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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Rasche Reisen deutscher Segler. 
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und hatte auf den verschiedenen Wegesabschnitten bis zur Linie 27, 0° Länge 
18, 80° O-Lg 17, 0° Breite 20 und bis Rangun, wohin wieder in der Bai von 
Bengalen die östliche Route genommen wurde, 13 Tage. Ganze Reise 94 Tage. 
Die Rückreise von Rangun begann am 6. März 1898, sie dauerte bis zur Linie 
18, bis 30° S-Br im Indischen Ozean 25, bis 30° S-Br im Atlantischen Ozean 11, 
bis zur Linie 15 und bis Lizard 29 Tage. Ganze Reise 98 Tage. Hin und 
her zusammengerechnet, ist ein solches Resultat wohl noch nicht dagewesen. 
S. 5167. Eiserne Viermastbark „Euterpe“, Kapt. J. Timme, ebenfalls 
nach Rangun bestimmt, passirte, von Hamburg kommend, am 23. September 1898 
Lizard. Der Viermaster trat die Reise mit Sturm aus Ost an, der aber bald 
abflaute und durch einen frischen bis starken Wind aus NW bis West abgelöst 
wurde. In 38° N-Br kam nordöstlicher Wind durch, mit dem jedoch nicht viel 
Fortgang zu machen war, da er flau blieb und oft von Stille unterbrochen 
wurde. Erst in 23° N-Br stellte sich ein frischer Nordostpassat ein, der 
„Euterpe“ auf der Route West von den Kapverden bis 7,5° N-Br begleitete. 
Mit dem Südostpassat, der auf etwas Monsun folgte, wurde am 19. Oktober in 
30° W-Lg die Linie passirt. Die Fahrt von 26 Tagen war in Anbetracht der 
Jahreszeit und der angetroffenen Gelegenheit als eine ganz befriedigende anzu- 
sehen. — Der Passat des Südens hielt sich als stetige, aber zu schwache 
Briese bis 16,5° S-Br, dann folgte auf vollständiges Abflauen ein Strich ebenfalls 
zu schwachen östlichen Windes, auf diesen aber, schon von 27,5° S-Br und 
28° W-Lg an, durch Drehung des Windes durch NO und Nord nach den west- 
lichen Strichen eine ausgezeichnete Gelegenheit, welche das schnelle Schiff 
ganz nach dem ersten Meridian und darüber hinaus jagte. In den 8 Tagen 
vom 1. bis zum 9. November durchlief der Viermaster 1754 Sm; läfst man die 
kleineren Distanzen des ersten und letzten Tages aus der Rechnung, so ergiebt 
sich für die übrigen 6 Tage ein mittleres Etmal von 231 Sm. „Euterpe“ über- 
schritt 0° Länge in 41° S-Br am 9. November, dem 21. Tage von der Linie. — 
Der Weg nach Osten, der über. 44,8° S-Br führte, wurde wieder mit steifem bis 
stürmischem Winde aus Nord und NW in fliegendem Laufe zurückgelegt, Das 
Rennen begann am 12, November; es gab dann tägliche Distanzen von 219, 
183, 202, 279, 253, 264, 236 — an diesem Tage, dem 18. November, lenzte 
das Schiff mit 12 Knoten Fahrt vor schwerem Stirm aus West, 11. „Orkan- 
artige Hagelböen, gewaltige See. Eine Spiere an Deck wurde losgeschlagen 
und zertrümmerte die Welle des Gangspills. Das Deck beständig voll Wasser; 
zuweilen lag dabei das Schiff so schief, dafs die Lee-Regeling unter Wasser 
war. Um 9ba rifßs das Kreuzobermarssegel die Nock mit dem Scheibgatt und 
noch ein grofses Stück von der Untermarsraa mit weg. Machten die Ober- 
marssegel fest. Abends noch schwere Hagelböen, Wind (W 9) und See aber 
abnehmend: setzten die Unterbramsegel bei — so ging es weiter 154, 185, als 
der Wind sich erholte, 248, 174 — November 3; der Sturm aus West wurde 
zum vollen Orkan. Während das: Schiff mit 13 Knoten Fahrt vor dem Winde 
lief, brach nach Mitternacht die Kreuzobermarsschot, welche zugleich das Kreuz- 
untermarssegel entzwei schlug. Das Voruntermarssegel platzte auseinander, 
Vor Grofsuntermarssegel allein vor diesem schweren Sturm und der gewaltigen 
See zu lenzen, ging nicht. Das Deck bis an die Nagelbank stets voll Wasser, 
Um 5*a drehten bei vor Grofsuntermarssegel und Sturmbesan. Orkanartiger 
Sturm mit aufserordentlich schweren Hagelböen. BReparirten Vor- und Kreuz- 
untermarssegel, Am nächsten Morgen noch schwerer Sturm West 11 mit 
orkanartigen Böen, Blitzen, Hagel und Regen. Gegen 5° a versuchten, nachdem 
das Voruntermarssegel beigesetzt, das Schiff zum Abfallen auf den Kurs zu 
bringen, was gelang; doch kam eine Sturzsee über, wodurch das Schiff für 
Minuten mit der Leeregeling unter Wasser geworfen wurde. Es wurde Oel zur 
Beruhigung der See gebraucht. Setzten Kreuzuntermarssegel und: Fock, 
das Schiff lief wieder 10 Knoten.“ In den folgenden Etmalen machte „Euterpe“ 
249, dann 232, 177, 264 und 210 Sm. Der Viermaster war damit in hartem 
Kawmpfe bis 32° S-Br und 87,7° O-Lg gekommen. Den Meridian von 80° 0 
hatte er in 40° S-Br am 26, November nach einer sehr kurzen Fahrzeit von 
17 Tagen erreicht. — Nach flauer Zeit, die vom 29. November in 32° S-Br 
bis zum 3. Dezember in 27,7° S-Br anhielt, begann mit dem hier einsetzenden 
strammen Passat aus Ost bis ONO wieder ein rascheres Segeln voll und bei 
Ann. d Hydr. etc. 1902, Beiheft I.
	        
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