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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Rasche Reisen deutscher Segler. 
Strecken 0° Länge bis 80° O-Lg und vor Allem Java-Head-—Yokohama, die 
nur 22 Tage in Anspruch nahın. 
Nach einer schwierigen, durch Gegenwind und starken Gegenstrom be- 
kämpften Versegelung von 18 Tagen nach Kobe zum Löschen der Restladung 
trat „Arthur Fitger“ am 26. August mit ungefähr 800 Tonnen Ballast eine 
Reise nach Portland, Oregon, an. Auch diesmal hatte das Schiff zunächst mit 
Gegenwind, jetzt aus Ost, zu kämpfen, ehe es am 1. September in freies Wasser 
kam. Die Reise verlief im Uebrigen sehr gut mit frischem günstigen Winde, 
wenn auch an 4 Tagen östliche, theils stürmiscbhe, theils flaue Winde entgegen- 
traten. Das Schiff kam durch den Ostsüdostgegenwind nordwärts bis jenseits 
51° N-Br, was für die Jahreszeit und bei dem niedrigen Barometerstande wohl 
etwas zu nördlich war. Am 19. September, als der Schiffsort am nördlichsten 
war, ging der Wind, nachdem das Schiff eine Strecke auf B-B-Halsen gesegelt 
hatte, alsbald wieder nach West herum. Am 27. September, nach 33 Tagen 
von Kobe, kam „Arthur Fitger“ vor dem Columbia-Flusse an. Hätte das Schiff 
nicht den Aufenthalt zu Anfang der Reise gehabt, so wäre die Reise wohl 
3 Tage kürzer geworden. 
S. 5028. Nach der raschen Ueberfahrt von 20 Tagen über den Nord- 
atlantischen Ozean von Ost nach West trat am 15. April 1398 die Stahlviermast- 
bark „Christine“, Kapt. F. Warneke, bei Kap Henlopen ihre Reise von 
Philadelphia nach Hiogo, Japan, an. Dieselbe verlief zuerst sehr rasch. Bei 
vorherrschenden Südwestwinden wurden Distanzen von 246, 259, 275, 276 und 
226 Sm gemacht, wobei der schnelle Segler mehrmals auf 13 Knoten Fahrt 
kam. Im Nordostpassat, der in 36° N-Br und 35° W-Lg eintrat, ging es bei viel 
Aauer Briese anfänglich langsam, etwas besser von 24° N-Br an. Viel Aufenthalt 
entstand aber wieder in etwa 6° N-Br, wo der Passat aufhörte. Es waren 
volle 9 Tage nöthig, um die kurze Strecke bis zur Linie bei der Stille und 
Flaue zurückzulegen. 0° Br wurde in 22,3° W-Lg am 17. Mai gekreuzt, am 
32. Tage von Kap Henlopen. — Recht schnelle Fahrten machte „Christine“ auf 
den drei folgenden Wegesabschnitten. Im Südatlantischen Ozean wurde im 
Passat freilich keine übermäfsig rasche Fahrt erzielt, aber die frischen bis 
steifen Winde aus NW und West, die schon in 245° S-Br und 24° W-Lg ein- 
setzten, machten es mit Distanzen von 203, 264, 235, 212, 185, 245 und 228 Sm 
wieder gut. Nach kurzen 17 Tagen ab 0° Br wurde 0° Länge am 3. Juni in 
36,4° S-Br überschritten. Rascher noch flog der Weg nach Osten mit den 
frischen, oftmals bis 8 und 9 sich steigernden westlichen Winden hinteraus. Die 
3718 Sm von 0° bis 80° O-Lg wurden in der sehr kurzen Zeit von 17 Tagen 
zurückgelegt, und ergiebt sich daraus für die 2!/2 Wochen eine Durchschnitts- 
geschwindigkeit von 9,1 Knoten (219 Sm im Etmal), Für Wind und Schiff 
eine gute Dauerleistung! Das rasche Rennen mit den westlichen Winden und 
später, wenn auch etwas weniger schnell, mit dem Passat, dauerte mit Unter- 
brechung von 1!% Tagen Stille bei 19° S-Br fort bis zur Sunda-Straße. Mit 
den westlichen Winden wurden wieder in 6 Tagen 1413 Sm abgelaufen, d. i. 
durchschnittlich 236 Sm im Etmal und nahezu 10 Sm in der Stunde. Legt man 
diese 1413 Sm mit den vorher gefundenen 3718 Sm zusammen, so ergiebt sich 
die in ununterbrochenem Dauerlauf in 23 Tagen abgesegelte Strecke zu 5131 Sm, 
fast ein Viertel des Erdumfanges. Im Südostpassat wurden nur zwei sehr gute 
Atmale gewonnen, das eine von 230, das andere von 219 Sm. Das letztere 
brachte „Christine“ am 4. Juni, dem 14. Tage von 80° O-Lg nach der Sunda- 
Strafse. Die Reise von 80 Tagen von Kap Henlopen nach der Sunda-Straßse 
der „Christine“ ist die beste im Bericht. Die ebenso kurze Reise der „Ter- 
psichore“ im Jahre 1888 ging vom Englischen Kanal aus, von wo die Linie im 
Atlantischen Ozean gewöhnlich schneller erreicht wird, als von einem Nord- 
amerikanischen Hafen. Hätte „Christine“ jetzt so viel Glück gehabt als ihr 
Vorsegler „Arthur Fitger“, so würde sie eine brillante Reise gemacht und 
ihr Reiseziel Hiogo in 102 Tagen ab Kap Henlopen erreicht haben. Die 
Durchsegelung der Sunda - Strafse!) ging auch schnell, indem sie in 1 Tage 
16 Stunden ausgeführt wurde. Auch die Durchfahrt des Macclesfield-Kanals 
ging verhältnilsmäfsig rasch von statten, obschon „Christine“ wegen des un- 
) Siehe die ausführliche Beschreibung Annalen 1899, Heft VI,
	        
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