Annalen der Hydrozvraphie und Maritimen Meteorologie, Februar 1902
Von Hamburg über Pensacola nach Buenos Aires. Oktober 1900
bis April 1901.
Von Kapt. M, Gebuhr, Führer der deutschen Bark „Hedwig“.
Am 21. Oktober 1900 um 2*p verliefßs „Hedwig“ mit einer Theilladung
Cement und 100 Tonnen Steinballast den Hamburger Hafen. Der Wind war zur
Zeit bei schönem Wetter NO, mäfsig, und frischte, als wir nachts in See ge-
kommen waren, zur Stärke 5 auf. Der gute Wind war aber nur von kurzem
Bestand; es folgten Winde aus SW und NW mit stürmischem Wetter, so dafs
wir nur sehr längsam vorwärts kamen.
Nach dem 30, Oktober schien sich das stürmische Wetter vorläufig ausgetobt
zu haben, und konnte nachdem mit leichten veränderlichen Südwest- bis Nordwest-
winden wenigstens etwas aufgekreuzt werden. Am 2. November setzte morgens
querab Nord Hinder leichte bis mäfsige nördliche Briese ein, welche „Hedwig“ in
befriedigender Fahrt am 3. November mittags bis nach St. Catberines Pt. brachte.
Westlich von der Insel Wight wurden für die Fahrt nach Westen wieder
sehr schlechte Windverhältnisse angetroffen. Nach vorhergegangener Wind-
stille setzte am 4. November wieder SW ein, welcher auch bald wieder stürmisch
wurde und so für volle sieben Tage anhielt. Erst am 11. November gelang es,
mit steifem Nordnordwestwinde den Meridian von Lizard zu passiren.
Wegen hohen nördlichen Seeganges und anfangs auch noch schralen
Windes mufste erst ziemlich südlich gesteuert werden. Wie dann später bei
hohem Luftdrucke der Wind nordöstlich holte, wurde, den Segelanweisungen der
Deutschen Seewarte gemäfe, ein westlicherer Kurs eingeschlagen. Als am 21. No-
vember auf 34,7° N-Br und 24,5° W-Lg Störung und zwischendurch Windstille
eintraten, wurde direkt nach Süden abgehalten. Mit leichten veränderlichen,
vorherrschend nordöstlichen Winden wurde am 27. November 29° N-Br und
27° W-Lg erreicht, woselbst dann leichter Nordostpassat einsetzte, mit welchem,
da er bald auffrischte, für die Folge ein durchschnittlich sehr befriedigender
Fortgang erzielt wurde. Ohne besondere Störung erreichte „Hedwig“ die Passage
zwischen Guadeloupe und Antigua, welch letztere in der Nacht vom 10. zum
11. Dezember durchsegelt wurde.
Im Caraibischen Meere wurde die Fahrt bis Jamaica ebenfalls durch
ziemlich beständigen Passat begünstigt; südlich von Jamaica trat dann für einige
Wachen Windstille ein, jedoch kam bald darauf wieder Passat durch, Von Grand
Cayman, welches am 19. Dezember morgens passirt wurde, bis zur Jucatan-Strafse
erlitt die Reise durch Gewitter, Gegenwind und Windstillen wieder etwas Ver-
zögerung. Die Jucatan-Strafse wurde in der Nacht vom 22. zum 23. Dezember
mit mäfsiger Südostbriese durchsegelt. Ein am 23. Dezember nachmittags von
NNW aufkommendes schweres Gewitter brach abends los und tobte während der
ganzen Nacht unter fortwährenden elektrischen Entladungen und schweren
Niederschlägen; der zeitweise stürmische Wind spielte dabei zwischen NW
und Ost. Erst am 24. klarte es allmählich etwas ab; der leichte, erst SO,
dann südlich wehende Wind wurde abends durch einen Norder von mäfsiger
Stärke verdrängt. Mit dem allmählich über NO nach Ost holenden Winde
bei schönem klaren Wetter erreichte „Hedwig“ am 27. Dezember den Be-
stimmungsort; ein Schleppdampfer wurde nicht gebraucht, sondern eingesegelt.
Von Pensacola nach Buenos Aires.
Am 25. Januar 1901 gegen 4* nachmittags verliel[s „Hedwig“, mit einer
Ladung Pitchpineplanken nach Buenos Aires bestimmt, den Hafen von Pensacola.
Tiefgang: vorn 19' 6”, hinten 19‘ 10%
Um 5*/2* p, nachdem die Barre passirt war, warf der Schlepper los, und
verliefs der Lootse mit demselben das Schiff. Es wurde dann mit mäfsiger Nord-
nordostbriese und schönem Wetter südostwärts gesteuert. Um 7'/2" p verschwand
Warrington-Feuer in NWzW p. Cp. in der Kimme. Der Nordostwind flaute am
nächsten Tage ab, worauf dann Südwestwind durchkam, welcher bald stürmisch
wurde und westlicher holte. Der später nach NW und dann nach NO drehende
Wind flaute allmählich ab und brachte „Hedwig“ am 29. Januar bis zur Florida-
Strafse. In der Strafse herrschte erst leichter Südostwind, welcher am 31. Januar