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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

Die Witterung an der deutschen Küste im September 1902. 
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Die zur Zeit der Terminbeobachtungen notirten Windrichtungen waren 
auf die Kompafsrose sehr gleichmäfsig vertheilt, 4 * 
Die Morgentemperaturen lagen mit Ausnahme der ersten Pentade fast 
durchweg unter den normalen Werthen; milde Morgen traten bis .auf einzelne 
Ausnahmen an der Nordsee nur am 1. bis 6. und 16. und an der Ostsee nur 
am 3. bis 6. und 10. in gröfserer Verbreitung auf. Der Gang der Morgen- 
temperaturen charakterisirte sich, abgesehen von kleineren Schwankungen, durch 
kurzes, meist stärkeres Steigen zu Anfang des Monats, gegen Monatsmitte und 
während der letzten Dekade, getrennt durch längere Perioden langsamer. Ab- 
nahme — abgesehen von Memel, wo die Mittellage der vielfach mehr oder 
weniger stark hin und her schwankenden Morgentemperaturen bis zum 10. wenig 
Aenderung erfuhr und dann bis zum 25. abnahm,. worauf starke Zunahme 
folgte. — Die Temperatur schwankte an der Küste zwischen 25,3°, dem Maximum 
von Rügenwaldermünde und Neufahrwasser, und 1,7°, dem Minimum: von Swine- 
münde, also um 23,6°, während die kleinste Schwankung 15,7° in Borkum und 
die größte 23,0° in Swinemünde betrug. 
Die aus den Aenderungen der Temperatur von Tag zu Tag als arith- 
metisches Mittel ohne Rücksicht auf die Vorzeichen der Aenderungen für die 
drei Beobachtungstermine berechnete interdiurne Veränderlichkeit der Temperatur 
(I. T. V.) lag mit ihren gröfsten Werthen zwischen 1,2° (Borkum) und 2,4° (Neu- 
fahrwasser); ihre kleinsten Beträge fielen am häufigsten auf den Morgen, ihre 
gröfsten am häufigsten auf den Nachmittag, 
Die monatlichen Niederschlagsmengen zeigten infolge der Gewitterregen 
stellenweise grofse lokale Verschiedenheiten, doch blieben sie westlich der Oder 
mit Ausnahme des Elb-Gebietes meist unter 60 mm, während sie von der Oder 
ostwärts, bis auf die mittleren zurückliegenden Theile/der Danziger Bucht, 80 mm 
überschritten; gegenüber 18 mm in Aarösund und 29mm in Keitum . hatten 
Ahlbeck 112 und Rügenwaldermünde 122 mm Regen. — Läfst man den Regentag 
um 8* Ortszeit des gleichnamigen Kalendertages beginnen, so fielen die Nieder- 
schläge, abgesehen von kleineren und von mehr vereinzelten Mengen, am 1. an 
der ganzen Küste, 2. ostwärts bis Mecklenburg, 3. ostwärts bis zur Kieler Bucht, 
4. an der ganzen Küste, 5. ostwärts bis Rügen, 6. und 7. von der Oder ost- 
wärts, 11. an der Nordsee, 12, bis 14. an der ganzen Küste, 15. an der Nordsee, 
16. ostwärts bis zur Oder, 17. bis 19. an der ganzen Küste, 20. von der Oder 
ostwärts, 27, an der Ostsee und am 28, und 30, von der Oder ostwärts, — Sehr 
ergiebige, in 24 Stunden 20 mm übersteigende Regenmengen füelen am 4. in 
Swinemünde (25) und Ziegenort (21), 7. in Colbergermünde (21), Rügenwalder- 
münde (22), Leba (27), Rixhöft (26), Neufahrwasser (31), Hela (22), Brüsterort 
(22) und Memel (20), 12. in Cuxhaven (22), Brunsbüttel (28) und Ahlbeck (50), 
14. in Memel (20), 16. in Glückstadt (26) und am 17. in Tönning (21), — Aus- 
gebreitete Gewitter traten auf am 3. an der Nordsee und der schleswig-holstein- 
schen Ostsee-Küste, am 4. an der mittleren Ostsee-Küste, am 5. von Mecklen- 
burg ostwärts, am 16. ostwärts bis zur Kieler Bucht, am 17. an der ganzen 
Küste und am 18, an Theilen der Ostsee-Küste. — Ausgebreiteter Nebel wurde 
am 1}. an der mecklenburgischen Küste, 2, an der mittleren Ostsee, 9. ostwärts 
bis Rügen, sowie am 27. und 29. von der Weser bis Mecklenburg beobachtet. 
Als heitere Tage, an denen die zu Zeiten der Terminbeobachtungen nach 
der Skala 0—10 geschätzte Bewölkung im arithmetischen Mittel kleiner als 2 
war, charakterisirten sich über gröfserem Gebiete der 2, und 3. an der ost- 
deutschen Küste, der 7, und 8. an Theilen der Nordsee, der 9. von Mecklenburg 
bis Pommern, der 21. bis 26. an der ganzen Küste und, von zeitweise auf- 
tretendem Nebel begleitet, der 28. bis 30, ostwärts bis Rügen. 
Zwischen einem Maximum im SO und einer Depression im NW lag die 
Küste zu Beginn des Monats im Bereiche eines ostwärts schreitenden flachen 
Minimums, das bei leichten veränderlichen Winden Regenfälle verursachte. Als- 
dann breitete sich hoher Luftdruck mit anticyklonalen Isobaren über das Ostsee- 
Gebiet aus und führte am 2. und 3, an der ostdeutschen Küste Aufklaren 
herbei, während Regenfälle an der westdeutschen Küste im Bereiche derDepression 
im W fortdauerten. Diese dehnte ihren Einflufs durch ein am 3. in nördlicher 
Richtung über die Britischen Inseln fortschreitendes tiefes Minimum bis Mittel- 
europa aus und führte durch südliche Winde starke Erwärmung herbei, so dafs
	        
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