Rasche Reisen deutscher Sogler.
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als das Schiff wieder in den Strom kam, eine entsetzliche Kreuzsee ein. Auch
die Zunahme der Wasserwärme zeigte die Aenderung der Strömung an. Am
nächsten Tage war „Albert Rickmers“ gegen Westen 8 bis SW 5 62 Sm nach
S61° W voraus gesetzt worden. Kapt. Warneke hatte außerdem das Glück,
schon etwas östlich vom Meridian von Kap Agulhas, der am 20. Oktober passirt
wurde, einen kräftigen Strom nach NW und gleich darauf einen steifen Südost-
wind zu erhalten, der sein Schiff schon am 19. Oktober, nach einer raschen
Umfahrt von 18 Tagen in 4,5° O-Lg nordwärts über 30° S-Br wieder hinaus-
{ührte. — Der steife, später etwas leichter werdende, aber immer noch einen
für diese Fahrt guten Fortgang gestattende Südostwind führte als Passat den
Viermaster ununterbrochenen Laufes an St. Helena und Ascension-Insel vorüber
bis nördlich der Linie, Letztere wurde nach sehr schneller Fahrt von 16 Tagen
am 8. November in 24° W-Lg gekreuzt. — Eine sehr gute Fahrt auf ganz
ungewöhnlichem, aber bei den angetroffenen Verhältnissen durchaus vortbheil-
haften Wege machte „Albert Rickmers“ durch den Nordatlantik. Der Nord-
ostpassat, der auf den Südost in 6° N-Br unmittelbar folgte, war nur von
mäfsiger Stärke und endete schon in 19,5° N-Br und 31,5° W-Lg. Gleich
darauf begann jedoch ein erst leichter, später frischer bis steifer Südostwind,
der ungemein beständig ununterbrochen bis zur Kanalmündung anhielt. Den
hohen Barometerstand in Betracht ziehend, der ein längeres Bestehen der
Wetterlage erwarten liefs, nahm Kapt. Warneke nicht den gewöhnlichen Weg
westlich von den Azoren oder zwischen diesen Inseln hindurch, sondern den
kürzesten direkten Weg östlich von den Azoren über 30° N-Br in 25,9° W-Lg
und 40° N-Br in 18° W-Lg. Auf diese Weise erreichte er schon am 4. Dezember,
nach einer schnellen Fahrt von 26 Tagen, die Höhe von Lizard. Für eine
Reise von Rangun, die im Südwestmonsun angetreten wurde, sind die 102 Tage
des „Albert Rickmers“ das Beste, was bisher von Mitarbeitern der Seewarte
geleistet worden ist.
S. 5285. Hölzernes Vollschiff „R. C. Rickmers“,!) Kapt. H. Otto.
Anf einer Reise von Singapore nach New-York verliefs dieses Schiff am
5. September 1599 die Singapore-Strafse und steuerte der Gaspar-Strafse zu.
Bei dem sehr flauen, oft von Stillen unterhrochenen südlichen Winde und dem
Gegenstrome war das Weiterkommen aufänglich nur ein sehr langsames, wurde
jedoch etwas besser, als der Macclesfield-Kanal der Gaspar-Strafse durchsegelt
worden war. Der Wind blieb zwar flaun, kam aber öfter aus einer günstigen
östlichen Richtung. Am 21. September kam Babi-Insel in Sicht, am nächsten
Tage segelte man in die Sunda- Strafse ein. Da es noch Ostmonsun war
und der Strom vorwiegend nach SW setzte, erreichte „R. C. Rickmers“,
nachdem er. die Strafse in 13 Stunden durchfahren, am 23. September, am
18. Tage von der Singapore - Strafse den Indischen Ozean. Hier erhielt
das Schiff sofort einen steifen Südostpassat, der es in rascher Fahrt bis zum
6. Oktober in 21,3° S-Br und 59,6° O-Lg begleitete. In diesen 13 Tagen legte
das nicht übermäfsig segelkräftige Schiff 2674 Sm zurück; diese gute Leistung
wurde vornehmlich dadurch erzielt, dafs Kapt. Otto klugerweise nicht den
gewöhnlichen Weg verfolgte, sondern sich nördlicher hielt, um den stärksten
Windstrom des Passats zu benutzen. Nach 3 Tagen flaueren Windes kam von
Neuem frische Briese aus SO durch, die, zweimal unterbrochen durch Umlaufen
nach links, das Schiff am 16. Oktober in 36,5° O-Lg südlich von 30° S-Br
brachte. Fahrtdauer von der Sunda-Strafse 23 Tage. — Bei der Umsege lung
Südafrikas gab es zunächst Aufenthalt durch südliche und südwestliche Briese,
untermischt mit Stille; in der Nähe von 33° S-Br und 29° O-Lg erhielt das
Schiff durch steifen östlichen Wind wieder Förderung und konnte schon am
27. Oktober, nach der sehr kurzen Zeit von 11 Tagen in ungefähr 10° O-Lg
wieder nördlich von 30° S-Br kommen. An der Südostecke des Kaplandes
setzte der Agulhas-Strom am ersten Tag S 58° W 53, am zweiten S 54° W 82 Sm.
— Auf dem Wege vor dem Winde im Südatlantik flaute der südöstliche Wind
bei 26° S-Br für zwei Tage ab, sonst wehte er als frischer Passat ganz bis
jenseits der Linie. Diese wurde am 15. November nach 19tägiger Fahrt
1) Auf einer späteren Reise infolge schwerer Havarie durch einen Orkan im Nothhafen
Port Elisabeth kondemnirt.