Rasche Reisen deutscher Segler.
von Port Townsend nach dem Kanal von 105 Tagen ist bereits an früherer
Stelle hervorgehoben worden.
Die Bark „Plus“ passirte Lizard am 19. Dezember 1898. Sie hatte in
den ersten 3 Tagen eine gute Gelegenheit mit frischen Winden aus NO und
SO, fand dann aber für eine längere Zeit sehr unbefriedigende Umstände:
südliche und südwestliche Winde, die einmal für kurze Zeit stürmisch wurden,
sonst nur flaue, umlaufende Winde und viel Stille. Der auf 34° N-Br am
31. Dezember einsetzende, bald auffrischende Passat rettete jedoch den Erfolg
auf dem ersten Wegesabschnitt. Nachdem der NO die Bark bis 2,5° N-Br
begleitet hatte, kam nach 2 Tagen Mallung der Südostpassat durch, der sie am
12. Januar 1899, nach nur 24tägiger Fahrt ab Lizard in 27,8° W-Lg über
den Aequator brachte. — Der Südostpassat geleitete als ziemlich frische Briese
die Bark nach 24,5° S-Br, der folgende, einmal durch einen Rundlauf durch
NW, SW und SO unterbrochene Nordostwind bis 35° S-Br und 22,5° W-Lg und
nun ein frischer, gute Fahrt gebender Wind aus NW und SW am 3. Februar
nach 0° Länge in 41,3° S-Br. Die Fahrt von 22 Tagen entspricht ungefähr
dem Mittel. — Sehr schnell ging die folgende Fahrt. Im raschen Rennen legte
„Plus“ auf ihrer Route, die südlich bis 43,6° S-Br ging, die Strecke bis 80° O-Lg
in 42,4° bei den frischen bis steifen, aber nie stürmischen westlichen Winden in
nur 16 Tagen zurück. Die willkommene Gelegenheit hielt noch weiter an.
Zieht man auch diese Strecke in Betracht, so findet man, dafs die Bark in
18 Tagen und 8 Stunden, oder für 90° Ostlänge reduzirt, in 18 Tagen 2 Stunden
von 43° S-Br und 9,5° O-Lg bis 37,6° S-Br und 99,7° O-Lg 4050 Sm zurücklegte.
Dies giebt für die lange Zeit ein mittleres Etmal von 224 Sın. Unter den 18
einzelnen täglichen Distanzen waren nur 4 unter 200: 194, 184, 178 und
eins von 136 Sm, als der Wind am 18, Februar sich verschnob, die
übrigen 14 alle über 200 Sm, die drei besten 258, 256 und 250 Sm. — Auf
2 Tage mit sehr leichten veränderlichen Winden folgte am 26. Februar in
35° S-Br und 102,5° O-Lg der Südostpassat, der bald steif und zuletzt stürmisch
wurde. „Am 27. bei Sonnenuntergang schien die Sonne mit dem Himmel ver-
schmolzen, und der ganze Westhorizont glühte weifslich. Dies wie sonstige
Erscheinungen in der Luft und im Meer schienen einen Orkan anzudeuten.
Nachts steifer puffiger Passat, seit 10*a am 28. stark und schnell abgeflaut,
stark ausgeprägter Hof um die Sonne. "Irafen Vorarbeiten für einen etwa
kommenden Orkan.“ Der Orkan trat nicht ein; nach zwei Tagen mit flauem
Winde frischte der Passat noch einmal, aber nur für vier Wachen wieder auf,
dann kam nach einer weiteren eintägigen Stille in 21,7° S der Monsun durch,
erst aus südlicher und südwestlicher Richtung flau, später mehr aus Westen
und NW und stärker. Die Bark steuerte für die Ombai-Strafse. Als man sich
den Vorinseln näherte, konnte man schon in 100 Sm Abstand bei Regenwetter
den Gewürzgeruch vom Lande wahrnehmen. Zwischen den Inseln Savu und
Rotti hindurch fahrend, hatte man in dem Binnengewässer nordwestlich von
Timor noch eine unheimliche Nacht durchzumachen. Es war pechdunkel;
der Wind aus WSW wehte fast stürmisch mit schweren Regenböen und es lief
eine hohe wilde See. Dieser Wind brachte „Plus“ rasch weiter; um S"a am
13. März kam Ombai in Sicht. Damit war die Fahrt von 80° O-Lg in 22 Tagen
ausgeführt und die ganze Reise von Lizard nach der Ombai-Strafße in der
aufserordentlich kurzen Zeit von 84 Tagen vollendet. — Da der Wind steif
aus NW war und der Strom stark nach ONO setzte, konnte „Plus“ die West-
seite der Insel Buru nicht anholen und nahm Kapt. Schröder deshalb den
Weg durch die Manipa-Strafse. Trotz Gegenwind und Stille kam man mit der
starken Nordostströmung in nur 24 Stunden glücklich hindurch. Von der
Strafse aus wurde der Kurs zuerst auf die Djilolo-Strafse genommen, später
aber wegen der eintretenden leichten östlichen Briese die Molukken-Passage
gewählt. Am 22. passirte die Bark an der Westseite von Pulo Obi und hielt
sich dann, wie die Anweisung des Segelhandbuches anräth, nahe der Mitte der
Passage in 126° O-Lg und etwas westlicher.!) Am 24, März wurde in 126,3° O-Lg
die Linie überschritten, 11 Tage nach dem Eintritt in die Ombai-Strafse. —
Nördlich von der Molukken-Passage zwischen 2,5° und 7,5° N-Br fand „Plus“
in
) Siehe Segelhandbuch S. 687.