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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1902, 
Der Strom setzt vor der Orinoco-Mündung gewöhnlich in westnordwest- 
licher Richtung als Aequatorialstrom, und im südlichen Theile des Karaibischen 
Meeres westwärts mit beträchtlicher Geschwindigkeit, besonders in der Gegend 
der der Küste vorgelagerten Inseln. In der Nähe der Küste zwischen La Guaira 
und Puerto Cabello ist die Strömung jedoch weniger stark, zeitweise sehr schwach, 
und mitunter soll sie bei Windstille oder westlichen Winden sogar ostwärts 
setzen mit nicht unbeträchtlicher Geschwindigkeit. Thatsächlich bietet es für 
Segelschife gewöhnlich keine große Schwierigkeit, von Puerto Cabello nach 
La Guaira aufzukreuzen, wenn hierbei Rücksicht auf Land- und Seewind ge- 
nommen wird. 
Küstenansicht, Der östlichste Theil der Küste, das Mündungsgebiet des 
Orinoco, ist niedrig und vielfach sumpfig. Es bietet keine hervorragenden 
Landmarken und kann nur aus geringer Entfernung gesehen werden. Westlich 
von der Insel Trinidad, die ein Höhenzug am Nordeude in westlicher Richtung 
durchzieht, setzt sich dieser Höhenzug in gleicher Richtung weiter fort. Im 
östlichen Theile der Halbinsel Paria erreicht er bis über 1000 m Höhe, wird 
dann aber allmählich niedriger. Zwischen Barcelona und Kap Codera ist die 
Küste meistens sehr flach und niedrig, nur an einzelnen Stellen finden sich 
Erhebungen von einiger Bedeutung. Von dem auf etwa 66,1° W-Lg. liegenden 
Kap Codera an verläuft die Küste zunächst in westnordwestlicher und bald 
darauf in westlicher Richtung. Sie steigt bei diesem Kap allmählich an, und im 
weiteren Verlaufe besteht sie aus dem grofsen Höhenrücken von Caracas, 
der an den meisten Orten steil aus dem Meere emporsteigt und in geringer 
Entfernung davon bereits 900 bis 1200 m Höhe erreicht. In weniger als 10 Sm 
Entfernung vom Meere zieht sich der Höhenrücken länys der Küste und erreicht 
in der Gegend von La Guaira den Höhepunkt, wo er gleichzeitig auch der 
Küste am nächsten kommt. Die die besten Landmarken bildenden und gleich- 
zeitiz höchsten Berge sind der etwa 15 Sın westlich vom Kap Codera liegende, 
rund 2260 m hohe Caculo, der 17 Sm westlich davon sich erhebende Pico Agudo 
de Cares, der 10 Sm westlich von letzterem zu 2890 m Höhe ansteigende Pico 
de Noguata, der 4 Sm nordwestlich von diesem sich bis zu rund 2600 m Höhe 
erhebende sattelförmige Silla de Caracas, sowie der 6 Sm nordwestlich von 
jetzterem und nur 3 Sm in südöstlicher Richtung von La Guaira entfernte Monte 
de Avila. Westlich von La Guaira nimmt die Höhe der unmittelbaren Küste 
wie auch des landwärts davon sich weiter entlang ziehenden Höhenrückens all- 
mählich ab. Der 16 Sm westlich von La Guaira liegende Mount Palmar ist 
1920 m, der 11 Sm westlich davon sich erhebende Tamaya 1210 m und der noch 
15 Sm westlicher liegende Monte de la Meseta 1133 m hoch. Westlich von 
Puerto Cabello ist die Küste zunächst flach und niedrig, denn die einzelnen 
Höhenzüge als Ausläufer der Anden erreichen sie nicht ganz. Westlich von 
Tucacas nähern sie sich der Küste jedoch wieder mehr, und einzelne Gipfel 
erreichen in ihrer Nähe wieder 700 bis 1200 m Höhe. Ihe weit vorspringende, 
grofse inselförmige Halbinsel Paraguana ist in der südlichen Hälfte bergig, in 
der nördlichen dagegen meist niedrig und eben, wie auch das ganze Gebiet in 
der Umgebung der Maracaibo-Lagune. 
Ciudad Bolivar.!) 
Nach Fragebogen No. 963 des Schiffenffiziers P. Wagemann, D. „Borkum“, vom 3. Mai 1899, 
No. 1341 des Kapt. W. Alm, Dreimastschoner „Donna Luisa“, vom 1. Mai 1900, No. 1611 des 
Grafen Colloredo Mannsfeld, vom 16. Dezember 1900, Yacht „Taormina“, ergänzt nach englischen 
und amerikanischen Quellen. 
Ciudad Bolivar, früher Angostura, liegt etwa 228 Sm oberhalb der Mündung 
des Orinoco in etwa 58 m Höhe über dem Meeresspiegel. Geographische Lage 
auf 8° 9’ N-Br. und 63° 33’ W-Lg. Die Stadt wurde im Jahre 1588 gegründet. 
Die Einwohnerzahl betrug nach dem Jahresbericht für Venezuela von 1889 
12000. Da der Orinoco bis zur Stadt für Seeschiffe und weiter aufwärts für 
kleinere Fahrzeuge fahrbar ist, so sind Schiffsverkehr und Handel dort recht 
bedeutend. 
Der Orinoco entspringt auf dem Sierra Parima-Gebirge in etwa 3° N-Br. 
und 65° W-Lg.; bis auf etwa 4° N-Br. und 68° W-Lg. verfolgt der Flufs eine 
1) Letzte Veröffentlichung in den „Aun. d. Hydr. ete.“. 1899, Seite 40.
	        
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