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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Rasche Reisen deutscher Segler. 
gab, wie fast immer auf diesen Reisen, mit seinen beständigen starken bis 
stürmischen westlichen Winden das beste Rennen. In den 16 Tagen, die 
„Niobe“ für die Strecken 0° bis 80° O-Lg nur brauchte, erzielte sie die Etmale 
220, 184, 234, 180, 130, 200, 252, 216, 340, 260, 266, 296, 224, 296, 212 und 
144 Sm. Unter den 16 waren nur 4 die weniger als 200 Sm gaben, dagegen 
9 mehr als 220, 7 mehr als 240 und 2 nahezu 300 Sm. Bei starkem Seiten- 
winde und auch bei stürmischem Achterwinde kam „Niobe“ mehrmals auf 
13 Knoten. Die ganze Distanz, welche der Viermaster in den 16 Tagen hinter 
sich ins Kielwasser legte, betrug nach der Loggerechnung 3554 Sm, nach den 
astronomischen Beobachtungen noch 184 Sm mehr, also 3738 Sm. Es war doch 
etwas Anderes als das Kriechen bei der Linie im Atlantik, wo „Niobe“ in 10 
bis 11 Tagen um ganze 290 Sm weiter kam. 80° O-Lg wurde in 41° S-Br am 
2. Juli gekreuzt. — Das rasche Vorwärtskommen setzte sich, wenn auch nicht 
in demselben Tempo, fort; zuerst 1142 Sm in 6 Tagen mit Nordwestwind, dann 
(01 Sm in 4 Tagen mit Südwestwind und schliefslich 944 Sm in 5 Tagen von 
22° S-Br an mit dem Südostpassat. Am 18. Juli, dem 16. Tage von 80° O-Lg, 
zsegelte „Niobe“ durch den Prinzen-Kanal in die Sunda-Strafse hinein. Durch 
den Erfolg auf der Strecke von 0° Br im Atlantik wurde die Reise ab Bristol- 
Kanal nach der Strafse von 89 Tagen eine recht gute. — Die Fahrt von 
Java Hooft durch die Sunda-Strafse, die Java-See und den Stolze-Kanal bis 
0° Br in 107 °O-Lg mit frischem südöstlichen Winde wurde rasch und bequem in nur 
4 Tagen ausgeführt. Auch in der China-See fand man nur günstige Umstände. 
Der Wind war stets südwestlich, bald leichter, bald frischer; er führte die 
Viermastbark bei gutem Wetter in 11 Tagen nach 20° N-Br, welche am 
2, August in 118° O-Lg gekreuzt wurden. In der Formosa-Strafse, welche 
Kapt. Fettjuch zur Weiterfahrt wählte, hatte „Niobe“ einen heftigen, lange 
anhaltenden Taifun zu bestehen, der am Abend des 4. August aus NW begann, 
in der folgenden Nacht nach NNW zurückdrehte, aber im Laufe des Vor- 
mittags des 5. wieder auf NW ging. „Nachmittags schwerer Sturm aus WNW 9 
bis WSW 10, harte Böen, anhaltender Regen. Machten um 5"p Vor-Kreuz- 
untermarssegel fest. Fortwährend Blitzen. Um 11*p ging der Wind auf Süd, 
dann für einige Minuten plötzlich Stille. Alle Segel fest. Auf einmal der 
Sturm mit Stärke 11 aus NW, holte aber allmählich wieder nach WSW. Da 
das Schiff nicht gut am Winde lag, wurde das Besanstagsegel beigesetzt, es 
war aber nach 5 Minuten schon weggeflogen. Um 11! a am 6. setzten die 
drei Untermarssegel und halsten westwärts. Obgleich wir der Küste von 
Formosa schon sehr nahe waren, konnten wir der dicken Luft wegen nichts 
davon sehen. Nachmittags abnehmender Sturm und Seegang, abends klarte die 
Luft ab.“ Da „Niobe“ der Küste von Formosa so nahe stand, wurde die Route 
durch den Pescadores-Kanal genommen. Es herrschte zunächst für 1!/a Tage 
Stille, dann kam am 9. auffrischender Südsüdwestwind durch, der „Niobe“ am 
Abend des 12. August vor Nagasaki und, nachdem man die Nacht über unter 
backen Segeln gelegen hatte, am nächsten "Tage in den Hafen brachte. Die 
Dauer der Reise war ab 0° Br 22, ab Indischem Ozean 26, ab Bristol-Kanal 
115 Tage, lauter sehr gute Resultate. 
S. 5563. Eine gleich schnelle Rundfahrt wie „Plus“ führte das mehr- 
fach hier aufgeführte eiserne Vollschiff „Gertrud“, Kapt. Th. Henke, aus. 
Wie erwähnt, segelte dies Schiff im März 1900 vom Kanal und erreichte nach 
rascher Fahrt von 24 Tagen den Delaware, um in Philadelphia eine Petroleum- 
ladung für Nagasaki einzunehmen. Am 5. Mai 1900 passirte das Schiff Kap 
Henlopen und gelangte mit günstigem Winde aus SSW, der am 13. und 14. 
zwar durch Flaue unterbrochen war, am 9., 10. und 11, aber Etmale von 251, 
275 und 248 Sm gab, am 17. Mai nach 32,5° N-Br und 34° W-Lg. Leider war 
der Passat, der nach 2 bis 3 Tage Stille am 20. in 30,5° N-Br einsetzte, nur 
bis 15,5° N-Br frisch bis stark, später aber nur mäfsig bis leicht. Von 
3,5° N-Br herrschte für 8 Tage Stille oder flaue südwestliche Briese, und auch 
der Südostpassat, der in 4° N-Br begann, war wenig frisch. Am 8. Juni kreuzte 
„Gertrud“ in 27,5° W-Lg die Linie, 34 Tage von Kap Henlopen. — Die ver- 
lorene Zeit wurde auf südlicher Breite so weit wieder eingebracht, dafs die 
Dauer der Fahrt bis 0° Länge dem Mittel entsprach. Der anfänglich sehr flaue 
Südostpassat wurde von 6,5° S-Br an frischer und blieb, auch in seiner Fort-
	        
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