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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 31 (1903)

Ann. d. Hydr, ete., XXXI. Jahrg. (1903), Heft III. 
"3 
Das Wetter auf dem Nordatlantischen Ozean 
vom 5. bis 19. Dezember 1902, 
Von E. Knipping. 
(Hierzu Tafel 5.) 
Einleitung. Mitte Dezember 1902 hatte eine Reihe deutscher Schiffe im Nord- 
atlantischen Ozean schwere; vielfach orkanartige Stürme zu bestehen. .D. „Pure Oil“ 
wurde in See verlassen und ging unter. D. „August Korff“ wurde schwer be- 
schädigt in einen Nothafen geschleppt. Andere Schiffe berichteten über schwere 
oder leichtere Beschädigungen. D, „Blücher“ hatte am 12. Dezember in 
48° N-Br., 40° W-Lg., D. „Patricia“ an derselben Stelle am 7. Dezember orkan- 
artige ‚Stürme beobachtet. Da nun die Monatskarte der Seewarte für Fe- 
bruar 1903, die über diesen Zeitraum berichtet (Rückseite der Karte), zeigte, 
dafs das schwerste Wetter um den 12. Dezember geherrscht hatte, mulsten 
Wetterkarten für.1 Woche vor und nach diesem Tage voraussichtlich einen 
genügenden Aufschlufs über die Haupterscheinung am 12., sowie über die am 
7. beobachteten Stürme geben. Die Untersuchung wurde demnach auf die Zeit 
vom 5. bis 19. Dezember ausgedehnt. 
Wir geben zunächst nach den 15 synoptischen Wetterkarten für 8".V, 
die das Gebiet von 20° bis 60° oder 70° N-Br., 85° W-Lg. bis 25° O-Lg. um- 
fassen, eine Wetterchronik für diese 15 Tage, weil mit ihrer Hilfe etwaige 
Einzelerscheinungen verständlicher werden und übersichtlicher sowie kürzer be- 
handelt werden können. ; 
Tägliche Wetterübersichten vom 5. bis 19, Dezember 1902, 
5, Dezember, Zwei. Tiefdruckgebiete (T) von Bedeutung liegen im 
Nordatlantischen Ozean, fast in gleicher Breite. TI liegt mit 740 mm und 
Windstärken 9 bis 10 vor der Delaware-Bai, T II 40° östlicher, auch mit 740 mm, 
350 Sm nordwestlich von Punta Delgada. Ein drittes T, ebenfalls in derselben 
Breite, liegt wiederum 45° östlich von T 1X im Mittelmeer, zwischen Sardinien 
und Italien, das wir aber nicht weiter verfolgen. ; ; | 
Das europäische Hochdruckgebiet des Tages liegt mit 788 mm über 
Mittelskandinavien, das Hochdruckgebiet der Rofsbreiten, das Azoren-Maximum, 
mit 765 mm in etwa 24° N-Br. Ein drittes Hochdruckgebiet liegt bei den Nord- 
amerikanischen Seen. . 
Im Zusammenhange mit TI beobachtet D. „Weimar“ (34) unter ‚der 
amerikanischen Küste WSW 9, D. „Sambia“ (53) weiter östlich WSW 8. 
In der Umgebung von TII beobachtet „Alsterdamm“ (38) um 8% V 
WSW 11, später NW 12 und mittags 740 mm. „Senator Versmann“ (59) hat um 
81V SO 10, später OSO 12; es folgenedann 4 Stunden Windstille und leiser 
Zug bei 741 mm um 12°N, danach wieder schwerer Nordweststurm. Die 
Mitte von TII ging also über „Senator Versmann“ hinweg. Da TII vom 
5, bis 6. 440 Sm zurücklegte und der Segler keine Fahrt machte, betrug der 
Durchmesser des Stillengebietes rund 75 Sm in der Bahnrichtung. 
6. Dezember. TI ist 1100 Sm nach ONO gewandert, liegt südöstlich 
von Kap Race und hat sich vertieft, 730 mm. T II ist 440 Sm nach SOzO ge- 
wandert und liegt dicht bei den Azoren, nordöstlich davon. Seine Tiefe ist 
dieselbe geblieben, 740 mm. T II hat also nur ?/s der Geschwindigkeit von T' 1 
entwickelt. Eine Gerade vom inneren Winkel der Fundy Bai nach Mogador in 
Marokko geht durch die Mitten von TI und T II. Eine riesige Depression mit 
weniger als 760 mm auf dem ganzen Gebiete erstreckt sich von: den Neu-Eng- 
Jand-Staaten bis zur Pyrenäenbalbinsel, die zwei deutlich ausgeprägte Luftdruck- 
minima enthält. ; ; 
Das europäische: Hochdruckgebiet liegt wie am Vortage über Mittel- 
skandinavien und hat an Höhe abgenommen, 781 mm. Das Azoren-Maximum 
steht heute in Verbindung mit einem über den Vereinigten Staaten ostwärts 
wandernden Hochdruckgebiet von 771 mm. 
Ann. €. Hydr. etc... 1903. Heft IL
	        
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