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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Rasche Reisen deutscher Segler 
S. 5509. Einen Tag später als „Hebe“, also am 10. August 1900, passirte 
das eiserne Segelvollschiff „Christel“, Kapt. E. Wurthmann, die Länge von 
Lizard. Es traf die Verhältnisse auf dem Wege ganz ähnlich wie sein Vor- 
gegler, nur nicht ganz so günstig, so dafs es zu der Strecke nach der Linie 28 
und von dort nach 50° S-Br 22 Tage gebrauchte gegen 23 und 20 bei „Hebe“. 
„Christel“ hatte also bis dahin gegen „Hebe“ 7 Tage verloren. Sie brachte 
dies aber auf dem weiteren Wege fast vollständig wieder ein, indem sie die 
Umsegelung von Kap Horn in der sehr kurzen Zeit von 8 und den Rest der 
Fahrt von 50° S-Br nach Taltal ebenfalls in nur 8 Tagen vollendete. Die 
schnelle Reise von 66 Tagen ab Lizard wurde deshalb nur um einen Tag 
länger als die der „Hebe“, „Christel“ schnitt 0° Br in 28,8° W-Lg am 7. Sep- 
tember, 50° S-Br in 62,5° W-Lg am 29. September, 50° S-Br in 79,7° W-Lg am 
7. Oktober. Das Schiff nahm ebenfalls bei Kap Horn die Route durch die Le 
Maire-Strafse, welche es am 1, Oktober mit steifem Ostnordostwinde rasch durch- 
segelte. Der nordöstliche Wind, der der Südostseite eines Niederdruckgebietes 
angehörte, hielt an bis jenseits Kap Horn, dann folgten Winde aus SW bis NW. 
Jenseits 50° S-Br gab es fast nur Wind aus SW und SO, bei welchem „Christel“ 
auf eine Fahrgeschwindigkeit von 12'/2 Knoten kam. 'Taltal wurde am 15. Ok- 
tober erreicht. 
S. 5683. Die nächste Reise, welche die Viermastbark „Hebe“ am 
1. April 1901 vom Bristol-Kanal nach Valparaiso antrat, war ebenfalls eine 
rasche, Auf der ersten Strecke fand man freilich viel schlechtes Wetter und 
Gegenwind, doch mit dem Nordostpassat, der schon in 37° N-Br begann, bis 
1,5° N-Br anhielt und meistens frisch wehte, ging es rascher voran. Die 34° 
Breite von 37° bis 3° N wurden in 12 Tagen zurückgelegt. Als die Linie am 
26. April in 27,7° W-Lg gekreuzt wurde, war „Hebe“ 25 Tage unterwegs. — 
Südlich der Linie war die Gelegenheit bis 30° S-Br noch ganz zufriedenstellend; 
dann aber begann ein sehr schwerer, über 4 Tage anhaltender Weststurm, in- 
dem der Viermaster viele Segel verlor und sonstigen Schaden erlitt. In diesem 
Sturme war es, dafs die Leute der „Hebe“ unter Anwendung der gröfsten 
Vorsicht und mit eigener Lebensgefahr in dem stürmischen Wetter die aus 
45 Mann bestehende Mannschaft des sinkenden grofsen französischen Fünfmasters 
„La France“ in dreimaliger Fahrt ihres Bootes retteten. Es ist dies eine 
Aeufserung der Hülfsbereitschaft und der Thatkraft, die in der Geschichte des 
deutschen Seemannes immer urnvergessen bleiben wird. Von 39° S-Br an ging 
die Fahrt mit nördlichem und westlichem Winde wieder rascher; am 23. Mal, 
27 Tage von der Linie, wurde 50° S-Br in 645° W-Lg überschritten. — Wie 
auf der vorigen Reise nahm auch dieses Mal Kapt. Korff bei der Umsegelung 
von Kap Horn wieder den Weg durch die Strafse Le Maire. In der Folge 
verlief die Umfahrt sehr glücklich. Auf der Höhe des Kaps erhielt „Hebe“ 
frischen bis steifen östlichen Wind, womit schon am 31. Mai, nach nur 8 Tagen 
Fahrt von 50° bis 50° S-Br, letzterer Parallel in 81,9° W-Lg gekreuzt wurde. 
Fast immer günstige Winde brachten die Viermastbark am 8. Juni vor Valpa- 
raiso. Reisedauer 68 Tage. 
S. 5703. Die letzte in dieser Reihe ist eine Reise des mehrfach er- 
wähnten Vollschiffes „Gertrud“, Kapt. Th. Henke. Sie verlief vornehmlich 
auf der ersten Wegestrecke und bei Kap Horn sehr rasch. Nachdem die Reise 
von Lizard am 7. Juni 1901 angetreten war, hatte das Schiff bis 10° N-Br stets 
günstigen Wind, erst aus NNO und West und von 28° N-Br als Passat, so dafs 
auf der Route Ost von den Kapverden, die man wegen der östlichen Stellung 
beim Passateintritt einschlug, 10° N-Br schon am 14. Tage erreicht wurde. Hier 
stellte sich bald der Südwestmonsun ein. Durch den Umweg über 5° N-Br und 
18° W-Lg, den er nöthig machte, kosteten die letzten 10° Breite weitere 9 Tage, 
doch war die Fahrt vorher so schnell gegangen, dafs der ganze Abschnitt von 
Lizard nach der Linie in der kurzen Zeit von 22 Tagen zurückgelegt wurde. 
— Auf südlicher Breite, die am 29. Juni auf 27° W-Lg betreten wurde, gab der 
frische Südostpassat und der folgende Nordostwind bis 24° S-Br wieder eine 
sehr rasche Fahrt; doch dann folgten Süd- und Südwestwinde von vorne, so 
dafs in drei Tagen nur 2° Breite gutgemacht werden konnten. Darauf folgte 
von Neuem günstiger Wind, aber nicht von langer Dauer; als am 15. Juli 
36° S-Br erreicht worden war, wurde ein so widriger, mitunter stürmischer Wind
	        
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