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Rasche Reisen deutscher Segler.
einer westlichen Dünung, so würde man nicht glauben, dafs hier jemals west-
liche Winde geweht hatten. Von Staten Land her segelten wir fortwährend
mit vierkant gebrafsten Raaen, ohne auch nur eine Brasse zu rühren.“ — Ob-
schon nicht ganz so rasch wie „ Weiwera“ und „Pirat“ gelangte auch „Seestern“
in günstiger Fahrt nach der Linie. Die Bark erhielt den Passat etwas weniger
kräftig und erst in 16° S-Br, kreuzte den Aequator in 100,5° W-Lg aber doch
schon am 8. September. Die Fahrt von 22 Tagen war nur wenig länger als
die der beiden anderen Barken. — Kap San Lucas erreichte die Bark, nachdem
sie von 11° N-Br an vom Nordostpassat geführt worden war und in 21,5° N-Br
und 111,3° W-Lg nordwestlichen Wind erhalten hatte, am 23. September mit
einer Reisedauer von 15 Tagen von der Linie und 103 Tagen von Lizard.
Dann bedurfte „Seestern“ noch 7 Tage, um nach Guaymas zu kommen. Kapt.
Hauth hielt sich bei der Aufsegelung im Golf von Californien nahe an der
californischen Küste, der besseren Landmarken wegen. Im Golf herrschten
Aaue südliche Winde. Der Strom setzte immer leicht nach NW. Am deutlichsten
konnte man dies beobachten bei den Inseln Ceralbo und Santa Catalina, wo das
Schiff in Stille trieb und man genaue Peilungen über die Inseln hinweg von
Punkten der Halbinsel Californien hatte. Die Gesammtdauer der Reise nach
Guaymas war 110 Tage,
S. 5284. Das eiserne Vollschiff „Gertrud“, Kapt. Th. Henke, das hier
auch für die Reisen nach der Westküste Südamerikas mit aufzuführen ist, ver-
liefs am 13. Juni 1899 Narva, um eine Reise nach Taltal anzutreten, und befand
sich nach einer raschen Fahrt von 9'/2 Tagen — 5'/a Tage wurden auf der
Rhede von Helsingör zugebracht — am 27. Juni auf der Höhe von Lizard.
West-, Nordwestwind und Passat von 35,7° N-Br brachten das Schiff auf der
Route östlich der Kapverden schnell nach Süden, so dafs es sich nach 12 Tagen
bereits auf 18° N-Br befand. Hier wurde der Wind flauer; von 11° bis 8° N-Br
herrschte Mallung, dann Südwestmonsun bis 5,5° N-Br und darauf Südostpassat,
der „Gertrud“ am 22. Juli in 245° W-Lg über die Linie brachte. Reisedauer
25 Tage. — Der zuerst frische, dann flauere Passat hörte schon in 15° S-Br
auf; dann folgten umlaufende Winde aus NNO, NW und auf der Höhe des La
Plata ein mit heftigem Pampero einsetzender Südwestwind. Schon auf 21° S-Br
hatte man die ersten Kaptauben und kleine Albatrosse beim Schiff. Mit süd-
östlichem und nordöstlichem Winde von 36° bis 44° S-Br, weiter südlich mit
westlichem Winde gelangte „Gertrud“ am 18. August, 27 Tage von der Linie,
in 64,5° W-Lg nach 50° S-Br. Bei der Umsegelung des Kaps Horn nahm Kapt.
Henke die Route durch die Strafse Le Maire. „Am 20. August morgens bei
Tagwerden erblickten wir die schneebedeckten Berge von Feuerland. Bei der
Ansteuerung näher kommend, sahen wir 25 Sm West von St. Vincent eine
grofse Viermastbark am Lande, deren Unterschiff nicht zu sehen und welches
dort wohl festgerannt war. Um 9* 20" a passirten Kap San Diego. Der Strom
war mit, stark, der Wind war sehr unbeständig in Stärke und Richtung, er
wechselte zwischen ONO, Nord und NW und an Stärke zwischen 5 und 10.
Um 1°p schien der Strom zu kentern, denn es entstand von 1® bis 2'/a* starke
Stromraselung, oft Alles Gischt und Schaum, während vorher eine regelrechte
See dagewesen war. Nach dem Passiren der Strafse hatten wir den Wind oft
ganz flau, dann plötzlich mit der Stärke 10 hereinbrechend. Gegen Abend wurde
der Wind beständiger.“ Westlich vom Kap, das am nächsten Tage passirt
wurde, hatte das Schiff noch einige widrige harte Südweststürme zu bestehen,
dann brachte ein stürmischer Südost es mit fliegender Fahrt nach 50° S-Br.
Es war am 28. August; die Rundfahrt hatte nur 10 Tage gedauert. — Das
rasche Rennen mit starkem $SO, bei dem das Schiff von 53,5° S-Br in 7 Tagen
16 Stunden 1800 Sm hinter sich brachte, endete bei Ballena- Spitze. Es war
hier schon dem Reiseziel sehr nahe, aber durch die Stille und die flauen Nord-
winde, welche eintraten, verlängerte sich die Reisedauer noch um 2 Tage. Am
6. September, nach {1 Tagen Reise von Lizard, ankerte „Gertrud“ in Taltal.
S. 5288, Einen ganz ähnlichen Verlauf wie die Reise der „Gertrud“
nahm die zwei Tage früher ab Lizard — am 25. Juni 1899 — angetretene der
stählernen Viermastbark „Persimmon“, Kapt. H. A. Dehnhardt. Die Bark
nahm die Route ebenfalls östlich von den Kapverden und kreuzte die Linie
am 18. Juli, 23 Tage von Lizard, 4 Tage früher und in 2 Tagen weniger Zeit