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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Rasche Reisen deutscher Segler 
35° N-Br einsetzenden Nordostpassat West von den Kapverden schnell nach 
Süden und erreichte, nachdem der Nordost- in 6,7° N-Br aufgehört und der Süd- 
ostpassat schon in 3° N-Br begonnen hatte, auch in nur 19 Tagen am 25. No- 
vember in 28° W-Lg die Linie. — Im Südatlantischen Ozean hatte „Placilla“, 
abgesehen von zeitweilig sehr leichten oder südwestlichen Winden, ebenfalls 
eine recht gute Gelegenheit, so daß sie schon am 21. Tage von der Linie, 
also in sehr kurzer Zeit, nach 50° S-Br kam. Die Reise war bis dort drei Tage 
kürzer als die der „Preufsen“. — Die Umsegelung des Kaps vollendete 
„Placilla“ bei westlichen Winden und gutem Wetter in 13 Tagen und erreichte 
dann nach weiteren 6 Tagen am 4. Januar 1899 die Bai von Valparaiso. Die 
aufserordentlich rasche Reise hatte eine Dauer von 59 Tagen, nur einen Tag 
{änger als die beste im Bericht, die dasselbe Schiff unter Kapt. Hilgendorffs 
Führung im Jahre 1892 machte. 
S. 5153. KEine sehr gute Reise war auch die nächste des Schiffes 
„Preußen“, die am 15. Dezember 1898 angetreten wurde. Am Abend dieses 
Tages wurde die Insel Quessant passirt. Der Anfang der Reise war nur zeit- 
weilig gut beim Auftreten steifer Ostwinde, die das Schiff am 20, auf 13 Knoten 
Fahrt brachten; mit den dazwischen kommenden südlichen Winden und Stillen 
war nicht viel zu gewinnen. KEntschieden besser wurde es jedoch, als am 
26. Dezember, am zweiten Weihnachtstage, in 36° N-Br der Nordostpassat ein- 
setzte, der, frisch bis steif wehend, nun das Schiff auf der Route westlich von 
den Kapverden nach Süden brachte. Die in den 9 Tagen vom 26. Dezember 
bis zum 4. Januar hinteraus gebrachten Etmale waren 272, 264, 278, 217, 118, 
203, 236, 186 und 143. In 23° N-Br und 24° W-Lg hatte „Preufsen“ den ganzen 
Tag über starken Niederschlag von Wüstenstaub. Kapt. Petersen schreibt: 
„Nachts merkwürdig dicke Luft, steifer, puffender Passat aus ONO. Bei Tag- 
werden das ganze Schiff mit einer dicken braunen Kruste feinen Wüstenstaubes 
überzogen. Nach 8" a die Luft, graubraun gefärbt, so dick, dafs man kaum 
a Sm weit sehen kann. Unangenehmes Segeln. Gegen 3" p Staubfall ab- 
nehmend, aber Alles ist braun, Segel, Masten, Raaen und alle Deckgegenstände., 
selbst die wachehabenden Steuerleute. Abends hört der Staubfall auf; achter- 
aus noch eine dicke braune Bank, wahrscheinlich die Staubwolke.“ Der Nord- 
ostpassat stand bis zum 4. Januar in 48° N-Br durch; am nächsten Tage setzte 
in 3,5° N-Br der Südost ein, der das Schiff am 6. Januar 1899 nach einer 
raschen Fahrt von 22 Tagen in 29° West über die Linie brachte. — Auch auf 
Südbreite machte „Preufsen“ eine gute Reise, indem 50° S-Br in 26 Tagen 
erreicht wurde. Der Nordostwind, der dem frischen Passat folgte, hielt mit 
Unterbrechungen durch westlichen Wind bis etwa 30° S-Br an; dann kamen 
zunächst umlaufende, oft flaue Winde, bei denen nicht viel Fortgang gemacht 
werden konnte. Das Wetter war bei verhältnifsmäfsig niedrigem Barometer- 
stande sehr unruhig mit häufigem Regen und Gewitter. Viele Schmetterlinge 
und Libellen flogen an Bord, und zeitweilig war das Schiff ganz schwarz von 
den unzähligen Muskiten, so dafs der Mannschaft Hände und Gesicht anschwollen 
von dem ewigen Stechen. „Preufsen“ befand sich zur Zeit ungefähr 150 Sm 
von der patagonischen Küste. In 47° S-Br hatte das Schiff am 29. und 
30. Januar einen starken Sturm aus Süd zu bestehen, dem nördlicher Wind vor- 
herging; es befand sich damals in Sicht der Küste von Patagonien. "Trotz 
allem Gegenschlag gelangte „Preufsen“ am 1. Februar in 64,3° W-Lg nach dem 
Parallel von 50° S. Die Fahrtdauer von 26 Tagen von der Linie blieb immer 
noch 5 Tage unter der normalen. — Die Umsegelung von Kap Horn ging zu- 
nächst mit mäfsigem Winde ganz gut von statten, und wurde schon nach 
4 Tagen der Meridian des Kaps überschritten. Dann wurde das Wetter um- 
ruhiger. Ueber einen schweren Sturm aus ONO, SO und SW, begleitet von 
einem tiefen Barometerstande von 708,5 mm, den Kapt. Petersen meisterlich 
behandelte, schreibt derselbe: „Februar 9 auf etwa 585° S-Br und 78° W-Lg. 
Der Wind aus West flaut nachmittags ab zur Windstille. Schönes Wetter; doch 
kommt in NW gelber Dunst auf. Man sollte glauben, es nahe eine neue De- 
pression. Um 5°p kommt leichter Zug von Ost auf und holt nördlich, gegen 
8b p aber wieder zurück auf ONO. Drohende Luft in NNW, eine hohe See 
kommt aus dieser Richtung auf. Das Barometer fällt beunruhigend schnell, 
von 8? p bis 10*p allein 7,5mm. In der Hoffnung, an dem Minimum vorüber
	        
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