Rasche Reisen deutscher Segler,
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aus Süd. und SW herrschend, dafs „Gertrud“ in 4 Tagen sich nur bis 37° S-Br
aufarbeiten konnte. Südlich von 40° S-Br herrschte viel Sturm, hier aus SW
und West. Schliefslich wurde 50° S-Br in 64,3° W-Lg nach 30tägiger Fahrt
am 29. Juli erreicht. Der nördliche Wind, mit dem dies geschah, hielt, zuletzt
stürmisch wehend, bis 58° S-Br und 73° W-Lg an, so weit, daß mit dem nun
aus Süd und SO kommenden Winde die Fahrt nach NW und Nord fortgesetzt
werden konnte. Am 6. August wurde nach sehr schneller Rundfahrt von
3 Tagen 50° S-Br auf der Fahrt nach Norden am 6. August in 84,7° W-Lg
wieder gekreuzt. — Der Rest der Reise fand noch etwas Verzögerung. durch
widrige Nordwinde; doch so schnell es gehen wollte, erreichte „Gertrud“ am
18. August nach einer Gesammtreise von 72 Tagen den Bestimmungsort Taltal.
Unter den angetroffenen Verhältnissen ein sehr guter Erfolg. ;
3. Reisen von der Westküste Amerikas um Kap Horn zurück.
Die Reisen von Chile zurück haben im Durchschnitt eine etwas längere
Dauer als die Ausreisen, erstens weil die Schiffe meistens tiefer beladen und
nicht mehr so rein am Boden sind, ferner auch wegen der gröfseren Länge des
Weges, der auf der Ausreise näher der Küste von Europa, Afrika, Südamerikas
Ost- und Westküste hinführt, auf der Rückreise aber in weitem Bogen von den
Küsten ablenkt. Zum Vortheil der Rückreise ist freilich der etwas günstigere
Wind, besonders bei der Umsegelung von Kap Horn; derselbe wiegt jedoch
die erwähnten Nachtheile nicht vollständig auf. Die schwierigsten Stellen, die
am meisten Aufenthalt anf der Rückreise bringen, sind unter der Küste von
Chile die ersten Längengrade, auf denen oft sehr viel Stille herrscht, dann die
Breiten 30° bis 20° S an der polaren Grenze des Südostpassats im Südatlantik,
wo widrige Nordwinde die Fahrt oft sehr verzögern, und schliefslich, besonders
im Sommer, die Stillen am Nordrande des Nordostpassatgebietes.
S. 5267. Die erste in der Reihe ist die eiserne Viermastbark „Hera“,
Kapt. F. Külsen. Dieselbe verliefs Iquique, nach Hamburg bestimmt, . am
17. September 1899 und hatte in den ersten zehn Tagen sehr flauen Wind,
so daß sie am Ende ‚dieser Zeit erst in 27° S-Br und 83° W-Lg angelangt war.
Dann ging es etwas besser, doch. erhielt sie erst am 7. Oktober in 42° S-Br
und 86,5° W-Lg den frischen, zuletzt stürmischen westlichen Wind, der sie am
14. Oktober in schneller Fahrt nach der Länge von Kap Horn brachte. Fahrt-
dauer 27 Tage. — Der heftige, oft stürmische, bei Kap Horn orkanartig
wehende, aber günstige Wind hielt an und trieb „Hera“ so rasch vorwärts,
dafs sie in 12 Tagen schon bis 32° S-Br gekommen war; hier hatte sie das
große Glück, sofort einen schr frischen Passat zu erhalten, mit dem sie in
10 Tagen 1986 Sm hinter sich brachte und am 6. November nach einer sehr
vaschen Fahrt von 23 Tagen in 30,5° W-Lg die Linie erreichte. — Nicht ganz
so günstig, wenn auch immer schnell, verlief der letzte Reiseabschnitt auf nörd-
licher Breite. Es traten verschiedentlich mehrtägige Unterbrechungen durch
faue Winde und Stillen ein, so am 8,., 9. und 10. Dezember von 5° bis 8° N-Br
zwischen Südost- und Nordostpassat und ferner am 16. und 17. und vom 20.
zum 21. Dezember an der Nordgrenze des Passats. In 35° N-Br und 32,7° W-Lg
begann wieder ein raschen Laufen mit stetigem südlichen Winde; „Hera“
machte wieder Etmale von 224, 193, 244, 250, 238 und 220 Sm üund gelangte
damit am 2. Dezember auf die Höhe von Lizard, am 26. Tage von der Linie
und am 76. von Iquique.
S. 5272. Sieben Tage nach „Hera“, am 24. September 1899, ging die
derselben Rhederei gehörende stählerne Viermastbark. „Athene“, Kapt, P. Loren-
zen, von Iquique in See. Sie traf, abweichend von „Hera“ statt Aufenthalt
durch Flaue und Stille, von vornherein frische Briese, zuerst aus SO und Ost,
von 40° S-Br an vorwiegend aus Nord und West. Einen Tag, bevor sie Kap
Horn am 14, Oktober nach 20tägiger Fahrt passirte, hatte sie „Hera“ bereits
eingeholt. Oestlich vom Kap bis zur Linie hatte „Athene“ dieselbe günstige
Gelegenheit wie ihr Mitsegler, aber sie erreichte. die Linie in 26,5° W-Lg
schon einen Tag früher, am 5. November, in 22 Tagen. „Athene“ lief im
Südostpassat von 29° S-Br bis zur Linie Etmale von 222, 224, 180, 216, 212,
230, 206 und 212 Sm ab. .— In. nördlicher Breite blieb „Athene“ wieder gegen
Ann. d. Hydr. eto., 1902. Beiheft I,