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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

580 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1902, 
in dem Momente, wo der Blitzschlag stattfand, eine ziemlich starke Hin- und 
Herbewegung ausgeführt haben mufs, da sonst natürlich alle diese Entladungen 
auf der Platte nahezu in eine einzige Linie hätten zusammenfallen müssen. 
Als ich die Aufnahme zuerst sah, nahm ich es daher als selbstverständlich 
ar, dafs Herr Wolff seinen Apparat bei der Aufnahme absichtlich hin und 
her geschaukelt habe, wie dies ja bekanntlich auch von wissenschaftlicher Seite 
für Blitzaufnahmen vielfach empfohlen wurde, um eben die in derselben Luft- 
linie stattfindenden, zeitlich aufeinander folgenden Partialentladungen auf der 
Platte getrennt nebeneinander abgebildet zu erhalten. Auf meine diesbezügliche 
Anfrage erhielt ich indessen die Auskunft, dafs diese meine Annahme nicht 
zuträfe; denn der Apparat sei in gewöhnlicher Weise auf einem soliden Holz- 
stativ befestigt gewesen. So bleibt denn nur eine der beiden Annahmen übrig, 
dafs entweder 1. während der Zeit, wo die mehr als 20 Partialentladungen 
dieses Blitzes erfolgten — eine Zeit, die etwa eine halbe Sekunde gedauert 
haben mag — die ganze Blitzbahn in der Luft vom Winde oder auch durch 
elektrische Einflüsse parallel mit sich selbst hin und her geschoben wurde, 
in einer Weise wie wir dies später noch genauer besprechen werden, oder aber 2., 
was mir viel wahrscheinlicher dünkt, dafs die Kamera des Herrn Wolff 
gegen den Willen ihres Besitzers die betreffende Schwankung aus- 
geführt hat, die für das Zustandekommen dieses Bildes nothwendig war. Als 
Ursache einer solchen Erschütterung kann man dann entweder einen unabsicht- 
lichen Stofs, oder auch den Druck des Windes oder endlich auch vielleicht 
einen vorüberfahrenden Wagen heranziehen, wie ja auch ferner noch in allen 
diesen Fällen die Möglichkeit vorliegt, dafs die Kamera nicht ganz fest auf das 
Stativ aufgeschraubt war. 
Der nun folgenden näheren Darlegung des Verlaufs des Blitzes, so wie 
er sich nach meiner Auffassung abgespielt hat, werde ich die zweite der soeben 
mitgetheilten Annahmen zu Grunde legen. 
Den zeitlichen Anfang der Entladung haben wir nun danach auf der 
rechten Seite des Bildes zu suchen, und zwar hebt sich hier aus dem Gewirre 
der unter sich nahezu übereinstimmenden Linien die am weitesten nach oben 
rechts reichende Entladung am deutlichsten hervor, so dal wir daher auch sie 
am besten als Leitlinie benutzen, um die Bahn aller dieser Einzelentladungen 
kennen zu lernen. Wir erhalten dann den in der Fig. 2 durch die ausgezogene 
Linie dargestellten Weg, und da nun derselbe beiderseits — bei I und IL — 
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ganz plötzlich abbricht, so ist die einfachste Annahme offenbar die, dafs es sıch 
hier um eine Entladung zwischen zwei Wolken I und II handelt, die — vom 
Standpunkte der Kamera aus gesehen — untereinander zu liegen scheinen, 
von denen aber in Wirklichkeit die Wolke I der Kamera viel näher lag als die 
Wolke II, so dafs deshalb auch die scheinbar so merkwürdige Schleife, welche 
diese Entladung zeigt, sich lediglich durch die perspektivischen Verhältnisse 
erklärt und in Wirklichkeit nur eine starke seitliche Ausbuchtung der nahezu in der 
Richtung der Entladung selbst gesehenen Bahnlinie darstellt. Von den beiden
	        
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