accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Rasche Reisen deutscher Segler, 
auch mehrfache Unterbrechungen durch flauen Wind und Stille. Ein sehr 
rasches Rennen mit nördlichem, nordwestlichem und zeitweilig südwestlichem 
steifen, am 22. November zum Sturm werdendem Winde begann jedoch in 
50° 0-Lg und hielt an bis in die Nähe von Wallaroo. Von 50° O-Lg bis 130° O-Lg 
brachte das Schiff, obschon es nicht über 12 Knoten kam, in 15 Tagen 3600 Sn 
hinter sich, was für diese lange Strecke ein Durchschnittsetmal von 240 Sm und 
eine mittlere Geschwindigkeit von 10 Knoten giebt. „Marie“ kreuzte 80° O-Lg 
in 46° S-Br nach 19 und erreichte Wallaroo am 3. Dezember in nur 13 Tagen. 
Die ganze Reise wurde in der kurzen Zeit von 77 Tagen gemacht. 
S. 5594. Eine Reise von nahezu gleicher Dauer nach Port Pirie, Süd- 
Australien, führte ein Jahr später in derselben Jahreszeit das Stahl-Vollschiff 
„Chile“, Kapt. B. Spille, aus. Es hatte, von Cardiff kommend, nach mühevollem 
Kreuzen am 29, September die Nähe von Kap Clear erreicht und fand dann 
gunächst mit nordwestlichem Winde, von 37,5° N-Br an mit dem Passat eine 
günstige Gelegenheit, die aber leider zwischen 32° und 25° N-Br Einbulse erlitt. 
Von 15° N-Br an blieb der Wind flau, bis 8,5° N-Br vorwiegend nordöstlich, 
später südöstlich, mit steuermachtloser Windstille am 15. und 16. und wieder 
am 19, Ein leichter und schraler Passat brachte „Chile“ endlich am 25. Ok- 
tober in 27° W-Lg über die Linie. Trotz allen Gegenschlags war die Strecke 
doch in der verhältnifsmäfsig kurzen Zeit von 26 Tagen zurückgelegt worden. — 
Wenn nicht mit großer, doch mit einigermalsen befriedigender Fahrgeschwindigkeit 
gelangte das Schiff in 10 Tagen nach 26° S-Br und 29° W-Lg. Dann folgten 
wieder mehrere Tage mit zu leichtem Winde, und erst in 32,5° S-Br und 20° W-Lg 
irat der steife Wind erst aus NW, dann aus Süd ein, der „Chile“ am 17. No- 
vember, dem 23. Tage von der Linie, in 36,1° S-Br in östliche Länge führte. 
— Fix ging es jetzt auf dem Wege nach Osten mit steifen bis stürmischen 
Winden aus Nord bis West. In 23, oder den gutgemachten Ost-Längen- 
unterschied von 132° in Rechnung gezogen, 22,63 Tagen fegte das Schiff 
5300 Sm ins Kielwasser. Es kamen ja einige Ermüdungen des Windes vor, 
so dafs bei „Chile“ kleinere Etmale, so einmal 135, zweimal 197, einmal 161 
ınd einmal 168 Sm vorkamen, die übrigen 18 waren alle über 200, und von 
diesen 14 über 220 und 7 über 250 Sm. Die gröfsten Leistungen waren 281 
und 307 Sm, die letzte am 4. Dezember bei West bis WSW. Verschiedentlich 
kam das schnelle Schiff auf 14 Knoten Fahrt. Die Rennfahrt der „Chile“ 
erinnert an die bislang unübertroffene Fahrt des von demselben Kapt, B. Spille 
geführten eisernen Vollschiffes „Katharine“ von Simons Town, Südafrika, nach 
(quique im September, Oktober 1889, die in diesen Annalen, Jahrgang 1890, 
Seite 439 beschrieben worden ist. An den 27, oder für Länge berichtigt, 
26! Tagen, legte „Katharine“ nicht weniger als 183° nach Osten, oder im 
Ganzen 7478 Sm zurück; d.h. ein Drittel des Erdumfanges — 7200 Sm — in 
25'/a Tagen. Das Durchschnittsetmal ergiebt sich zu 277 Sm, die durchschnitt- 
liche Fahrgeschwindigkeit, unter Anrechnung der Verkürzung des Etmals durch 
Gutmachen vor Ost-Länge, zu 11%4 Knoten. Achtmal kam der Tageslauf über 
300 Sm. Die gröfste im Etmal gutgemachte Distanz war 369 Sm vom 6. zum 
7. Oktober bei Sturm aus NW bis Nord, was unter Anrechnung von 40 Minuten 
Zeitabkürzung einer Durchschnittsfahrt für den Tag von 15,8 Knoten entspricht. 
Wenn „Chile“ ein solches Resultat nicht ganz erreichte, so muß man bedenken, 
dafs „Katharine“ leicht in Ballast, „Chile“ aber tief beladen mit Kohlen war. 
Am 16, Dezember passirte „Chile“ Kap Borda am Eingange des Spencer-Golfs, 
20 Tage von 0° Länge und 78 Tage von Kap Clear. 
S, 5668. Den längeren Weg in Betracht ziehend, mufs man die Reise 
der stählernen Viermastbark „Octavia“, Kapt. E.Butz, von 82 Tagen nach 
Sydney als eine noch bessere als die der Schiffe „Marie“ und „Chile“ aner- 
kennen. „Octavia“ passirte Lizard am 11. November 1900. Sie machte mit 
den westlichen Winden und dem Passat, den sie schon in 42° N-Br erhielt, auf 
der Route westlich von den Kapverden eine recht gute Fahrt nach Süden, 
besonders auf der Strecke von 20° N-Br nach 7° N-Br, wo der Viermaster mit 
dem steifen Winde für längere Zeit 10 Knoten und mehr machte und in 3 Tagen 
774 Sm über den Grund zurücklegte. Der Südostpassat, der schon in 6,5° N-Br, 
wenn auch zunächst nur als leichte Briese einsetzte, brachte „Octavia“ am 
5. Dezember in 27° W-Lg nach der Linie. Die Dauer der kurzen Fahrt war
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.