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Anualen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1902.
Windverhältnisse auf dem Wege nach Nord-China und Japan
durch die Sunda-Strafse, durch die Celebes- und Molukken-See,
sowie rund Australien.
Nach neuem Beobachtungsmaterial der Seewarte.
Bearbeitet von M, Prayer, Hülfsarbeiter bei der Seewarte.
Zur Feststellung der Windverhältnisse auf den Verkehrsstrafsen, welche
von den nach Nord-China und Japan bestimmten Segelschiffen benutzt werden,
sind aua dem „Archiv der Deutschen Seewarte“ die meteorologischen Tage-
bücher einer eingehenden Durchsicht unterzogen worden, welche während des
Zeitraumes vom Jahre 1892 bis 1902 eingegangen sind.
Die Zusammenstellung dieses neueren Materials hat den Zweck, in
Uebereinstimmung mit den von der Seewarte herausgegebenen Segelhandhüchern
des Indischen und Stillen Ozeans, dem Seefahrer eine kurzgefafste tabellarische
Darstellung der zu benutzenden Wege an die Hand zu geben, aus welcher er-
sichtlich ist, wie die Windverhältnisse zu verschiedenen Jahreszeiten auf einer
gewählten Route sich gestalten. Aulfserdem soll die Aufstellung dem Schiffsführer
eine Handhabe in der Richtung bieten, dafs er sich leichter zur Einschlagung
des einen oder auderen Weges entschliefsen kann, indem in den Tabellen die
ganze Länge der verschiedenen Wege, so weit sie für einen bestimmten
Monat empfehlenswerth sind, im Zusammenhang dargestellt ist.
Wenn man von dem Schnittpunkte 40° S-Br. und *0° O-Lg. ausgeht bis
Nord-China und Japan, so siud in den Tabellen für je fünf Breitengrade alle
auftretenden Winde in Procenten verzeichnet und zur besseren Uebersicht Wind-
häufigkeiten über 10%o halbfett, über 25%. fett gedruckt, so dafs die in jedem
Streifen von fünf Breitengraden unter den dazu gegebenen mittleren Längen
am häufigsten vorherrschenden Winde leicht kenntlich sind. Es wird sich, in-
dem man von 40° S-Br. und ungefähr 80° O-Lg. ausgeht, für irgend einen Monat
nach den angegebenen mittleren Längen auch die Kursrichtung eines Segelschiffes
leicht feststellen lassen.
Man sieht, dafs z. B. für den Weg‘ durch die Sunda-Strafse die Monate
April bis September die günstigsten sind; die übrigen Monate, die keine voll-
ständigen Tabellen autweisen, sind für diesen Weg zum Theil ungeeignet, und
es ist daher zu empfehlen, schon vom Ausgangspunkte an sich für eine andere
Route zu entscheiden. Sind aber die Windverhältnisse für die Durch-
segelung der östlichen Passagen günstiger — es kommen für diesen Weg die
Monate Januar bis März und Oktuber bis Dezember vorwiegend in Betracht —
dann würde wit Hülfe der unvollständigeren Tabellen bis zu den ausgewählten
Durchfahrten die Kursrichtung festzustellen sein. Allen für die einzelnen Monate
aneinander gereihten und für die einzelnen Routen abgeschlossenen Tabellen
ist nebst einer kurzgefafsten Angabe der Grenzen der Passatwinde u. 8 W. eine
Sturmtabelle beigegeben, aus welcher für jeden Monat und für die verschiedenen
Streifen von je fünf Breitengraden die Anzahl der aufgetretenen Stürme er-
sichtlich ist, während die Rubrik „Stärken“ die gröfsere und geringere Hefuigkeit
der Stürme angiebt,
Weil die Führer der heutigen an Tounnengehalt durchschnittlich grofsen
und deshalb in engen Gewässern schwer zu bantirenden Segelschiffe es oft vor-
ziehen, ein weites, minder gefährliches Fahrwasser zu wählen, selbst wenn die
abzusegelnde. Distanz gröfser ist, so ist die Route rund Australien nach Nord-
China und Japan angereiht worden. Aus der Schlufsbemerkung, welche die
mittlere Reisedauer auf den drei Wegen betrifft, wird ersichtlich, dafs auf dem
viel weiteren Wege rund Australien eine Durchschnittsreise nicht viel mehr
Zeit erfordert als auf den kürzeren Wegen durch die Sunda- Straße und
Celebes-See.