Aynalen der Hydrographie und Müuritimen Meteorologie, Februar 1902.
Ein Zeitball ist‘ nicht vorhanden, doch gelangt täglich die genaue
New York-Zeit auf dem 'Telegraphenamte an, Vorrichtungen zur Prüfung
nautischer und metevrologischer Instrumente sowie zur Bestimmung
der Deviation sind nicht vorhanden, auch sind Seckarten und Segel-
anweisungen nicht zu haben.
Puerto Cabello. ')
Nach Konsulatsfragebogen No. 521 vom 5, Mai 1898, No. 1250 vom 23. Dezember 189%, No. 1489
vom 24. Oktober 1900 und No. 1843 vom 17. Oktober 1901; Fragebogen No. 170 des Kapt.
W. v. Döhren, D. „Flandria“, vom 8. März 1898, No. 325 des Kapt. L. Maafs, D. „Valesia“,
vom 14. März 1858, No. 1200 des F.-Kapt. v. Basse, Kommandant 5. M. S. .Nixe“, vom 6. No-
vember 1899. Ergänzt aus der Segelanweisung der Hamburg— Amerika-Linie sowie aus Älteren
deutschen Berichten wie auch aus englischen und amerikanischen Quellen.
Die Stadt liegt auf dem Ende einer niedrigen Halbinsel, die einen Theil
bildet von der vor der höheren Küste liegenden sumpfigen Niederung. Die
geographische Lage des am Orte befindlichen Observationspunktes ist nach
der Brit. Adm-Krt. No. 513 10° 29’ 19“ N-Br und 68° 022“ W-Lg, nach neueren
amerikanischen Berichten jedoch 68° 0’ 58“ W-Lg. ,
Aandmarken. Zu der oben bereits beschriebenen Formation des hohen
Landes sei hier noch bemerkt, dafs die Küste westlich von Puerto Cabello all-
mählich eine Biegung durch NW und N macht, wodurch der Golf von Trieste
gebildet wird. Westlich von Puerto Cabello wird das Land allmählich niedriger,
und die Küste selbst ist sandig und niedrig, im Hintergrunde mit Mangroven-
Buschwerk bestanden. Die Bucht von Puerto Cabello, in deren Ostseite der
Hafen mündet, wird unmittelbar nur von niedrigem Lande umgeben. Auch die
sie im Osten und Westen begrenzenden Inseln sind niedrig und flach. Als
beste Landmarken sind die Ruine des Leuchtthurmes auf Brava-Huk, das südlich
von der Stadt auf einem Berge gelegene Fort Vigia, der Thurm des Zollhauses
am Kai, ein Kirchthurm in der Mitte der Altstadt und das amerikanische
Konsulatsgebäude zu nenuen. Das Fort Libertados fällt weniger ins Auge.
Die Ruine des Leuchtthurmes ist ein gelblichweifs gestrichener vier-
eckiger T’hurm von drei Stockwerk Höhe, an dessen Ost- und Westseite je ein
Wärterhaus angebaut ist. Die frühere Laterne des Thurmes ist nicht mehr
vorhanden, als Reste derselben sind vier an den Ecken stehende Pfeiler von
etwa 1'!/a m Höhe anzusehen. Neuerdings befindet sich auf dieser Ruine eine
grün gestrichene eiserne dreifüfsige Leuchtbake, auf der nachts ein Leucht-
feuer brennt.
Das in der Karte mit Fort Vigia, in der Stadt jedoch Fortin Solano
genannte Fort liegt auf einem Berge südlich und etwas westlich von der Stadt.
Es ist weils und bei sichtiger Luft am Tage auf etwa 20 Sm Entfernung
sichtbar.
Das amerikanische Konsulat, das auf dem Orte des früheren Obser-
vatoriums sieht, ist ein in arabischem Stil erbautes, zweistöckiges, weils ge-
strichenes Haus mit flachem Dach und maurischen Thür- und Fensterbogen.
An der Nordwestecke erhebt sich ein sechseckiger, thurmartiger Anbau.
Das Fort Libertador, nördlich von der Hafeneinfahrt gelegen, ist ein
grofses, gemauertes Befestigungswerk, das stark im Verfall sich befindet.. In
seinem südlichen Theile steht ein Haus mit rothem Dache, nördlich und südlich
davon je ein Flaggenmast.
Ansteuerung. Segelschiffe sollten das Land östlich von der Bucht von
Puerto Cabello machen, wegen der gewöhnlich nach Westen setzenden Strömung
und des herrschenden Passatwindes.
Von Osten kommende Dampfer steuern gewöhnlich in einigem Abstande
an der Küste entlang und dann, sobald sie die Landmarken von Puerto Cabello
ausgemacht haben, darauf zu. Man sei vorsichtig, dafs man bei unsichtigem
Wetter nicht am Hafen vorbei läuft, was leicht möglich ist. Die östlich von
Puerto Cabello vor der Küste liegenden Inseln Cay Larga, Santa Domingo und
Alcatraz passire man in genügendem Abstande, weil sie von Riffen besäumt
werden, die sich bis zu !/s Kblg Entfernung vom Strande ausdehnen. Sie sind
sämmtlich mit Bäumen bestanden. . Brava-Huk ‚passire man ebenfalls in ge-
1) Letzte Veröffentlichung in den „Änn. d. Hydr. ete.“, 1900, S. 199. — Brit. Adm-Krt.
No. 512. Pian of Puerto Cahello.