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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1902. 
Nach Mittheilung des‘ Kaiserlichen Konsulats in Maracaibo beträgt die 
Wassertiefe .in den Monaten‘ ‘Oktober und November auf der Aufsenbarre bei 
Niedrigwasser 4,3 m, bei Hochwasser 5,2 m; äuf.der Innenbarre bei Niedrig- 
wasser 3,3 m, bei Hochwasser 5,7 m. 
Eine Tonne liegt als Ansteuerungstonne vor der äufseren Barre, doch 
kann man sich auf die richtige Lage derselben nicht verlassen. ; 
Die Einsteuerung über die Barre wie auch die Weiterfahrt bis zur 
Stadt ist nur mit Lootsenhülfe möglich. Zur Bezeichnung des Fahrwassers von 
der Insel San Carlos bis zur Stadt liegen 16 Tonnen aus. Sie sind mit den 
Namen der durch sie bezeichneten Untiefen gemarkt. 
Die Hafenanlagen befinden sich unmittelbar bei der Stadt. Sie bestehen 
aus einer grofsen Landungsbrücke, die sich rechtwinklig vom Ufer erstreckt, 
sowie aus einer Fläche aufgehöhten Landes, das kaiartig eingefafst ist und das 
neue Zollgebäude trägt. Die Schiffe löschen und laden an der Landungsbrücke 
mit eigenen Hülfsmitteln. Die Güter werden zwischen Schiff und Zollhaus durch 
auf Schienen laufende Karren befördert. Docks, Werften und Reparaturanstalten 
sind nicht vorhanden. - 
Hafenunkosten. Die Schiffe haben für das jedesmalige Passiren der 
Barre Tonnengeld zu zahlen. Dasselbe beträgt einschliefslich des Lootsengeldes 
1 Bolivar = 80 Pf. für jede Tonne Tragfähigkeit von 1000 kg. Die Trag- 
fähigkeit wird etwa um 13% gröfser gerechnet als der Raumgehalt in Register- 
tonnen. Falls der Schleppdampfer benutzt wird, sind dafür jedesmal 2 Bolivars 
extra zu zahlen für jede Tonne Tragfähigkeit. Segelschiffe müssen ausgehend 
den Dampfer benutzen. Alle sonstigen Abgaben sind aufgehoben, 
Die Stadt liegt etwa 30 Sm oberhalb der äufseren Barre gerade inner- 
halb der zweiten Verengung der Einfahrt zur Lagune, an der Westseite der- 
selben. Sie ist die Hauptstadt des Staates Zulia und ein bedeutender Handels- 
platz für die westlichen Staaten von Venezuela wie auch für die östlichen Theile 
Columbiens. Sie hat etwa 35000 Einwohner, unter denen sich etwa 40 Deutsche 
befinden. Sie ist Heimathhafen von etwa einem Dutzend kleinerer Dampfer für 
Binnenfahrt, sowie von vielen Küstenfahrzeugen, doch sind Dampfer für grofse 
Fahrt nicht vorhanden. Die Küstenschiffahrt ist der Landesflagge vorbehalten. 
Die gesundheitlichen Verhältnisse sind nicht besonders gut, denn Dysenterie und 
gelbes Fieber sind endemisch. 
Der Handelsverkehr ist ziemlich beträchtlich. Die Einfuhr besteht 
aus Kaufmannsgütern aller Art, die Ausfuhr hauptsächlich aus Kaffee, Kakao, 
Häuten, Hölzern und Dividivi. Als Hauptländer für Ein- wie Ausfuhr kommen 
der Reihe nach in Betracht die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Deutsch- 
land, England, Frankreich und Italien. Die Statistik ist sehr mangelhaft. Nach 
Schätzung betrug der Werth der Ausfuhr im Jahre 1891 etwa 40000000 X, 
davon allein für Kaffee 32000000 M. 
{m Jahre 1897 liefen 47 Dampfer von 51 766 Registertonnen und 234 Segler 
von 26551 Registertonnen ein. Die amerikanische Flagge ist die vorherrschende. 
Regelmäfsige Dampferverbindung besteht nur mit. Nordamerika, denn es läuft 
nur ein flachgehender Dampfer der „Red D line“ regelmäfsig den Hafen. .an. 
Der gröfste im Jahre 1899 angekommene Dampfer war 1100 £ grofs und hatte 
3,5 m Tiefgang. 
Maracaibo ist an das der französischen Kabelgesellschaft gehörende Kabel- 
netz im Karaibischen Meere angeschlossen und steht daher mit der ganzen Welt 
in Verbindung. Die in die Lagune mündenden Flüsse Escalante und Cata- 
tumbo werden nur von kleinen Fahrzeugen, namentlich von Seiten- und Hinter- 
raddampfern befahren bis zu höchstens 1,5 m Tiefgang. Von Maracaibo direkt 
giebt es keine ins Land führende Eisenbahn, doch vom oberen Ende der Lagune 
giebt es drei in verschiedene Richtungen führende Bahnen von 81, 115 und 
60 km Länge. Die Lagune hat einen grofsen Fischreichthum. doch wird nur für 
den täglichen Gebrauch Fischerei betrieben. ; 
Schiffsausrüstung. Kohlen sind nur in geringer Menge vorräthig und 
nicht immer zu haben; für Dampfer gewöhnlich nur so viel, um Curacao 
erreichen zu können. Sie sind verhältnifsmäfsig sehr theuer. Frischer Pro- 
viant ist stets in beliebiger Menge zu billigen Preisen zu haben, dagegen 
Dauerproviant nur in begrenzter Weise und zu hohen Preisen. - Sonstige
	        
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