Ann. d. Hyadr. ete.; XXX. Jahrg. (1902), Heft IL...
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Die Haupthäfen Venezuelas.”.
Allgemeines. Die Republik, Venezuela umfafst an Küsten die östliche
gröfsere Hälfte der Nordküste von Südamerika am Karaibischen Meere sowie
östlich davon am Atlantischen Ozean die nächste kurze Strecke bis zur Grenze
von Britisch Guayana, im Ganzen eine Strecke von mehr als 700 Sm Länge
mit einer Küstenlänge von über 1200 Sm. AErstere-ist gröfstentheils hoch und
bildet das Ende‘ der im nordöstlicher Richtung das Land durchziehenden Kette
der Anden; während der östliche Theil flach und niedrig ist und besonders das
grofse Delta der Orinoco-Mündungen bildet. Die beiden bedeutendsten Häfen
liegen: aber weder an‘ der Mündung grofser Flüsse,‘ noch an dem inneren Ende
tiefer, (geschützter Buchten, sondern am’ Fufße -des höchsten Endes der Anden,
etwa 70: Sm von einander entfernt, so dafs der Transport der Güter nach oder
von diesen Häfen ausschließlich auf den schwierigen Landweg angewiesen ist,
Von ihrem Hafenplatze La Guaira liegt die Hauptstadt des Landes, Caracas, in
der Luftlinie nur 7 Sm entfernt, während die Landstrafse zwischen beiden Orten
21 -Sm und die Eisenbahnstrecke 23 Sm lang ist. Von’ Puerto Cabello ist
Valencia,‘ die Hauptstadt der Provinz Carabobo, in der Luftlinie etwa 23 Sm
entfernt. Zwischen diesen beiden Orten sind die Terrainverhältnisse erheblich
günstiger als zwischen den erstgenannten beiden Orten. Ciudad Bolivar, der
dritte von den bedeutenderen Häfen, liegt am Orinoco, 228 Sm oberhalb. der
Mündung. Er bildet den Mittelpunkt des Handels für das weite, freilich: noch
verhältnilsmäfsig unbedeutende Gebiet dieses grofsen Flufslaufes. Der vierte
Hafen, Maracaibo, liegt im westlichen Theile der-Republik innerhalb der engen
Mündung der grofsen Lagune von Maracaibo, die sich mehr als 100 Sm weit
ins Land erstreckt und an ihrem inneren Ende etwa 70 Sm breit ist. Den beiden
letztgenannten Häfen stehen mithin bedeutende Wasserwege für den. Weiter-
transport von Gütern zur Verfügung. Carupano ist von geringer Bedeutung.
Wind- und Wetterverhältnisse. An der Küste von Venezuela herrscht
der Nordostpassat während des gröfsten Theiles des Jahres. Im Winter und
Frühling weht er fast beständig und hat vorwiegend nordöstliche, in den Sommer-
und Herbstmonaten vorwiegend östliche oder noch südlichere Richtung, doch
ist er besonders in- den Monaten Juli bis September schwach und unbeständig
and wird zeitweilig von leichten westlichen Winden unterbrochen. Unmittelbar
ander Küste herrschen Land- und Seewinde, doch letztere nur mit geringer
Ablenkung von der Passatrichtung. ©
Die Küste liegt-südlich von der Region der westindischen Orkane, wenn
auch nicht sehr weit von ihrer südlichsten Grenze. Unter Umständen spürt
diese Gegend daher einen: passirenden Orkan dennoch, besonders aber den da-
durch verursachten: Seegang. So bemerkte man den im: August 1891 über die
Insel Martinique hinwegziehenden Orkan in La Guaira etwa 30 Stunden später.
Der am 7. Oktober 1892 nördlich von: dieser. Küstenstrecke passirende, über
Curacao hinwegziehende Orkan würde in La Guaira sehr stark bemerkt. Der
Wind änderte damals seine Richtung zeitweise plötzlich vm. mehrere Striche,
und ‚heftige Böen traten aus allen Richtungen auf. Kin derzeit gerade inner-
halb des Westendes vom Hafendamme vor. zwei Ankern liegendes etwa 2000 t
grofses Schiff ritt den Sturm dort glücklich ab, obwohl es dermafsen. stampfte,
dafs man wiederholt den Kiel sehen konnte. Mehrere Schiffe im Hafen geriethen
zusammen, und ein. kleines Schiff strandete.. In ‚der Orkanzeit ‚sollten Dampf-
schiffe hier immer bereit sein,. schnell Dampf haben zu können, damit sie, wenn
sie ihre hinteren Vertäuungen losgeworfen haben und auf den Wind zu .liegen
kommen, nöthigenfalls nach See gehen können, wenn der Raum im Hafen beengt
wird durch Schiffe, Näheres über Wind und Wetter siehe Segelhandbuch für
den Atlantischen Ozean Seite 66ff.
ij) Brit. Adm-Krt. No. 1966, South America— North Coast, Tortuga to Cape La Vela, No. 1480,
Tobago to Tortuga, No. 1801, Trinidad to Surinam.
Ann. d,. Hydr, ete., 1902, Hoft II.