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Rasche Reisen deutscher Segler.
Es möge hier noch bemerkt werden, dafs es „Pisagua“ ist, welche unter
der Führung von Kapt. C. Bahlke im März 1896 die schnellste Reise von
Lizard nach der Linie in 14 Tagen und 17 Stunden gemacht hat. Im April 1894
legte der Viermaster die Strecke in 16, auf der folgenden Reise im November 1894
in 17 Tagen zurück. Auch bei dieser Gelegenheit bewies „Pisagua“ ihre grofse
Segelfähigkeit, die ihr Führer nach besten Kräften ausnutzte.
S. 4698, Eine äufserst rasche und wohl die rascheste Reise nach Japan
im Nordostmonsun, die hier nicht vergessen werden darf, ist die des Stahl-
Vollschiffes „Adolf“ von 1651 Registertonnen, Kapt. A. Scheepsma. Der
Führer, der leider zu früh verstorben ist, war einer der hervorragendsten
Kapitäne der deutschen Handelsmarine und einer der treuesten und klügsten
Mitarbeiter der Seewarte. Das Schiff, tief mit Kohlen beladen, verliefs Cardiff,
nach Nagasaki bestimmt, am Vormittage des 12. Oktober 1896 und kam am
13. aus dem Bristol-Kanal. Der Wind war anfangs nordöstlich flau, frischte
aber in 43° N-Br. auf und wehte zuletzt als steife Briese bis 35° N-Br. Der bis
dahin abnehmende Luftdruck nahm bald wieder zu, und der Wind, ohne die
Richtung zu ändern, wurde wieder leicht. Die Depression, deren Anwesenheit
Kapt. Scheepsma ohne Zweifel nach Kräften ausgenutzt haben würde, war
leider schnell ostwärts verzogen. Es stellte sich später, wie es scheint, eine
neue Depression ein, aber so weit nördlich, dafs „Adolf“ in den Bereich
der westlichen Winde der Südseite kam, die so lange amnhielten und
meistens so flau waren, dafs erst am 28. in 19° N-Br der Nordostpassat erreicht
wurde. Durch die westlichen Winde genöthigt, nahm der Kapitän die Route
Ost von den Kapverden. Der Nordostpassat hielt an bis 7,5° N-Br, darauf
folgte nach mehreren Tagen mit Mallung in 5° N-Br der Südost, der das
Schiff am 9. November in 29° W-Lg über die Linie brachte. Der rasche
Läufer hatte trotz der widrigen Umstände die Strecke doch in der verhältnifs-
mäfsig kurzen Zeit von 27 Tagen zurückgelegt.
In südlicher Breite kam das Schiff in ununterbrochener Fahrt in regel-
mäfsiger Drehung um das Hochdruckgebiet des Südatlantiks herum mit frischem
bis steifem Winde aus SO, NO und NW zwischen "Tristan da Cunha- und
Nightingale-Insel hindurch in der sehr kurzen Zeit von 17 Tagen am 26. No-
vember in 39° S-Br nach 0° Länge. Am 23., 24. und 25. machte der rasche
Segler bei NNO bis WNW5 bis 6 nacheinander 256, 271 und 250 Sm. — Das
beste Rennen begann aber erst auf östlicher Länge. In 43° S-Br bis 44° S-Br
mit frischen, aber nie stürmischen, fast immer nordwestlichen Winden dahin-
segelnd, wurden bis 80° O-Lg in 16!/2 Tagen 3456 Sm ins Kielwasser gebracht.
Nur ein Etmal war 152 Sm, die übrigen alle 200 Sm und mehr bis 276 Sm.
Wenn der Wind sich mal verpustete, so war dies doch immer nur für sehr
kurze Zeit. Vielfach kam die Fahrt auf 13 Knoten. 80° O-Lg wurde gekreuzt
in 41° S-Br am 12. Dezember.
Die rasche Fahrt hielt mit abwechselnden frischen Winden aus SW und
SO auf dem nordwärts liegenden Wege nach der Ombai-Strafse an, die Kapt.
Scheepsma zur Durchfahrt wählte. Südwestwind herrschte von 30,5° S-Br
bis 25° S-Br und dann wieder als Monsun von 18° S-Br an, im Uebrigen Süd-
ostwind. Am 28. Dezember kam Sandelholz-Insel in Sicht, am 1. Januar 1897
wurde Ombai-Strafse passirt, nach 19 Tagen von 80° O-Lg. Die Reise von
80 Tagen ab Bristol-Kanal bis in die Ombai-Strafse von 80 Tagen ist die
allerbeste im Bericht.
Der Kapitän nahm, da der Wind schral aus NNW war, den Weg durch
die Manipa- und die Djilolo-Strafse, wo der Aequator am 14. Januar, 13 Tage
von Ombai, überkrochen wurde. Mit dem Nordostpassat, der in 3,5° N-Br ein-
setzte, ging es wieder besser. Auf ihn folgten, als die Regelmäfsigkeit in 23° N-Br
zu Ende war, auch noch vorwiegend nordöstlicher Wind, zuletzt Sturm aus
West bis NW, der einzige, den das Schiff auf seinem langen Wege gehabt
hatte. Mit diesem erreichte „Adolf“ am 2. Februar Nagasaki, 112 Tage vom
Bristol-Kanal, die allerbeste Reise, die im Nordostmonsun nach Japan gemacht
worden ist.
S. 5006. Das 1950 Registertonnen grofse jeiserne Vollschiff „Erik
Rickmers“, Kapt. E. Wurthmann, machte im Jahre 1898 durch die