Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1902,
Die Halbinsel Paraguana hat fast überall niedrige Küsten. Kap
San Roman, ihr Nordende, ist verhältnifsmäfsig hoch und steil abfallend. Die
röthlich erscheinenden Abhänge bilden das Ende eines Höhenrückens, der von
der Mitte der Insel in nördlicher Richtung verläuft. Die Mitte der Halbinsel
besteht aus einer hohen Felsmasse, deren höchster Gipfel, Pan de Santa Anna,
der etwa 10 Sm vom Südende entfernt liegt, 880 m Höhe erreicht und weithin
sichtbar ist. Ihre Westküste ist sehr niedrig. Punta la Macolla ist an einer
Gruppe hoher Mangroven kenntlich, und das Südwestende, Punta Cardon, ist
ebenfalls eine niedrige Huk, die in einen sandigen Steert endigt.
Das Land an der Südseite des Golfes bildet auf der ganzen, etwa
150 Sm langen Strecke eine sehr niedrige, meistens sandige Küste, doch das
hohe Land im Innern ist bei klarem Wetter weithin sichtbar. Der von dem
östlichsten Theile des Golfes nur etwa 15 Sm entfernt liegende Corro de la
Teta erreicht mehr als 1250 m Höhe. Von See aus erscheint es, wie wenn die
Bergkette von ihm an sich allmählich nach Südwesten hin senkt und etwa
20 Sm östlich von der Lagune ganz endigt. In der Nähe von Punta Borojo,
55 Sm östlich von der Einfahrt zur Lagune, erheben sich an der Küste mehrere
hohe Sanddünen.
Das Land an der Nordwestseite des (Golfes, die Halbinsel Guajira,
ist im Innern ebenfalls ziemlich hoch. Der etwa 20 Sm von ihrem Nordostende
liegende Cerro de Aceyte ist etwa 860 m hoch, und der halbwegs zwischen
ihnen befindliche Teta Guajira erreicht 166 m Höhe. Punta de Espada, das
Ostende der Halbinsel, das die westliche Huk an der Einfahrt bildet, ist
niedrig, wie auch die ganze südwestlich davon liegende südöstliche Küste der Halb-
insel, die wenig bekannt und meistens von Riffen und flachem Wasser besäumt wird.
Bei der Barre bilden die beiden 67 m hohen Hügel auf der Insel Toas,
die südlich von der Insel San Carlos liegt, die zuerst in Sicht kommenden Land-
marken, da sie bei sichtigem Wetter etwa 20 Sm weit sichtbar sind. Südlich
davon giebt es noch drei niedrige Hügel, vor denen, wenn sie in SSW*/W-
Peilung gebracht werden, das auf dem Östende der Insel San Carlos stehende
weißlse Kastell sichtbar wird und bald darauf auch die Lootsenstation in
dessen Nähe. Sämmtliche vorstehend genannten Landmarken befinden sich
westlich von der Einfahrt. An der Ostseite, nahe auf dem Westende der Insel
Zapara, steht die Ruine des alten Leuchtthurmes, die Aehnlichkeit mit einem
grofsen segelnden Fahrzeug hat.
Ansteuerung. Von Osten oder Norden kommende Schiffe steuern zu-
nächst Aruba an und passiren, wenn von Osten kommend, zwischen dieser Insel
und Kap San Roman auf der Halbinsel Paraguana. Der Strom läuft in dieser
Durchfahrt gewöhnlich mit grofser Geschwindigkeit westwärts, was zu be-
rücksichtigen ist. Nach dem Passiren der Insel oder der Durchfahrt bringe
man den Gipfel der Insel in NOzN-Peilung und halte ihn, SWzW steuernd, in
Heckpeilung, bis er aus Sicht geht. Auf diesem Kurse steuere man Weiter,
nöthigenfalls lothend, bis man die Küste erreicht, was gewöhnlich in der
Gegend weit östlich von der Barre der Fall ist. Auf diesem Kurse wird man
die Sanddünen bei Punta Borojo sichten. Wenn die Wassertiefe bis auf 14 m
abgenommen hat, steuere man auf dieser "Tiefe mit westlicherem Kurse an der
Küste entlang, bis in die Nähe der Barre. Man sei aber vorsichtig und bleihe
stets auf mindestens 11m Wassertiefe. .
Von Westen kommend, steuere man nach dem Passiren von Punta de
Espada mit ungefähr SzW-Kurs weiter, um das Land gut östlich von der Barre
zu machen, und dann westlicher zu steuern, wie oben angegeben. .
Man wird dann zunächst die Gipfel der Insel Toas ausmachen und später
auch die weiter genannten Landmarken erkennen. Nachts steuere man die
Barre nicht an, weil sich keine Leuchtfeuer dort befinden.
Der Wind ist im Golf von Maracaibo vom Januar bis zum Juni ge-
wöhnlich stark und aus nordöstlicher Richtung, vom Juni an gewöhnlich südlich
von Osten, gelegentlich mit Böen und Regenschauern, Von August bis De-
zember wechseln nördliche, gelegentlich auch nordwestliche Winde mit südlichen
und südwestlichen Winden. Die nördlichen Winde wehen von mittags bis
Mitternacht, die südlichen von früh morgens bis vormittags, Die nördlichen
Winde sind besonders in den ersten Monaten des Jahres steif, nachmittags und
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