A
a
Rasche Reisen deutscher Segler.
S. 5680. Die nächste recht gute Reise von Süd-Australien war die,
welche das derselben Rhederei gehörende stählerne Vollschiff „Melete“, Kapt.
G. Hansen, in der zweiten Hälfte 1901 von Wallaroo nach Queenstown machte.
Das Schiff segelte mit auffrischenden Nord- und Nordostwinden den Spencer-
Golf hinunter und trat am 11. September bei Kap Borda die Seereise an. Die
Fahrt auf der ersten Strecke südlich von Tasmanien nach 180° Länge ging bei
strammen, oft stürmischen Winden rasch voran, wobei an 7 Tagen täglich
236 Sm ins Kielwasser gebracht wurden. Am 21. September, 10 Tage nach
Abfahrt, ging „Melete“ in 48,8° S-Br von östlicher in westliche Länge über.
Auch auf der Weiterfahrt quer über den Pacifik blieb es beim ununterbrochenen
raschen Rennen. Der Wind hlieb günstig, war aber von 130° W-Lg an sehr
stürmisch und von harten Böen mit Regen, Hagel und Schnee und einer wilden See
begleitet, wodurch die Behandlung des Schiffes recht anstrengend wurde. „Melete“
legte in 16, oder für gut gemachte Länge berichtigt in 15 Tagen und 18 Stunden
in ununterbrochener Fahrt 3561 Sm zurück, wobei nur drei Etmale von 173, 185
und 198 Sm nur wenig unter 200 Sm blieben. Von 141° bis 115° W-Lg fuhr
das Schiff 4 Tage lang durch die grofse Eistrift, welche im letzten Halbjahr 1901
den südlichen Stillen Ozean bis 49° S-Br und von 150° bis 102° W-Lg besetzt
hielt und über die bereits in den Annalen 1902, Seite 76 u. f., ausführlich
berichtet worden ist. Nach späteren Berichten war sie auch Ende Januar d. J.
noch nicht verschwunden. Wegen der Eisgefahr liefs Kapt. Hansen während
der Nacht handige Segel führen. Nach einer sehr raschen Fahrt von 30 Tagen
ab Kap Borda wurde am 11. Oktober Kap Horn passirt. — Der forsche Treiber,
welcher „Melete“ über den Stillen Ozean bis zum Kap gebracht hatte, that
auch im Südatlantischen Ozean noch auf einer längeren Strecke sein Werk.
Frischer bis starker Wind aus der westlichen Kante, der nur einmal aus NW
voller Sturm mit Regen wurde, brachte das Schiff abermals wiederholt
auf 11% und 12 Knoten und führte es in 9 Tagen nach 33,5° S-Br und
30° W-Lg. Hier stellte sich der unerwünschte Wind aus Nord bis NNW
ein, der das Schiff ziemlich weit nach Osten aus seinem Kurse führte, aber
glücklicherweise nur 3 Tage anhielt. Dann kam in 30° S-Br und 23° W-Lg der
Passat, der „Melete“ nicht gerade rasch, aber doch im ununterbrochenen Gange
bei schönem Wetter am 5. November in 29° W-Lg über die Linie brachte,
nach einer guten Fahrt von 25 Tagen. — Auf den abflauenden Südost-, der bis
6,4° N-Br anhielt, folgte fast unmittelbar der Nordostpassat, der bald frischer,
bald leichter bis 30° N-Br und 41° W-Lg, wo sich „Melete“ am 19. befand,
anhielt. Nach 31% Tagen mit Windstille und Mallung stellte sich am 22. abends
schnell zunehmender Wind aus SSW bis SSO ein; leider schlug der Wind,
nachdem er von Stärke 8 bis 3 abgeflaut war, plötzlich mit Regen nach Nord
um, als heftiger Sturm einfallend. Später wehte ein mälsigerer Wind aus NO.
Durch diesen Gegenschlag wurde wieder ein Aufenthalt von 3 Tagen verursacht.
Auffrischender Südostwind, aus dem zuletzt durch Drehung nach rechts NW
entstand, brachte „Melete“ nach einer sehr raschen Reise von 85 Tagen ab
Kap Borda am 5. Dezember vor die Rhede von Queestown. Die Reise von
der Linie hatte 30 Tage in Anspruch genommen.
S. 5708. Stählerne Viermastbarke „Pisagua“, Kapt. H. Nissen. Das
vorliegende Journal dieses 2678 Registertonnen grofsen schnellen Schiffes giebt
den Bericht von einem Beispiel sehr raschen und lange anhaltenden Dauerlaufs,
wie er in keinem anderen hier gegebenen und auch in früheren Berichten wohl
nicht vorgekommen ist. „Pisugua“ kreuzte auf ihrer Reise von Hamburg nach
Port Pirie den Meridian von Lizard am 8. Mai 1901 und hatte zunächst bis zur
Linie eine sehr unbefriedigende Gelegenheit, indem viel südlicher Gegenwind
und viel Stille und Mallung in der Aequatorialzone angetroffen wurden und die
Stärke des Passats nur sehr selten den Anforderungen des grofsen Schiffes ent-
sprach. Die Fahrt nach der Linie, die am 7. Juni in 25,5° W-Lg überschritten
wurde, dauerte infolgedessen 30 Tage. Besser ging es auf südlicher Breite im
Atlantik. Der Passat war freilich von 14° bis 17,5° S-Br zu flau, und ein südöst-
licher bis südlicher Wind, der in 39° S-Br und 14,5° W-Lg einsetzte und zuletzt
sehr stürmisch wehte und das Schiff zum Beiliegen zwang, vertrieb es nordwärts aus
der Route und hielt es auf, so dafs es nach 4 Tagen in 36,7° S-Br und 8,5° W-Lg
stand. Im Uebrigen machte „Pisagua“ jedoch gute Etmale, so im Passat