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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Rasche Reisen deutscher Segler. 
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seltener Fall ist, dafs der Weg um Kap Horn herum und dann mit den Passaten 
nach Westen genommen wird, Um Ladung zu erhalten, gehen die Schiffe auf 
der Weiterreise gewöhnlich nach Nordwestamerika, wo Korn oder Holz ein- 
genommen wird. 
S. 5144. Das eiserne Vollschiff „Arthur Fitger“, Kapt. C. Denker, 
welches in Middlesboro, Ostengland, eine Ladung von. 2204 Tonnen Pigiron‘) 
und 400 Tonnen Coke eingenommen hatte, ging, bestimmt nach Yokohama und 
Kobe, am 9. März 1898 in See und passirte am 17. Lizard. Auf 3 Tage mit Süd- 
westwind folgte frischer bis steifer Wind aus NO bis ONO, der „Arthur 
Fitger“ am 25. nach 34,5° N-Br und 19,5° W-Lg brachte. Dann ging es mit 
mäfsigem, oft leichtem Westwinde weiter nach 24,7° N-Br und 22° W-Lg. Nach 
3 Tagen Stille und leichtem Südwind kam endlich in 23° N-Br und 23° W-Lg 
am 4. April der Passat durch, womit das Schiff in ziemlich guter Fahrt auf 
der Route West von den Kapverden am 11. April nach 2,5° N-Br in 28,6° W-Leg 
kam. Das Folgende war wieder nichts als Stille. und Mallung; erst am 18. 
erhielt das Schiff den Südostpassat. Den Aequator hatte „Arthur Fitger“ am 
16. April, dem 30. Tage von Lizard, in 29° W-Lg überkrochen. .Auch der 
Südostpassat brachte keinen ordentlichen Wind und Fortgang, höchstens dafs 
das Schiff in vereinzelten Fällen mal auf 7 Knoten kam; ebenso war es mit 
dem folgenden Nordost und Nordwest, dazwischen gab es immer Windstille. 
Erst am 8, Mai gab es frischeren Nordwestwind, mit dem „Arthur Fitger“ den 
Weg von 34° S-Br und 16,5° W-Lg nach 0° Länge in 40°S-Br in 4 Tagen 
zurücklegen konnte. Das Schiff erreichte 0° Länge am 12. Mai, nach 26 Tagen 
Fahrt von der Linie. War die Reise bisher nur eine mittelmäfsige gewesen, 
so wurde das anders auf dem weiteren Wege. Mit frischem bis steifem be- 
ständigen. Winde aus NW bis SW lief das Schiff in ununterbrochener Segelfahrt 
bis 34° S-Br und 95° O-Lg, wo es am 1. Juni ankam. Es hatte dann in 
20 Tagen 4107 Sm hinter sich gebracht. Zieht man die drei kleinsten Etmale 
von 149,156 und 76 Sm von der ganzen Distanz ab, so bleiben für die übrigen 
17 Tage 3826 Sm, was ein Durchschnittsetmal von 225 Sm giebt. Den Meridian 
von 80° S kreuzte „Arthur Fitger“ am 28, Mai, 16 Tage von 0° Länge, in 
38° S-Br. Auf dem Wege nach der Sunda-Strafse herrschten von 34° bis 30“ S-Br 
leichte östliche Winde und Stillen, darauf kam nach Umdrehung des auf- 
frischenden Windes durch NO, NW und SW in 26° S-Br der Passat. Er gab 
dem Schiffe eine gute Fahrt, aber nur bis 15° S-Br, dann traten wieder Mallung 
und Stillen ein; ein neues Aufbriesen des Passats brachte jedoch das Schiff am 
17. Juni, dem 20. Tage, von 80° O-Lg, in die Sunda-Strafse. Dauer der Reise 
ab Lizard 92 Tage. — Sehr gut traf es „Arthur Fitger“ auf der letzten Strecke 
des Weges. Die Durchsegelung der Sunda-Strafse bewerkstelligte das Schiff, 
indem es durch den Prinzen-Kanal und an der Java-Küste entlang ging, mit 
leichtem, aber günstigem Winde und mitlaufendem Strom in der aufserordentlich 
kurzen Zeit von 11 Stunden.*) Ebenso rasch wurde der Weg bis zur Gaspar- 
Strafse und durch dieselbe zurückgelegt. Der Wind war zwar leicht, aber stets 
SO, und der Strom mitlaufend. Am 28, Juni, schon am 6. Tage ab Java Hoofd, 
wurde der Aequator in 107° O-Lg überschritten. Hier frischte der Südwest- 
monsum allmählich auf und trieb das Schiff in 8 Tagen durch die China-See 
nach 20° N-Br und 121,2° O-Lg. Der 26., 27., 28., 29. und 30. Juni brachten 
Etmale von 181, 201, 206, 230 und 213 Sm, für die Gegend und die Jahreszeit 
ein seltenes Vorkommen! Kapt. Denker entschlofs sich, da er nicht im Besitz 
einer Karte der Insel Formosa war, östlich von den Liu-Kiu- und den Linschoten- 
Inseln zu gehen. Er traf es dort denn auch sehr gut. Als Kap Bojeador auf 
Luzon passirt war, holte der Wind von SSW auf SO und blieb auf diesem 
Striche als mäfsige, aber beständige Briese bis 258° N-Br und ging dann 
wieder, bald auffrischend, auf SW zurück, . Mit diesem Winde gelangte „Arthur 
Fitger“ rasch zum Ziele. Am 9. Juli um 1'/at p wurde Rock-Insel passirt und 
gegen 11"p auf der Rhede von Yokohama geankert. Der lange Weg wurde in 
nur 114 Tagen zurückgelegt. Verhältnilsmäfsig am raschesten ging es auf den 
1) Deutsch im bergwerkschaftlichen Ausdruck „Ganseisen“ genannt. Hier die englische 
Bezeichnung beibehalten, die den deutschen Seeleuten geläufiger ist. 
2) Ausführlicheres in Annalen 1900, Heft X.
	        
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