Raache Reisen deutscher Segler
An
setzung durch Nordnordostwind, frisch bis 28,5° S-Br und 27,5° W-Lg. Ab-
wechselnd flaue bis starke Winde aus Süd bis SO und NW bis SW brachten
„Gertrud“ nach 23 Tagen am 1. Juli in 40° S-Br nach 0° Länge. — Eine
rasche Fahrt machte das Schiff mit frischen bis starken Winden aus den west-
lichen Vierteln auf dem Wege nach Osten, auf welchem es sich meistens
zwischen 42° und 43° S-Br hielt. Wiederholt kam das Schiff auf 12 Knoten
Fahrt und darüber. Die besten der 17'/ 2 Etmale, welche „Gertrud“ für die
Strecke von 0° bis 80° O-Lg nur gebrauchte, waren 262, 260, 277, 272 und
272 Sm, aufserdem noch 3 von 225 Sm und mehr. Der Meridian von 80° O
wurde am 19. Juli in 37,4° S-Br überschritten. Auf diesem Wegesabschnitt
hatte man am 4. Juli den einzigen schweren Sturm der Reise und zwar aus
Nord bis West 9 bis 10. — Die gute Gelegenheit hielt auf der nach NO und
Nord gerichteten Route nach der Sunda-Strafse bis 34° S-Br und 96° O-Lg an.
Dann folgte flauer östlicher, hierauf wieder zeitweilig starker westlicher Wind
and von 21,5° S-Br an der nach und nach bis zur Stärke 6 auffrischende Süd-
ostpassat. Mit diesem erreichte „Gertrud“ am 4. August, nach rascher
l6tägiger Fahrt von 80° O-Lg, Java Hooft. Die Dauer der Reise von Kap
Henlopen nach der Sunda-Stralse war 91 Tage. — Die Strafse durchsegelte
das Schiff in knapp 2 Tagen, wobei es den Weg durch den Prinzen-Kanal und
anter der Küste von Java nahm. Sehr günstig ging auch mit leichtem, aber
stetigem Südostwinde die Fahrt durch die Java-See und den Stolze-Kanal,
so dafs schon am 6. Tage vom Indischen Ozean die Linie in 107° O-Lg am
10. August überschritten wurde. Ueberall sah man viel feinen Bimstein treiben.
— Sehr günstig verlief auch die Fahrt durch die Süd-China-See bei stetigem
Winde aus SSW bis WSW, der zuerst nur leicht, von 7° N-Br an aber frisch
und zuletzt steif war. Am 19. August war 20° N-Br in 121,9° O-Lg erreicht.
Da Kapt. Henke der Meinung war, dafs allem Anschein nach an den Tagen
vorher ein Taifun vor ihnen vorübergegangen sei, der sich jetzt in West oder
WNW von ihnen befinden müsse, so nahm er, wie er sagt, gegen die An-
weisungen der Seewarte den Weg durch den Balingtang-Kanal.') — Oestlich
von Formosa verlangte der Wind aus NW bis NO öfters ein Umlegen des
Schiffes von den einen auf die anderen Halsen, wodurch der Weg ver-
längert und die Reise verzögert wurde; von 27° N-Br an machten jedoch
einige Tage, mit Wind aus Ost bis SO das Weiterkommen leichter. Am
29. August nachmittags erhielt man einen Lootsen und ging am Abend vor
Nagasaki zu Anker. Die rasche Fahrt durch und von der Sunda-Strafse, die
vor Allem die Reise verkürzt hatte, hatte nur 25 Tage gedauert, so dafs die
ganze Reise in der kurzen Zeit von 116 Tagen gemacht werden konnte.
Nachdem das Petroleum gelöscht und Ballast eingenommen worden war,
trat „Gertrud“ am 2. Oktober 1900 eine Versegelung von Nagasaki nach Port-
land, Oregon, an. Bei dem herrschenden nördlichen Winde schlug Kapt.
Henke die Route südlich von Kiusiu, Sikok und Nipon ein und kam hier,
durch einen kräftigen östlichen Strom begünstigt, rasch weiter. Am 8. war
140° O-Lg in 34,4° N-Br erreicht und damit das offene Meer gewonnen. Die
Ueberfahrt, auf welcher keine hohe Breite angesegelt, sondern mehr der
Loxodrome gefolgt wurde, ging sehr schnell weiter, wobei der treibende starke
Wind bis 178° W-Lg fast immer von der Süd-, von dort bis nahe der Oregon-
Küste meistens von der Nordwestseite wehte. Das Schiff kam bei diesem Lauf
siebenmal auf Etmale von 240 bis 270 Sm; die gröfste erreichte Fahr-
geschwindigkeit war 12,5 Knoten bei NW 9. Am 26. Oktober wurde das
Schiff auf 44,3° N-Br und 135,7° W-Lg von so schwerem Wetter betroffen, dafs
es für 14 Stunden beilegen mußte. Der Sturm begann aus Süd, aus welcher
Richtung es um 4*p als voller Orkan wehte. Dies dauerte bis 6"p; zugleich
holte der Wind nach SW, um 8*p auf West und um 4"a am 27. auf NW. 10,
Orkanartige Böen, häufige starke Regen- und Hagelschauer. Seit 1* 30" p trieb
das Schiff vor Topp und Takel. Als am 27, um 3* a die Untermarssegel wieder
gesetzt wurden, fand man, dafs das Kreuzuntermarsrack bei dem furchtbaren
1) Es ist die Empfehlung des Bashi-Kanals im Vorzug gegen den Balingtang-Kanal natürlich
nur für gewöhnliche Verhältnisse gemeint. In den Journalen der Seewarte findet sich kein Bericht
über das gleichzeitige Auftreten eines Taifuns in der Nähe.