582 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1902,
durch punktirte Linien angedeutet ist, von der Wolke III über die Wolke 1 zu
einer neuen Wolke IV hin, die auf dem W olffschen Bilde nicht mehr zur Dar-
stellung gelangt ist, da sie auf der linken Seite der Kamera aufserhalb des
Gesichtsfeldes derselben lag.
Von der Bahn der ursprünglich zwischen den Wolken I und II stattfindenden,
so überaus zahlreichen Partialentladungen benutzt demnach diese Hauptentladung
nur den kleinen in der Fig. 2 zwischen d und c liegenden Theil; immerhin sendet
sie aber doch von dem letzteren Punkte ab noch eine recht kräftige Seiten-
entladung in diese alte Bahnlinie hinein, eine Entladung, deren Verlauf ja auch
auf dem Wolffschen Bilde mit ganz besonderer Deutlichkeit hervortritt, und
an der man denn auch durch Vergleich mit ihrem in Fig. 2 skizzirten ursprünglichen
Aussehen besonders gut die inzwischen stattgefundenen starken Deformationen
dieser Linie in der Nähe der Wolke I feststellen kann.
Dafs ferner die Hauptentladung sowohl wie auch der starke Seitenast
derselben an verschiedenen Stellen ihrer Bahn deutlich einen helleren Kern in
einer schwächer leuchtenden Umgebung zeigen, ist nichts Besonderes; denn
diese Erscheinung findet sich sogar schon bei jedem stärkeren Laboratoriums-
funken wieder, in welchem Falle man bekanntlich von einer den Funken selbst
umgebenden „Aureole“ spricht.
Weiter fallen dann in der unmittelbaren Umgebung des wagerechten
Theiles der Hauptentladung die beiderseits parallel mit derselben verlaufenden
hellen Streifen auf. Von diesen dürfte nun zunächst der untere, der erheblich
unschärfer ist als der obere, lediglich durch Reflexion des Lichtes des Haupt-
blitzes an der hinteren Glasseite der photographischen Platte ent-
standen sein, so dafs wir es also hier nur mit einem der bekannten „Lichthöfe“
zu thun haben, die sich auf den photographischen Bildern stets in der Umgebung
sehr heller Objekte einstellen, wenn man eben nicht eine „lichthoffreie“ Platte
anwendet. Thatsächlich hat denn auch Herr Wolff nur eine Platte gewöhn-
licher Art benutzt.
Der zweite der in Rede stehenden beiden Streifen, der oberhalb der
Hauptentladung verläuft, ist dagegen zweifellos als eine selbständige Entladung
aufzufassen, da sich nämlich derselbe auch neben dem vertikalen Theile des
Hauptschlages bis an den obersten Rand des Bildes hin als scharfe Linie ver-
folgen läfst, die sogar sehr merkliche Abweichungen von der Spur der Haupt-
entladung zeigt, wie sie ja auch stellenweise von ihr überdeckt wird. Dabei
hat ferner diese Entladung auch nicht — wie der Hauptschlag selbst —- einen
Seitenzweig in die zwischen den Wolken I und II bereits bestehende Bahnlinie
gesandt, und die richtigste Annahme über diese Partialentladung ist daher wohl
die, dafs wir es dabei mit einer, dem Hauptblitze unmittelbar voraufgehenden
und denselben gewissermafsen vorbereitenden, direkten Entladung zwischen den
beiden Wolken Ill und IV zu thun haben, und zwar direkt insofern, als
dabei der Weg nicht, wie bei der Hauptentladung selbst, über die Wolke I
ging, wenn auch sonst die beiden in Frage kommenden Wege eine fast voll-
ständige Uebereinstimmung zeigen.
Schliefslich ist dann noch zu erwähnen, dafs sich der horizontale sowie
auch das untere Ende des vertikalen Theiles der Hauptentladung uoch einmal
ganz schwach in dem oberen Theile des Bildes wiederholen, wobei jetzt die
Umbiegung vom wagerechten zum senkrechten Theile zufällig zwischen die in
anserer Fig. 2 mit b, ec und d bezeichneten Punkte des Hauptbildes fällt. Ich
schliefse daraus, dafs es sich hier um eine schwache „Nachentladung“ handelt,
welche dem Hauptschlage erst nach einer verhältnilsmäfsig langen Zeit gefolgt
ist, und dafs inzwischen die photographische Kamera — soweit die horizontalen
Schwankungen derselben in Betracht kommen — wieder nahezu auf ihre ur-
sprüngliche Einstellungsrichtung zurückgekehrt ist, während allerdings eine sehr
starke vertikale Verrückung derselben auch in diesem Augenblicke noch
bestanden haben mufs, da ja auch hier noch die ganze Bahn des Blitzes um
ein beträchtliches Stück nach oben hin verschoben ist.