Rasche Reisen deutscher Segler.
westlich war. Viele Schiffe, die schon mehr als einen Monat vor uns gesegelt,
sind noch unterwegs.“ Die Reise der „A. G. Ropes“ von 17 Tagen vom
St. Georg’s - Kanal nach Philadelphia würde die beste sein, die je gemacht
worden ist.
S. 4987. Das stählerne Vollschiff „Preufsen“, Kapt. B. Petersen, hatte
den Vorzug, im März 1898 die Reihe der aufserordentlich schnellen Reisen vom
Kanal nach der Linie zu vermehren. Das Schiff hatte insofern Glück, dafs auf
die nördlichen und nordwestlichen Winde, mit welchen die Reise ab Lizard am
5. März 1898 angetreten wurde, schon in 41,5° N-Br der Passat aus Nord bis
NO folgte, der später etwas leichter war, aber ununterbrochen bis 4° N-Br
anhielt. Mit mallenden Winden, die jedoch meist aus günstiger Richtung
waren, wurde nach drei Tagen, am 22, März, der Aequator in 264° W-Lg
gekreuzt. Die Fahrt war in der kurzen Zeit von 17 Tagen gemacht worden.
„Preufsen“ nahm die Route westlich von den Kapverden und schnitt 20° N-Br
in 24,8° W-Lg und 10° N-Br in 27° W-Lg. Die Strecke, die das Schiff von
Lizard nach 4° N-Br in 13'/2 Tagen zurücklegte, war etwa 3000 Sm; für den
auf 40 Breitengrade ausgedehnten Passat und das Schiff eine gute Leistung.
5.5143. In demselben Jahre machte die stählerne Viermastbark „Placilla“,
Kapt. O0. Schmidt, welche am 6. November 1898 Lizard und am 25. die Linie
passirte, die Fahrt in 19 Tagen. Der später gegebene eingehende Reisebericht
enthält Näheres.
8.5197. Eine gute Reise, ganz mit günstigem Winde ausgeführt, war
die der eisernen Bark „Bellas“, Kapt. B. Röttgers, die in 32 Tagen von
Lissabon nach New Orleans segelte. Die Bark ging am 6. August 1898 in
See und gelangte mit dem angetroffenen nördlichen Winde alsbald in den
Nordostpassat, steuerte dann aber nicht gleich westwärts, sondern, um sich
einer beständigeren Briese zu versichern, zunächst südwestlicher. Am 9. August
wurde Madeira gesichtet; darauf wurde 30° N-Br in 23,4° W-Lg, 20° N-Br in
475° W-Lg und dann der seit der Zeit der spanischen Entdecker hergebrachte
Weg zwischen Antigua und Guadeloupe hindurch genommen. Am 4. September
umsegelte „Bellas“ das Kap San Antonio und kam mit dem im Golf von Mexico
züdöstlicher holenden Winde am 7, September im South Pass des Mississippi zu
Anker. Ihre schnelle Reise von 32 Tagen wäre vielleicht noch etwas kürzer
geworden, wenn Kapt. Röttgers, der Hochsommerzeit Rechnung tragend, den
Weg etwas abgekürzt hätte, in 20° N-Br entlang gesegelt und durch die Wind-
ward-Passage gegangen wäre. Es mag aber sein, dafs der Gedanke an die
gröfsere Orkangefahr im Norden der Antillen ihn davon abgehalten hat.
Eine Reise, die ebenfalls gut ausfiel, machte „Bellas“ im Winter 1898/99
von Lissabon nach New York. Der Nordwind, mit dem die Fahrt am 13. De-
zember 1898 angetreten wurde, veränderte sich auch dieses Mal bald nach Ost,
blieb aber in dieser Richtung nicht stehen, und mufste deshalb die Bark, als
sie am 21. Dezember 29,5° N-Br in 26° W-Lg erreicht hatte, mit westlichem
Winde südwärts gehen. Glücklicherweise kam denn auch, dem Erwarten des
Kapitäns entsprechend, am Weihnachtstage in 22° N-Br und 28° W-Lg wieder
Nordostwind durch, der sich zu einem frischen beständigen Passat entwickelte
and „Bellas“ am 5. Januar 1899 nach 31° N-Br und 67° W-Lg brachte. Mit
abwechselnden Winden aus SO, SW, NW und NO gelangte die Bark am
13. Januar nach New York. Die Reise verlief mit 31 Tagen Dauer zwar nicht
angewöhnlich schnell, hatte aber als Reise auf der Passatroute einen guten Erfolg.
5.5284. Unter den raschen Reisen von West nach Ost über den Nord-
atlantischen Ozean ist zunächst und zumeist die des eisernen Vollschiffes
„Gertrud“, Kapt. Th. Henke, zu nennen. Dasselbe verliefs New Orleans am
3. März 1899, hatte anfänglich meistens leichten, aber günstigen Wind und
damit schon am 7. den Ausgang der Florida-Strafse erreicht. In der Folge
hatte das Schiff mehrfach den Wind von der östlichen Seite, doch war derselbe
zelten so schral, dafs deshalb eine gröfsere Abweichung von dem geraden Wege
gemacht zu werden brauchte; auch war der vorherrschende westliche Wind nie
so hart stürmisch, dafs seinetwegen beigelegt werden mufste. Am 18. März
passirte „Gertrud“ um 6'/* a in 41° 40‘ N-Br und 49° 24' W-Lg in unmittelbarer
Nähe einen grofsen Eisberg von 75 bis 90 m Höhe und etwa halb so grofs
wie Helgoland. Ungefähr 7 Sm im Süden wurden noch zwei etwas kleinere