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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1902. 
dem Seegange stark ausgesetzt. „Borkum“ ankerte auf der Rhede, !;e Sm von 
Land entfernt, wo der Ankergrund aus Schlick gut hielt, ’ 
Hafeneinrichtungen. Löschen und Laden geschieht durch Leichter von 
2 bis {t Größe. Nachmittags steht meist so hohe Dünung, dafs die Leichter 
nicht herauskommen können. Kine Landungsbrücke liegt beim Zollhause. Lösch- 
und Ladevorrichtungen sind nicht vorhanden. Die deutsche Schwefelgesellschaft 
hat eine eigene Landungsbrücke. Die auf den Karten verzeichnete Eisenbahn 
ist eine Schwebebahn zum Fortschaffen des Schwefels. Arbeitszeit für das Zoll- 
amt von 7 bis 11®* V und von 1 bis "N. An Bord wird diese Zeit nicht 
strenge innegehalten und hängt von der Erlaubnifs des an Bord befindlichen 
Zollbeamten ab. 
Hafenunkosten für D. „Borkum“ betrugen insgesammt, einschließlich 
Trinkwasser, 93,40 M, 
Schiffsausrüstung. Frischer Proviant ist theuer. Trinkwasser wird mit 
Wasserboot gebracht... Unkosten 0,05 Bolivar die Tonne, ob Wasser genommen 
wird oder nicht. Kesselkohlen sind nicht zu haben. 
La Guaira.!) 
Nach Konsulatsfragebogen No. 753 vom 30. Mai 1898, No. 1247 vom 15. November 1899, No. 1531 
vom 31. Oktober 1900 und No. 1746 vom 30. Mai 1901; Fragebogen No. 169 des Kapt. W. v. Döhren, 
D. „Fiandria“, vom 4. März 1898. Ergänzt aus der Segelanweisung der Hamburg--Amerika-Linie 
sowie aus älteren deutschen Berichten wie auch aus englischen und amerikanischen Quellen. 
Die Stadt liegt am Fufse des hohen Gebirgszuges auf unebenem Gelände 
unmittelbar am Meere. Der viereckige Thurm in dem Fort Santa Barbara 
steht auf 10° 36‘ 57“ N-Br und 66° 56‘ 6“ W-Lg. 
Landmarken. Aufser den oben unter Küstenansicht von Venezuela 
bereits hervorgehobenen Landmarken kommen für La Guaira besonders noch 
als Landmarken in Betracht das am Abhange des Berges in etwa 100 m Höhe 
befindliche Fort Vigia, auf dem sich eine Signalstation befindet, die beiden 
weils getünchten Kirchen in der Stadt, der Hafendamm mit den drei darauf 
stehenden Schuppen und die auf seinem Westende stehende Leuchtbake., 
Ansteuerung. Von Osten kommende Schiffe sind ihres Schiffs- 
ortes gewöhnlich ziemlich sicher, weil sie beim Passiren der Kleinen Antillen 
Gelegenheit hatten, etwaige diesbezügliche Fehler zu verbessern. Auf dem 
weiteren Wege sichten sie dann die hohe Insel Margarita, die im östlichen 
Theile 987 m und im westlichen Theile 702 m Höhe erreicht, während sie in 
der Mitte niedrig ist, ferner die 30 m hohe Insel Tortuga, und zuletzt noch das 
14 Sm nördlich vom Kap Codera liegende 21 m hohe Inselchen Centinella, die 
beim Passiren sämmtlich mehr oder weniger Aufschlufs über den Schiffsort und 
die etwaige Stromversetzung geben. Da die Küste selbst rein ist, kann man 
sich ihr unbedenklich bis auf geringen Abstand nähern. Segler sollten jedoch 
zunächst noch in angemessenen Abstande von ihr bleiben, weil nachts und 
morgens unter der Küste meistens oder doch vielfach Windstille herrscht, 
während in einigem Abstande davon der Passatwind ohne Abschwächung weht. 
Unter Berücksichtigung der gewöhnlich herrschenden westlichen Strömung 
mache man das Land östlich vom Bestimmungsorte. Die Luft ist häufig sehr 
diesig, so dafs man unter Umständen eher die an der Küste herrschende 
Brandung sieht als das Land selbst. - Aus diesem Grunde ist Vorsicht geboten 
nicht nur wegen Auflaufens, sondern auch, weil man leicht am Bestimmungsorte 
vorbeisegeln kann. Sobald man die oben beschriebenen Landmarken aus- 
gemacht hat, steuere man darauf zu und ankere auf der Rhede aufserhalb der 
Hafenanlagen, Der Ankerplatz ist von Dampfern auch während der Nacht auf- 
zuünden, doch mufs man sorgfältig lothen. 
Von Norden kommende Dawmpfer können, falls sie am Tage die der 
Küste vorgelagerte Kette der Inseln unter dem Winde erreichen, irgend eine 
der hindurch führenden Durchfahrten wählen, um auf möglichst direktem Wege 
La Guaira anzusteuern. Bei Nacht sind jedoch sämmtliche Durchfahrten mehr 
der weniger -gefährlich und alle nur unter Anwendung grofser Vorsicht zu 
benutzen. Die Strömung setzt auf dem vorhergehenden Wege im Karaibischen 
‘) Brit. Adm-Krt, No. 703, La Guaira Harbour. Letzte Veröffentlichung in „Ann. d, 
Hydr. etc.“, 1902, S. 23.
	        
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