. mit dem 
passendsten Ausdrucke zu bezeichnen, um den Seemann an eine gleichmäfsige 
Ausdrucksweise zu gewöhnen und dadurch Irrtümer und Mifsverständnisse zu ver- 
hüten. Für gewisse Gelegenheiten tut man gut, sogar ein- für altemal dieselbe 
Satzform beizubehalten, z. B. bei Beschreibung von Ankerplätzen, Ankerpeilungen 
der von Leuchtfeuern u. a. Eine sehr zweckmäfßige Prüfung der richtigen 
Ausdrucksweise besteht darin, dafs der Bearbeiter sich einen Satz, der ihm nicht 
ganz klar erscheint, laut selbst vorliest.. Man soll also, wie schon Wustmann 
sagt, nicht nur für die Augen, sondern vor allem auch für die Ohren schreiben. 
Denn die Küstenbeschreibung mufls auch brauchbar und verständlich sein, wenn 
sie dem Schiffsführer, während er selbst auf die Karte blickt und da Peilungen 
absetzt, von einem anderen vorgelesen wird, 
Die Küstenhandbücher der älteren seefahrenden Nationen haben schon 
darum oft dieselben Mängel in sinngemäfser Anordnung und Verarbeitung des 
Stoffes, weil sie sehr häufig durch mehr oder minder gedankenlose Übersetzungen 
anderer fremdländischer Arbeiten entstanden sind. Es würde zu weit führen, 
hier alle fremdländischen Darstellungsformen in der Küstenbeschreibung kritisch 
betrachten zu wollen. Um die Abweichungen und Verschiedenheiten in ‘der Be- 
arbeitungsweise zu kennzeichnen, ist auf Seite 112 und 113 eine Zusammenstellung 
der Überschriften und Zeilenstichwörter gegeben, aus denen sich die deutsche, 
englische, französische und spanische Beschreibung der Bucht von Bilbao zu- 
sammensetzt, wobei zu bemerken, dafs die deutsche Beschreibung aus der noch 
unveröffentlichten Handschrift für das Handbuch der Nord- und Westküste 
Spaniens und Portugals stammt.
	        
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