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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1903, 
Parallelismus ist, wie wohl jedermann zugeben wird, ein ganz auffälliger. Dem 
Maximum der Sonnenflecken um 1883 und 1893 entspricht ein Minimum 
der Depressionen, ebenso dem Minimum der Flecken um 1878 und 1889 
ein Maximum der Depressionen, 
_ Dafs dieser Parallelismus ein blofser Zufall sein sollte, ist schwer zu 
glauben, während es andererseits schwer sein dürfte, einen ursächlichen Zusammen- 
hang zu finden. Vielleicht könnte man durch folgende Betrachtung einen Schritt 
näher kommen. Bei uns.in Europa wandern im allgemeinen die Depressionen 
von Westen nach Osten mit einer Neigung nach Norden. Tritt nun eine 
störende Ursache hinzu, so wird vermutlich die Depression aus ihrer gewöhn- 
lichen Richtung abgelenkt (falls sie nicht eine Deformation oder eine Veränderung 
der Intensität oder der Geschwindigkeit erfährt). Auf diese Weise käme man 
zu der Vorstellung, dafs .die Vb-Depressionen alle gestört sind, eine Annahme, 
die vielleicht zutrifft. Ist die störende Ursache besonders grofs, so wird auch 
eine besonders grofse Zahl von Depressionen eine abweichende Bahn einschlagen. 
Damit diese Hypothese Gültigkeit erlangen kann, mufs die störende Ursache 
zur Zeit der Sonnenflecken-Minima. gröfser sein als zur Zeit der Sonnenflecken- 
Maxima. Man könnte da weiter an stärkere Wärmestrahlung in den Minimal- 
jahren denken, an dadurch vergröfserten Auftrieb und an vermehrte aufsteigende 
Luftströme, aber man verliert sich da in ein noch ganz nebelbaftes Hypothesen- 
gebiet, so daß es besser ist, diesen Weg nicht weiter zu verfolgen. Ich habe 
vielmehr meine Untersuchung noch in einer anderen Richtung fortgesetzt. 
Da gerade die V b-Depressionen durch die vielfach in ihrer Begleitung 
auftretenden Hochwasser sich eines gewissen Rufes erfreuen, der von den be- 
troffenen Landesteilen freilich nicht als ein guter bezeichnet wird, so lag es 
nahe, auch die Niederschläge mit den Sonnenflecken in Verbindung zu bringen. 
Indem ich dabei von letzteren ausging, habe ich 10 Maximal- und 10 Minimal- 
jahre') unterschieden, je nachdem die Jahre dem Maximum oder Minimum der 
Sonnenflecken nahe lagen: 
Maximaljahre: 
1881—1885 
1892-1896 
Minimaljahres: 
1877—1879 
1887—1890 
1899—1901 
Die Summe der diesen Jahresgruppen zugehörigen Werte (Depressionen oder 
Regenmengen) will ich kurz als Max, und Min. im folgenden bezeichnen, 
Häufigkeit der Niederschlagssummen (mm): 
Vb-Depressionen pro Jahr: Raibl, Obir. Wien. BRatibor. Krakau. 
Max. . ... 9%2 2103 1484 631 629 679 
Min. . . . . 142 2328 1549 676 690 717 
Verhältnis , . 0,65 ; 0,90 0,96 0,93 0.91 0,95 
Diese Zahlen lehren zunächst, dafs in den Jahren, wo die Sonnenflecken- 
häufigkeit ein Maximum erreicht, oder die Zahl der V b-Depressionen klein ist, 
auch die Niederschlagssumme im Jahre kleiner ist, als in den Minimaljahren, 
und sodann, dafs das Verhältnis beider für alle obigen Orte, die auf der Zug- 
straße Vb liegen, nahezu dasselbe ist. Dabei ist wohl zu beachten, dafs die 
Orte in ‘sehr verschiedenen Seehöhen liegen und dafs bei einigen die jährliche 
Periode eine andere ist, wie in Raibl, wo der Oktober grofse Mengen liefert. 
Man kann den Zahlen ferner entnehmen, dafs die V b-Depressionen selbst 
nur mittelbar die Jahressummen oder mit anderen Worten den säkularen Gang 
beeinflussen werden, und dafs man eher an eine Beziehung der Niederschlags- 
mengen zu den Sonnenflecken denken muls. 
Es könnte nun der Einwand erhoben werden, dafs jenes Verhältnis 
zwischen den Regensummen der maximalen und minimalen Jahre lediglich in 
der zu Grunde gelegten Periode zu suchen ist und sich bei einem längeren Zeit- 
raum anders gestaltet. Ich habe deshalb die Wiener Niederschlagsmessungen 
von 1845 bis 1901 in gleicher Weise bearbeitet und für den gesamten Zeitraum 
erhalten: 
Max. : Min. = 602:634 = 0,95. 
Damit ist aber der Beweis noch nicht völlig geliefert, da ja möglicher- 
weise die Periode 1877 bis 1901 den Einfßuß der Jahre vorher ganz unterdrücken 
LI) Beim Obir nur 10 und 8 Jahre.
	        
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