Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1902.
einrichtungen sind nicht vorhanden. Schiffe in Quarantäne ankern etwa 1’/2 Sm
oberhalb. der Stadt, "U ; a
ZolNlbehandlung ist sehr gut. Verlangt wird ein Ladungsmanifest, Connosse-
mente und eine genaue Proviantliste. Ein vom venezolanischen Konsul des
Abgangshafens ausgestelltes Dokument ist zum Befahren des Flusses erforderlich.
Die Zollbeamten sollen den Dienst ganz willkürlich regeln. Sie beginnen
zwischen 6* und 7" V, machen ein bis zwei Stunden Mittagspause und schließen
zwischen 3" und 5* N. Jede Ueberstunde nach 5" N mul mit 20 Bolivars
(1 Bolivar = 80 Pf.) vergütet werden.
Ankerplatz., Des äufserst steil abfallenden Grundes halber mufs man bei
Ciudad Bolivar möglichst nahe am Ufer ankern und Trossen oder Anker achter-
aus ausbringen, um ruhig zu liegen. Der Ankergrund hält gut. Nachts darf
man vor der Stadt nicht vor Anker gehen.
Gezeiten. Die Hafenzeit bei der Barima-Huk ist 6* 0», Nach 28tägigen
Beobachtungen des amerikanischen Kriegsschiffes „Dolphin“ soll die Hafenzeit
bei der Cangrejo-Insel 4 53win sein. Der Fluthstrom setzt in geringem Ab-
stande von der Küste 6 Stunden lang westwärts, der Ebbstrom ebenso lange
ostwärts. Die Fluthhöhe in der Boca Grande-Einfahrt beträgt bei Springtide
09m. Nach Lootsenangaben sollen Hafenzeit und Fluthhöhe bei der Cangrejo-
Insel und dem Lootsenhulk die gleichen sein. Nach derselben Quelle soll die
zröfste Fluthhöhe auf der Barre 1,2 m betragen und Hochwasser auf der Barre
gine Stunde früher eintreten als bei dem Hulk, Der Fluthstrom ist im Flusse
nur bis Barrancas, 110 Sm oberhalb der Mündung fühlbar. Graf Mannsfeld
schreibt darüber: „Auf einen merkbaren Fluthstrom kann man nur bis Curiapo,
40 Sm oberhalb Barima, rechnen.“
Barre. Die Einfahrt in die Boca Grande wird durch eine Barre erschwert,
Die Angaben über die Wassertiefe auf der Barre weichen von denen, die die
Karten geben, stark ab. Hoher Flufswasserstand ist ohne Einflufs auf den
Wasserstand der Barre. Bei der rothen Tonne wurde 11m Wasser gelothet,
was mit den Angaben des „Dolphin“ von 1892 übereinstimmt. Kapt. Alın
“and im April 1900 eine gleichmäfsige Tiefe von 5m. Graf Mannsfeld be-
richtet, dafs die Sabanita-Bank verschwunden ist und die geringste Wassertiefe
dort 4,5 m beträgt. Die Lootsen ziehen die Sabanita-Seite der Barre ihres
weichen Schlickgrundes halber der Cangrejo-Seite vor. Es ist daher gut, die
Einfahrt auszulothen.
Ueber die Untiefen und Wassertiefen im Flusse lassen sich genaue
Angaben nicht machen, da sie sich von Jahr zu Jahr ändern. Nach Angaben
des Kaiserlich Deutschen Ministerresidenten für Venezuela betrug die Wasser-
tiefe in der zweiten Hälfte des Dezember 1898 im Yaya-Pafs 4,6 m, im Mamo-
Pafs 4,3 m, im Papana-Pafs 4,9 m. Graf Mannsfeld lothete Ende Dezember
1900 im Tanapana- und Bolima di Barrancas-Passe 3,7 m Wassertiefe. Die
Untiefen im Tanapa-Passe sollen jetzt die gefährlichsten sein. Nach Graf
Mannsfelds Berichte können nach dem 1. Januar nur Schiffe bis zu 3,0 und
3,8 m Tiefgang diese Pässe sicher befahren. Der höchste Wasserstand im Flusse
tritt im August ein, wo er durchschnittlich um 15 m gestiegen ist. August,
September, Oktober sollen die günstigsten Monate für die Schiffahrt sein. Bei
hohem Wasserstande können Schiffe von mindestens 4,6 m Tiefgang den Fluls
stets befahren. Ohne Lootsen kann man eine Fahrt auf dem Flusse nicht unter-
aehmen, da auch die Karten nur wenig zuverlässige Angaben machen. Ueber
die Fahrwasserverhältnisse in den anderen Mündungen vgl. „Ann. d. Hydr. ete.“
1902, Heft I, Seite 19: Fahrwasserverhältnisse im Orinoco-Delta.
Strom iritt je nach Jahreszeit und an einzelnen Stellen des Flusses ver-
schieden auf, Nach Lootsenangaben läuft in den engsten Theilen ein Strom
bis zu 6 Sm Geschwindigkeit, während er in den 4 bis 5 Sm breiten Theilen
nur 1'/2 Sm erreicht. „Taormina“ fand den stärksten Strom (von etwa 5 Sm)
bei Rosario.
Hafeneinrichtungen, Bei hohem Wasserstande holen die Schiffe an den
Kai. Lösch- und Ladevorrichtungen sind nicht vorhanden. Sonst holt man so
nahe als möglich ans Ufer und baut dorthin eine Brücke. Kann man keine
Brücke bauen, so .mufs die Ladung mit den Schifsbooten an Land geschafft und
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