Rasche Reisen deutscher Segler,
bis 41,9° N-Br und 53,5° W-Lg gekommen war. Der eintretende Nordwestwind
war nicht von langer Dauer, Es folgten zuerst wieder steife Winde aus NO,
mit denen das. Schiff, das von 60° W-Lg an sich wieder auf kaltem Wasser
hielt, nachdem es vorher mit dem Nordwestwinde in das warme Golfstromwasser
gerathen war, rasch vorwärts kam. Vorwiegend südwestliche Winde brachten
„Heinrich“ am 8. April auf die Rhede von Staten Island. Sturmwinde kamen
dreimal vor, davon aber zweimal aus günstiger Richtung, so dafs „Heinrich“
damit eine gute Gelegenheit hatte. Der Weststurm war nur von kurzer Dauer.
Kapt. Oltmanns liefs das Schiff nach Norden legen, und kam es dann auch
bald wieder nach der Nordost- und Nordnordwestwindseite des Niederdruck-
yebietes. Die Reise des „Heinrich“ verlief ebenso rasch — in 23 Tagen —
als die von „Henriette“. Zieht man die etwas kürzere Distanz von Queenstown
als von Lizard in Berechnung, so mufs man die Reise der „Henriette“ als etwas
schneller bezeichnen; doch kommt zur Schätzung der Leistung auch in Betracht,
dafs die doppelt so grofse stählerne Viermastbark, die bis auf 13,5 Knoten
Fahrt kam, wohl ein besserer Segler war als das hölzerne Vollschiff.
2... Reisen auswärts nach Ost-Südamerika und rund Kap Horn.
S. 5056. Stählernes Vollschiff „Occident“, Kapt. P. Petersen. Das
Schiff traf auf der Reise nach Rio de Janeiro, nachdem es am 19. Februar 1898
Lizard passirt hatte, anfänglich eine unbefriedigende Gelegenheit; von 47° N-Br
an ging es mit nordwestlichem und später südöstlichem Winde etwas rascher,
doch gab erst der in 25° N-Br einsetzende frische Passat eine befriedigende
Fahrt. Der Nordostpassat endete in 2,5° N-Br. Nun ging es mit Windstille
und Mallung wieder sehr langsam, so dafs erst drei Tage später, am 16. März,
die Linie in 28° W-Lg gekreuzt werden konnte. Die Fahrt hatte bis dort eine
Dauer von 25 Tagen. — Trotzdem die Linie in einer für die Jahreszeit
yenügend östlichen Länge geschnitten worden war, traf das Schiff den Südost-
passat aus einer so schralen Richtung, dafs es die Küste von Brasilien nur mit
Mühe freisegeln konnte. In 8° S-Br holte. der Wind raumer und brachte
„Oceident“ nach einer guten Reise von 36 Tagen nach Rio de Janeiro.
S. 4987. Eine sehr rasche Reise nach Valparaiso machte im Jahre 1898
das Stahlvollschiff „Preufsen“, Kapt. B. Petersen, über deren ungewöhnlich
rasche Fahrt nach der Linie bereits im vorhergehenden Abschnitte berichtet
worden ist. Nachdem das Schiff am 5. März Lizard und schon nach nur 17 Tagen
am 22, März in 264° W-Lg die Linie passirt hatte, setzte es nach zwei Tagen
mit Stille und Mallung mit dem ‚frischen Südostpassat die Reise fort, wobei es
für mehrere Tage eine Geschwindigkeit von 9 bis 11 Knoten einhielt. Auch die
folgende, jenseits 22,5° S-Br beginnende Strecke mit umlaufenden, zuletzt vor-
wiegend südwestlichen Winden wurde unter kluger. und zäher Benutzung der
Windänderungen in verhältnifsmäfsig kurzer Zeit zurückgelegt und 50° S-Br in
64° W-Lg am 17. April nach 26 Tagen von der Linie erreicht. — Die Rund-
fahrt um Kap Horn wurde durch heftige westliche und südwestliche Winde
zuerst sehr behindert, indem das Schiff weit nach SO vertrieben wurde und
erst nach acht Tagen die Länge von Kap Horn erreichen konnte. Am 21. April
hatte „Preußen“ einen plötzlich hereinbrechenden Orkan aus West zu be-
stehen, wodurch das Schiff mit der Leereling unter Wasser gedrückt wurde
und die noch stehenden Segel, aufser dem Kreuzuntermarssegel, aus den Lieken
fogen. Jenseits Kap Horn, wo die südwestlichen, zeitweilig auch östlichen
Winde besser zu Nutze kamen, ging es etwas rascher und konnte infolgedessen die
Breite von 50° S im Pacifik am 1. Mai erreicht werden. Die Umsegelung des
Kaps in 14 Tagen war demnach gegen das vieljährige Mittel noch um 3,8 Tage
im Vortheil. — Der Rest des Weges wurde mit frischen südwestlichen, später
südöstlichen Winden rasch und glatt in 6 Tagen zurückgelegt, am 7. Mai das
Feuer von Cuarumilla in Sicht gesegelt und damit die Seereise ab Lizard in
der kurzen Zeit von 63 Tagen vollendet.
S. 5143. Eine noch etwas raschere Reise nach demselben Ziele machte
etwa ein halbes Jahr später die gleichfalls der Firma F. Laisz angehörende
stählerne, 2681 Registertonnen grofse Viermastbark „Placilla“, Kapt. 0. Schmidt.
Dieselbe kam am 6. November 1898 aus dem Kanal, gelangte mit dem in