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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Ann. d. Hydr. ete.,, XXX. Jahrg. (1902), Heft XI 
73 
‚Ji 
Barometrische Depressionen an der äquatorialen Grenze des 
Golfstromes im Februar 1902. 
Nach dem Bericht des dentschen Schulschiffes „Grofsherzogin Elisabeth“, 
Komdr. K-Kapt. a. D. Rüdiger. . 
Von Herm Hoeck, Navigationsoffizier. . 
Für die Reise von Kap Canaveral nach Fayal boten sich zwei Wege, 
Das Segelhandbuch‘ der deutschen Seewarte für den Atlantischen Ozean ist 
mehr für die nördliche Route durch: den Golfstrom (vgl. S. 516 ff.), während 
Findlay’s „Sailing Directory of the Atlantic Ocean“ für die Wintermonate 
eine südliche Route auf etwa 33° N-Br. empfiehlt (vgl. S. 14 und 519)- Auch 
in-„The Sailor’s Pocket Book“ von Kapt. Bedford R..N. wird vor der nörd- 
lichen Route durch den Golfstrom gewarnt (vgl. S. 126 und 127). 
Auf Grund des Segelhandbuches wurde beschlossen, die nördliche Route 
einzuschlagen, um so mit Hülfe des Golfstroms und der westlichen Winde eine 
bessere Reise zu erzielen. Gleichzeitig wurde beabsichtigt, in diesen voraus- 
sichtlich steifen Westwinden die Zöglinge mit stürmischem Wetter und dem 
Verhalten in solchem vertraut zu machen. 
Während der nächsten Tage hatten wir Winde aus SO—SW (4—6). Am 
30. Januar nachmittags drehte der Wind weiter über W (3) durch N (2) und 
O (2) nach S (1—2) und war am 31. mittags wiederum SW (5). Nach dem astro- 
nomischen Besteck befanden wir uns’am 31 auf 33° 24‘ N-Br. 74° 2‘ W-Lg.; 17 Sm 
Versetzung, ein Zeichen, dafs wir uns bereits aufserhalb des Golfstromes befinden 
mufßfsten. Der Kurs wurde deshalb nördlicher gesetzt, um möglichst bald wieder 
in den Bereich des Stromes zu kommen. 
Am 1. Februar schwankte der Wind zwischen SW und NW (3—6) bei 
anfangs klarem, dann bewölktem Himmel und zeitweisen Böen. Nachdem wir 
also bereits jetzt das Gebiet der westlichen Winde erreicht hatten, wurde 
gemäfs „Segelhandbuch“ S. 531 nach O abgehalten. Dadurch kam das Schiff in 
die Lage, seine östliche Länge etwa auf der äquatorialen Grenze des Golf- 
stromes gut machen zu müssen, ein Umstand, durch den sich das nachfolgende 
schwere Wetter erklären läfst. Am Mittag des 1. Februar befanden wir uns 
nach dem Log auf 35° 7‘ N-Br. 72° 7‘ W-Lg. Brise flau und unbeständig, 
VE leichter Regen, Barom. 764,6 mm, Therm. trocken 17,8°, feucht 
° 
„8° C. 
Dieses Wetter hielt an bis 5" N, um welche Zeit der Wind auf NNW in 
Stille überging. Bedeckt; trübes Wetter; ruhige See, 
Um 7" 20=in N kam der Wind aus S (2-—) durch mit leichtem Regen. 
Barom. 764,1 mm, Therm. trocken 17,0°, feucht 16,5° C. 
Bis 5" V des 2. Februar unbeständiger Wind aus SO—S (4—5) bei an- 
haltendem, leichtem Regen. Um 7" V SSW (7) abklarend, zunehmender Wind 
und Seegang. Barom. 758,8 mm, Therm. trocken 18,0°, feucht 17,8° C, 
Wir loggten um diese Zeit 13,5 bis 14,0 Sm. Während der schweren Böen 
begannen wir Segel zu bergen. Um Mittag auf 36° 25‘ N-Br..69° 17‘ W-Lg. (astr.) 
war der Wind SSW (9), der Himmel bedeckt. Barom. 754,5 mm, Therm. trocken 
20°, feucht 19° C. Sehr niedrige Wolkenfetzen gingen von SW nach NO durch 
das Zenit. Wir bargen sämmtliche Segel bis auf Untermarssegel und Fock und 
lenzten. Orkanartige Böen (SSW—SW 11) traten bei stetig fallendem Barometer 
auf. Das Schiff arbeitete in einer hohen wilden See sehr schwer und erzitterte 
in allen Fugen, es lief nach dem‘ Log 12 bis 13 Sm. In den Böen war die 
Luft dick von Gischt. Durch sorgfältige Peilungen und Beobachtungen 
glaubten wir feststellen .zu können, dafs wir uns auf der rechten Seite 
eines von SW nach NO ziehenden Minimums befanden, das in einem Abstande 
Ann. d. Hydr. otc., 1902, Hoft XII.
	        
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