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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1902.
Hat man die Breite von Kap Roque passirt, so nähert man sich all-
mählich dem Lande und läuft es etwa 20 Sm südlich von Natal an, wo es etwas
höher ist. Hierbei ist der nordwestliche Strom zu beachten, den man in be-
trächtlicher Stärke bis etwas südlich von Parahyba findet.
In der Nähe von Pernambuco läuft man in den brasilianischen
Küstenstrom, der stündlich 1!/a Sm nach Süden setzt. Hier ist die Küste mit
Leuchtfeuern versehen, und man kann in angemessener Entfernung daran ent-
lang fahren.
Von Pernambuco nach Rio de Janeiro steuere man Zunächst rw.
202° (SSW) 630 Sm, womit man auf etwa 15 Sm an die Abrolhos-Inseln
herankommt, deren gutes Leuchtfeuer 20 Sm weit deutlich auszumachen ist.
Oestlich von den Abrolhos entlang zu °steuern ist nicht rathsam, weil die
Strömung, ganz abgesehen von den gefährlichen Korallenriffen, dort stark und
unregelmäfsig ist.)
Von einem Punkte, wo man Santa Barbara-Leuchtfeuer rw. W 18 Sm
hat, bis dahin, wo man Kap St. Thome6 rw. W 18 Sm hat, steuert man rw.
208° (SSW'/AW) 277 Sm. Ehe man dann aber den Kurs nach Kap Frio auf-
nimmt, bringe man den Leuchtthurm in die rw. Peilung 292° (WNW) weil sich
ein gefährliches Riff etwa 10 Sm nach Osten von Kap St. Thome erstreckt. Das
benachbarte Land ist niedrig und in 10 Sın Entfernung noch nicht zu sehen,
aufserdem ist es gewöhnlich so diesig, dafßs man in den meisten Fällen den
Leuchtthurm nicht ausmachen kann. Das hohe Hinterland ist aus gröfserer Ent-
fernung von See aus sichtbar, bietet aber keine anzupeilenden Marken. Wenn
der Leuchthurm von Kap St. Thome rw. 298° (NWzW'4W) peilt, steuere man
rw. 284° (SW’/4AW) 86 Sm. Mit diesem Kurse gelangt ınan auf etwa 2 Sm
Abstand an Kap Frio heran. Hier sind die Strömungen vom Winde abhängig.
Von Kap Frio nach San Sebastian hat man oft starken westlichen Strom
gefunden, während er dicht unter der Küste östlich setzte.
Von Kap Frio steuere man rw. 253° (WSW'/AW) 190 Sm, nach San
Sebastian, sehe sich aber vor, dafs man San Sebastian nicht auf dem B-B.
Bug in Sicht bekommt. Das ist in dunklen Regennächten gefährlich, weil man
das Land auch in geringem Abstande nicht sehen kann.
Das Leuchtfeuer auf dieser Insel (Boi-Huk) ist sehr gut und 20 Sm weit
sichtbar. Es zeigt alle 10°% einen Blink.
Will man nach Santos, so steuere man rw. 274° (W%/N) 26 Sm, bis man
die Alcatrasses-Inseln und Morro do Trigo in einer Linie hat. Auf diesem Kurse
wird man von den gefährlichen Riffen bei den Alcatrasses-Inseln freibleiben.
Weiter steuere man rw. 260° (W’/S) 31 Sm nach Moella-Island; das Leucht-
feuer davon ist in klaren Nächten oft 30 Sm weit gesehen worden.
Bei klarem Wetter kann man jederzeit in die Bucht von Santos hinein-
laufen, da es dort keine gefährlichen Klippen giebt, und kann auf etwa 11m
Wasser ankern.
Die Lootsenstation ist an der linken Seite der Einfahrt in den Fluß,
gegenüber den Festungswerken. Fremde thun ‚gut, das gewöhnliche Lootsen-
signal zu machen und einen Lootsen, der immer zur Hand ist, abzuwarten.
Die Flulfsmündung ist indessen gut bezeichnet; einkommende Schiffe lassen zwei
schwarze Tonnen an B-B. und eine rothe an St-B. Es ist auch mehr Wasser da,
als die Karten angeben.*)
Die Behörden in Brasilien gestatten den Schiffen nur zwischen Sonnen-
aufgang und Sonnenuntergang in die Häfen zu kommen, und jedes ankommende
Schiff muß die Signale beachten, den Namen des letzten Abgangshafens sig-
nalisiren und die Quarantäneflagge am Vortopp haben,
Nach Santos sind Dampfer mit 8,2 m Tiefgang gelangt.
In der Regenzeit, von Juni bis November, herrscht bei Neu- und Voll-
mond äufserst starker Ebbestrom.
Von Brasilien nach New York über Barbados steuert man bis Kap Roque
1) Die Seewarte empfiehlt gröfseren Schiffen, sich beim Passiren der Abrolhos 15 bis 20 Su
östlich vom Santa Barbara-Leuchtthurme zu halten und bei unsichtigem Wetter in der Nähe der
Klippen beständig zu lothen. Siehe auch „Handbuch der Ostküste Südamerikas“ S, 221.
2) Betonnung siehe „Handbuch der Ostküste Südamerikas“ S. 311 bis 313.