Rasche Reisen dentscher Segler.
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östlichen Passagen. die schon an früherer Stelle dieser Annalen beschriebene
sehr rasche Reise ‚von 123. Tagen von Philadelphia nach.Hiogo, wobei es die
zur. ‚selben Zeit ‚auf die Fahrt gegangene, aber die Route Ost von Australien
nehmende viel gröfsere..und schnellere Viermastbark „Pisagua“ um 8 Tage
schlug. ‚Seine Rückfahrt machte es, wie es sehr selten. geschieht, direkt und
zwar nach New-York, und wählte Kapt. Wurthmann dazu den Weg rund Kap
Horn. Da der Südwestmonsun einsetzte, war dies jedenfalls das Richtigste.
Am 30. Mai 1898 trat „Erik Rickmers“ die Reise an. Frische bis stürmische
Winde aus SSO, denen eben solche aus SW folgten, gaben dem Schiffe, das
sich in 41° N-Br bis 42° N-Br hielt, von 180° Länge aber allmählich mehr Süd
anholte, rasche Fahrt nach Osten. In 14 Etmalen, von denen nur eins unter
150 und 6 sich auf 150 bis 200 Sm, die übrigen auf 210 bis 266 Sm hielten, brachte
das behende Schiff in 16 Tagen 2773 Sm hinter sich. Es war dann in 34,5° N-Br
und 163° W-Lg angekommen, wo am 17. Juni bei nordöstlichem Winde der
Kurs Sz0'420 genommen wurde, Es folgten leider noch 7 Tage, ehe in
30° N-Br und 160° W-Ly der Passat einsetzte, der „Erik Rickmers“ auf der
Route westlich in Sicht der Hawali-Inseln bis 5,5° N-Br brachte. Nach weiteren
3 Tagen mit Stille gelangte das Schiff mit dem in 4° N-Br einsetzenden Süd-
ostpassat am 8. Juli nach der Linie in 156° W-Lg. Die Fahrt bis dorthin
dauerte 38 Tage.
Ein frischer Südostpassat geleitete das Schiff bis in die Nähe von
Aitutaki, wo mit den Eingeborenen Tauschhandel getrieben und denselben Briefe
zur Beförderung übergeben wurden. Auf Mallung kam noch wieder etwas
Passat durch, mit dem es nur langsam ging; dann aber herrschte bis Kap
Horn frischer bis stürmischer Wind aus dem westlichen Halbkreise, der dem
Schiffe wieder eine rasche, beständige Fahrt gab. In den 4 Tagen vom 22.
bis zum 26. Juli und den 15 Tagen vom 27. Juli bis zum 11. August bei Kap
Horn, machte es in der für Länge korrigirten Zeit von 18 Tagen 19 Stunden
4019 Sm, also den Tag im Mittel 214 Sm. Die Fahrt von der Linie her war
in der sehr kurzen Zeit von 24 Tagen erledigt worden.
Im Südatlantischen Ozean gab es anfänglich eine gute Gelegenheit mit
Winden aus NW und SW, so dafs die Strecke vom Kap bis 46° S-Br und
50° W-Lg in 6 Tagen zurückgelegt werden konnte. Dann gab es für 3 Tage
Mallung und Stille, worauf aber wieder mehrmals stürmisch werdende Winde
aus den westlichen und südlichen Strichen folgten. Am 22. August wehte in
40° S-Br und 46° W-Lg ein sehr schwerer Sturm aus SO bis SSW mit hohem,
wildem Seegang und anhaltendem furchtbaren Regen. Die Etmale, die „Erik
Rickmers“ an diesem und den folgenden Tagen hinter sich brachte, waren 250,
186, 276, 274 und 256 Sm. Damit erreichte er am 27. 26,5° S-Br in 30,5° W-Lg.
Der schöne Erfolg wurde aber wieder ruinirt durch die Bummelei in den
nächsten 8!/a Tagen, als es zeitweilig wohl etwas aufbrieste, die allernächste
Zeit aber so gut wie windstill war. Endlich in 16° S-Br kam der so lange
schon von Kapt. Wurthmann sehnlichst erwartete Passat durch und machte
es möglich, dafs der Aequator in der Nacht vom 9. zum 10. September in
DS W-Lg überschritten wurde. Die Fahrtdauer vom Kap war 29 Tage
tunden.
Schlecht ging es zunächst nördlich der Linie, wie es aber die Jahreszeit
erwarten lief. Der abflauende Südostpassat hielt freilich bis 5,5° N-Br an;
dann aber gab es für 9 Tage fast nichts wie Mallung und Stille, ehe am
21. September in 14° N-Br und 41° W-Lg der Nordpassat durchkam, der als
leichte bis mäfsige, auf der zweiten Wegeshälfte aus SO kommende Briese
das Schiff nach 26tägiger‘!) Fahrt am 7. Oktober nach dem Ankerplatz bei
Staten Island geleitete. Der ganze lange Weg ab Kobe war von „Erik
Rickmers“ in 130 Tagen vollendet worden, eine gute Reise.
1) In Maurys Tabellen sind im September nur ein Schiff mit 24 und zwei Schiffe mit
26 Tagen aufgeführt. Die anderen 18 haben alle mehr, bis zu 46 Tagen. Das Mittel ist 33,8 Tage.
Kapt. Wurthmann kann deshalb wohl zufrieden sein und braucht die Zweckmälsigkeit der
gewählten Route nicht in Zweifel.zu ziehen.