Rasche Reisen deutscher Segler.
und weiter im Osten noch drei Berge gesichtet. In der Nähe des Eises fiel
die Wassertemperatur, die vorher 8,2° gewesen war, auf 42°. Nachdem das
Schiff noch eine Reihe guter Etmale, zuletzt eines von 305 Sm, abgelaufen
hatte, passirte es am 28. März, dem 25. Tage der Reise, Lizard. Wegen der
Eisberichte, die ein sofortiges Weiterfahren nach dem Bestimmungsorte Narva
nicht räthlich erscheinen liefsen, ankerte das Schiff am 2. April bei Helsingör.
Den Englischen Kanal hatte es in weniger als 24 Stunden durchsegelt.
S. 5271. Eine gute Reise von Ost nach West machte im September 1899
das hölzerne Vollschiff „August“, Kapt. H. Jaburg. Es hatte auf der ersten
gröfseren Hälfte seines Weges von Lizard nach New York viel günstigen öst-
lichen Wind, der ihm zeitweilig eine Fahrt von 11'/a Knoten gab. Der Kapitän lief
dabei einen Kurs etwas südlich von dem direkten Wege steuern, so dals am
21. September 40° W-Lg in 40° N-Br angesegelt wurde. Dies war insofern von
Vortheil, als später viel südwestlicher. Wind herrschte. Das Schiff konnte
deshalb, ohne kreuzen zu müssen, schon am 5. Oktober, dem 25. Tage seiner
Reise ab Lizard, den Hafen von New York erreichen.
S. 5563. Eine noch etwas raschere Fahrt nach Nordamerika vollbrachte
das vorher erwähnte und in den späteren Berichten noch mehrmals vorkommende
Vollschiff „Gertrud“. Dasselbe passirte am 14. März 1900 Lizard, um zur Be-
ladung mit Petroleum für Japan eine Reise nach Philadelphia zu machen. Es
traf die Gelegenheit insofern günstig, als der Wind vorherrschend nordwestlich,
nordöstlich und südöstlich war, womit zunächst ein südwestlicher Kurs und
dann in 43° N-Br recht nach Westen gesteuert wurde. Nach 13 Tagen war
bereits 50° W-Lg überschritten. Hier begann eine Reihe von drei schweren
Stürmen aus SO durch SW nach NW zu wüthen, wobei Kapt. Henke mit
aller Kunst und Energie nicht weiter kommen und „Gertrud“ in sechs Tagen
nur 6° Länge gutmachen konnte. Dann ging es wieder besser mit frischem
Süd- und Südostwinde, Die gewählte Route führte längs des kalten Wassers
an der Küstenseite des Golfstromes. Nachdem das Schiff in den letzten zwei
Tagen 506 Sm hinter sich gebracht hatte und dabei für 16 Stunden auf 12 Knoten
Fahrt gekommen war, gelangte es am 7. April um 8a zum Fünffadenbank-
Feuerschiffe. Es hatte also die gewöhnlich so langwierige Fahrt von Ost nach
West in der sehr kurzen Zeit von 23 Tagen und 20 Stunden abgemacht,
SS. 5424, Auf einer Reise nach New Orleans verliefßs am 23. März 1900
das hölzerne Vollschiff „Kaiser“, Kapt. W. Baxmann, den Kanal. Der günstige
frische Ostwind brachte es am 29. nach 40° N-Br und 175° W-Lg. Hier trat
für einen Tag bei sehr hohem Luftdruck Stille ein; der folgende mäfsige Wind
aus SW und NW führte das Schiff jedoch in erwünschter Weise südwärts, so
dafs es in 33,8° N-Br und 18,6° W-Lg am 2. April in den Passat gelangte.
Indem „Kaiser“ bis 16° N-Br und 44° W-Lg mehr südwestlich, dann aber
zwischen 16° und 13° N-Br nach Westen segelte, brachte ihn jener beständige,
oft frische Ostwind’ rasch vorwärts, so dafs sehon am 16. Aprıl Barbados in
Sicht kam. Mit anhaltend gutem Winde ging das Schiff dann zwischen den
Inseln St. Vincent und Sta. Lucia hindurch, passirte südlich von Jamaica, um-
segelte Kap San Antonio in der Nacht vom 24. zum 25. und gelangte nach
einer raschen Reise von 36 Tagen am 28. April in die Mündung des Mississippi.
S. 5409. An demselben Tage, dem 23. März 1900, passirte der hölzerne
Dreimastschoner „Dofia Luisa“, Kapt. W. Alm, Lizard. Er fand dieselbe
günstige Gelegenheit wie „Kaiser“, verfolgte aber, nach Ciudad Bolivar am
Orinoko bestimmt, zuletzt einen südlicheren Kurs, auf dem er 20° N-Br in
36,5° W-Lg und 10° N-Br in 53,7° W-Lg schnitt. Am 17. April beendigte der
Schoner bei Burima - Feuerschiff in der Boca Grande des Orinoko seine sehr
rasche Reise von 25 Tagen 6 Stunden ab Lizard.
S. 5358 und 5357. Den berichteten raschen Fahrten von Lizard nach
der Linie stehen zwei aufsergewöhnlich rasche Fahrten in entgegengesetzter
Richtung gegenüber. Die Fahrtdauer ist zwar einige Tage länger, doch ist zu
bedenken, dafs der zurückzulegende Weg auch so viel länger ist und dafs die
Schiffe, besonders die eisernen, auf der Rückreise eine nicht mehr so grofse
Fahrtüchtigkeit haben wie auf der Ausreise. Die erste ist die Fahrt der eisernen
Bark „Thalia“, Kapt. W. v. Kaufmann. Dieselbe kreuzte auf der Reise von
Jaqauique nach Rotterdam am 25, März 1900, dem 57. Tage ihrer Reise, um 8a