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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Walter, B.: Zur Erklärung der Wolffschen Blitzp hotographie, 
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Zur Erklärung der Wolffschen Blitzphotographie. 
Von Dr. B, Walter.) i 
Die Blitzaufnahme, welche von Herrn M. Wolff, Berlin, in- den Abend- 
stunden des 4. September d. J, gewonnen wurde und welche in der Fig. 1 
reproducirt ist, hat in letzter Zeit viel von sich reden gemacht. Nichtsdesto- 
weniger glaube ich zeigen zu können, dafs dieselbe nur durch ihre eigenthümliche 
Form, nicht aber im Princip etwas Neues bietet; denn ähnliche Vorgänge,- wie 
sie sich nach der weiter unten folgenden Erklärung in diesem Blitze abgespielt 
haben, finden sich bereits in mehreren von mir erzielten Aufnahmen wieder, 
von denen allerdings der in diesem Sommer gewonnene Theil aus äufserlichen 
Gründen leider erst zum Beginne des nächsten Jahres zur, Veröffentlichung 
gelangen kann. 
Fig. 
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Ehe ich indessen auf meine eigene Erklärung des Wolffschen Blitzes 
näher eingehe, möchte ich mich zuvor noch mit denjenigen Erklärungsversuchen 
abfinden, die, soviel ich weifs, bis dahin von anderer Seite her aufgestellt worden 
sind. Der erste derselben (s. „Daheim“, Jahrgang 39, No. 1) glaubt, dafs das 
ganze feinere Liniensystem des Bildes durch Reflexion des Lichtes des Haupt- 
blitzes an den verschiedenen brechenden Flächen des photographischen Objektivs 
entstanden sei, vergifst dabei aber, dafs alle diese Reflexionsbilder ganz ver- 
schiedene Bildebenen haben und sich also auch unmöglich alle zugleich mit dem 
Hauptblitze auf derselben Platte scharf abbilden konnten. A 
£ine zweite, von einem Berliner Physiker herrührende und mir durch 
Herrn Wolff brieflich mitgetheilte Auffassung hält es für wahrscheinlich, daß 
die Hauptentladung dieses Bildes einen „Kugelblitz“ darstelle, und dafs das 
übrige Beiwerk durch „Linsenastigmatismus“ veranlafst worden sei. Nach 
meiner Ansicht liegt indessen zunächst zu der ersteren Vermuthung absolut 
kein Grund vor, da sich jene Entladung in keiner Weise von jedem anderen 
stärkeren Blitzschlage unterscheidet, und was ferner den Astigmatismus eines 
Linsensystems angeht, so ist genugsam bekannt, dal dadurch das Bild einer 
räumlichen Linie auf der Platte wohl unscharf, nicht aber in mehr als zwanzig- 
{acher und noch dazu jedesmal vollkommen scharfer Vervielfältigung erhalten 
werden kann. 
Nach meinem Dafürbalten kann es nun keinem Zweifel unterliegen, dals 
wir es in allen diesen, untereinander so sehr ähnlichen Linien des Wolffschen 
Bildes thatsächlich mit ebenso vielen, zeitlich aufeinander folgenden Partial- 
entladungen eines Blitzschlages zu thun haben, deren Aehnlichkeit eben sehr 
einfach daher rührt, weil sie alle denselben Weg durch die Luft nahmen. Diese 
Annahme hat aber natürlich zur Voraussetzung, dafs der photographische Apparat 
1) Herr Max Wolff, Amateurphotograh in Berlin, hat der Seewarte unterm 4. September 1902 
die auf Fig. 1 wiedergegebene merkwürdige Blitzphotographie eingesandt, Da Herr Dr. B. Walter, 
Assistent am Physikalischen Staatslaboratorium in Hamburg, in letzter Zeit die Natur des Blitzes 
durch zahlreiche, mit einem hierzu gebauten rotirenden Apparat gemachte Aufnahmen eingehend 
antersucht hat, so hat die Direktion jene Photographie ihm mit der Bitte um eine Aeufserung über- 
geben. Das Folgende legt die Auffassung dar, die sich Herr Dr. Walter von der räthselhaften 
Erscheinung nach Analogie seiner eigenen vorzüglichen Aufnahmen gebildet hat, und giebt ein 
interessantes Beispiel der so erzielten Blitz-Analyse, wenn auch die Umstände, unter denen die 
Photographie gewonnen wurde, in diesem Falle leider nicht so klar liegen, wie in den Aufnahmen 
Jjes Herrn Dr. Walter selbst. D. Red.
	        
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