Knipping, E.: Das Wetter auf dem Nordatlant, Ozean vom 5. bis 19. Dez. 1902.
Das europäische Hochdruckgebiet mit.dem Kern im Norden des Balkan
mit 780 mm steht im: engem Zusammenhang mit dem Azoren-Hochdruckgebiet,
das nur noch dürch eine schmale Brücke. zwischen TV und T.VI über. Neu-
fundland mit dem amerikanischen Maximum nördlich von den Seen zusammenhängt.
Schweren NNO-Sturm bei T V meldet D. „Coblenz“ (42) in 39° N-Br,
66° W-Lg. In Verbindung mit T VI melden Stürme: D. „Paula“ (51) W8 in
41° W-Lg, D. „Brandenburg“ (33) W8 in 38° W-Lg, D: „Milano“ (60) NW 8
in 33° W-Lg, D. „Alexandria“ (58) NW 9 in 32° W-Lg, „Alsterdamm“ (38)
SWS in 17° W-Lg, D. „Polynesia“ (18) WSW 8 in 15° W-Lg, „Senator Vers-
mann“ .(59) S12 in 8° W-Lg.
15. Dezember. T V hat sich schnell ostnordostwärts bewegt und ver-
tieft, 743 mm. Seine Mitte liegt ebenso wie die von T 11I am 10/12. ungewöhn-
lich südlich, ein geschlossenes Oval, etwa in 46° N-Br, 38° W-Lg, so dafs nicht
weniger als sieben Dampfer in seiner Nähe ausnahmslos nördliche Winde haben.
Die Mitte von T VI ist nicht erkennbar, sie liegt vermutlich in der Nähe Nord-
schottlands. Der Kranz der drei Hochdruckgebiete ist nach dem Abmarsch von
T V wieder geschlossen.
Stürme werden gemeldet: Vom D. „Bellaggio“ (43) NO 9, auf dem Süd-
abhang des amerikanischen Hochdruckgebietes in 70° W-Lg, keine bei T V,
dagegen mäfsiger Sturm in Verbindung mit T VI und einem südlichen Ausläufer
von T VI, durch die Isobaren-Bucht über Großbritannien als Teilminimum ge-
kennzeichnet. Der nördlichste D. „Energie“ (27) meldet W 8, D. „Kaiser Wil-
helm der Grofse“ (2) WNW 9 bei den Scilly-Inseln, D. „Sevilla“ (48) WNW 8
südwestlich von Ouessant.
16. Dezember. T V ist anscheinend nach Süden geschoben und liegt
in der Nähe von 40° N-Br, 35° W-Lg. Es bildet wie am Vortage ein Anhängsel
zu T VI, das noch in der Nähe von Nordschottland liegt. Bei den amerikanischen
Seen erscheint ein neues T VII mit 750 mm.
Das europäische Luftdruckmaximum zieht sich vom Schwarzen Meer über
die Alpen und die Pyrenäen-Halbinsel in der Richtung nach Madeira hin. Der
höchste Luftdruck liegt aber jetzt im Westen, über dem nördlichen Portugal.
Das amerikanische Hochdruckgebiet des Vortages liegt mit seinem Kern über
dem Golfstrom in 41° N-Br, 62° W-Lg. Östlich davon sind die Winde nördlich
westlich davon südlich.
Sturm wird nur von einem Schiff gemeldet: D. „Kaiser Wilhelm der Große“
(2) SW 8 in 50° N-Br, 17° W-Lg.
17. Dezember. T V ist westlich von den Azoren noch erkennbar, seine
Ortsveränderung war unmerklich. T VI ist nordöstlich vorangeschritten, die
Isobaren-Bucht im Süden reicht nun in die Nordsee hinein. T VII liegt über
der Lorenz-Mündung. nn
Der Hauptkern des europäischen Hochdruckgebietes liegt mit 780 m im
nordwestlichen Teil der Pyrenäen-Halbinsel. Das amerikanische Hochdruck-
gebiet’ ist vom Golfstrom östlich gewandert und liegt mit 774 mm in etwa 40°
N-Br,. 47° W-Lg mitten im Ozean. T V erscheint durch die beiden Maxima in
seiner unmittelbaren Nähe im Westen und im Osten eingeengt.
Sturm wird nur von einem Schiff gemeldet, D. „Belgravia“ (41) WSW 9,
in 50° N-Br, 10° W-Lg in Verbindung mit T VI. ;
18. Dezember. T V ist nicht mehr nachweisbar. Das mittelatlantische,
ursprünglich von Amerika gekommene Maximum hat sich in mittleren Breiten
mit dem europäischen Maximum über T V weg vereinigt. Der höchste Luftdruck
liegt in See mit 781 mm in 43° N-Br, 15° W-Lg. T VI hat einen‘ Ausläufer
über den Rigaischen Busen nach Südost gesandt, T VIa, ein anderes Teil-
minimum liegt noch über der Nordsee. T VII liegt noch über dem Lorenz:
Golf, etwas östlicher als am Vortage.
Sturm wird nur in einem Falle gemeldet, „Louise“ (40) meldet WSW 8
anter der amerikanischen Küste, in Verbindung mit T VIL -
Die Bemerkung, dafs sich das von Amerika gekommene Hochdruckgebiet
über TV hinweg mit dem europäischen vereinigt hat, wurde. nach Ansicht der
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