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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Rasche Reisen deutscher Segler. 
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von der Linie sowohl: als ‚der ganze. lange Weg. von Sydney ‚waren, in sehr 
kurzer. Zeit zurückgelegt worden, der erste in 24, der zweite in 84 Tagen.) 
S. 5574. Eine ebenso gute Reise machte die eiserne Bark „Meridian“, 
Kapt. J. Traulsen. Sie trat dieselbe am 2. September 1900 von Brisbane 
an, beladen mit Wolle, Talg und Erz und ebenfalls wie „Anna Ramien“ nach 
London bestimmt. Da der Abfahrtsort so viel nördlicher liegt‘ und der 
Wind südlich war, nahm Kapt.. Traulsen die Route nördlich von. Neu- 
Seeland und traf hier auch eine gute Gelegenheit, da er, nachdem er Nord: 
Kap passirt hatte, nach‘ einem Tage mit Stille steifen, nordöstlichen Wind 
erhielt, der ihm nun eine südlichere Route erlaubte. Schon am 10. Tage wurde 
180° S-Br gekreuzt. Der :steife bis stürmische Wind, der bis 125° W-Lg aus 
NW, später bis Kap Horn aus SW kam, führte die Bark rasch vorwärts, so 
dafs ein Mal 1383 Sm in 6 und ein andermal 1900 Sm in 9 Tagen zurückgelegt 
werden konnten. Am 7. Oktober wurde die Länge von Kap Horn überschritten, 
Die Fahrt in 35 Tagen war eine sehr gute. — Im Südatlantik ging es bis 
46,5° S-Br verhältnifsmäfßsig langsam. Dann kam aber ein strammer Südostwind 
durch, der direkt in den Passat übergehend, „Meridian“ schon am 2. November 
in 28,9° W-Lg nach der Linie brachte. Der Südatlantische Ozean war demnach 
in der kurzen Zeit von 26 Tagen durchsegelt. — Nach kurzer Mallung folgte 
nördlich der Linie in etwa 4,9° N-Br auf den Südost- der Nordostpassat, der 
die Bark, wenn auch nicht in übermäfsig rascher, aber doch befriedigender 
und gleichmäfsiger Fahrt am 15. November nach 35,1° N-Br und 34,2° W-Lg 
brachte. Mit abwechselnden südwestlichen und nordwestlichen Winden 
gelangte „Meridian“ am 27. November bei Mittag auf die Höhe von  Lizard. 
Reisedauer von der Linie 25, von Brisbane 86 Tage. Sehr gutes Resultat. 
S. 5640. Von Port Germein, Südaustralien, kommend und nach Falmouth 
bestimmt, passirte die stählerne Bark „Euterpe“, Kapt. J. Timme, am 12. Mai 
1901 Kap Borda. Da der Wind bei Abgang östlich war, nahm der Kapitän 
die Route Süd .von Tasmanien und traf dort auch gut treibenden westlichen 
Wind, der aber am 17. so schwer stürmte, dafs der Viermaster für 20 Stunden 
beigelegt werden mufste. Er kam vorher auf 14 Knoten Fahrt und machte 
auch im Uebrigen sehr gute Etmale. Am 23. ging er nach 11 tägiger Fahrt 
auf 48,5° S-Br von. Ost- zu Westlänge hinüber. Auch auf dem weiteren Wege 
kam es oft wieder zu orkanartigen Stürmen, so dafs beigelegt werden mufste; 
es wurde notirt am 25. Mai SO 11, am 27. SW 10 bis 12, schwere Hagelböen, 
am 2. Juni SSO bis SW 11, am 3. NNW 11, am 4, 5, 6 und 7 wieder SW 11 bis 
12. Am 6. Juni fiel bei dem furchtbaren Orkan S 12 mit schrecklichen, Hagel- 
und Schneeböen das Barometer auf 702,0 mm. Es war überhaupt auf dem 
ganzen Wege bis Kap Horn ein unruhiges, oft furchtbares Wetter, doch wurden 
so viele Segel geführt, als möglich war, und, konnte deshalb das Kap in der 
kurzen Zeit von 34 Tagen ab Kap Borda erreicht werden. — Auch im Osten 
des Kaps war das Wetter sehr stürmisch und unruhig bei veränderlichen Winden 
aus dem westlichen Halbkreise bis 31° S-Br hinauf. Hier stellte sich der widrige 
nördliche Wind, zuerst aus NNW, dann aus NNO ein, womit erst auf B.B.-, dann 
auf St.B.-Halsen gesegelt wurde. Erst in 225° S-Br kam der frische, zeitweilig 
stürmische Südostpassat durch, der in rascher Fahrt — am 6. Juli wurden 256, 
am 7. 208, am 10. 204, am 11, 246 und am 12. 230 Sm zurückgelegt — „Euterpe“ 
am 12. Juli, nach 27 Tagen von Kap Horn in 27° W-Lg nach der Linie 
brachte. -— Auf den erst flauen, dann frischen Südwestmonsun, der von 7° bis 
etwa 12° N-Br anhielt, folgte der Nordostpassat, der bis 23,5° N-Br frisch bis steif 
wehte und dem Viermaster einen guten Lauf gab, dann aber flauer wurde. ; Als 
er in 35° N-Br und 39,4° W-Lg aufgehört hatte, kam jedoch ein bald auffrischender 
und zeitweilig mit Stärke 9 wehender, jetzt sehr erwünschter Südostwind durch, 
der den Viermaster für 36 Stunden auf 11 bis 13 Knoten Fahrt brachte, worauf 
nordwestlicher Wind die „Euterpe“ am 8. August in den Kanal führte; nach 
einer Reise von 27 Tagen ab der Linie und 88 Tagen ab Kap Borda, Das 
Resultat war gut. 
1) Das sonst verdoppelte Datum bei. 180° Lg ist bei Berechnung der Dauer dieser Reisen 
nur einfach gezählt. Das Schiff macht auf der Reise 205° nach Osten, verkürzt also die: Zeit um 
14 Stunden, und die gezählten 85 Tage sind in Wirklichkeit nur 84 Tage 10 Stunden. 
Ann, d. Hvädr. ete., 1902. Reihaeft I.
	        
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