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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 30 (1902)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1902. 
Die Lothungsreise des Kabeldampfers „von Podbielski‘“ über den 
Nordatlantischen 0zean im Sommer 1902, 
(Hierzu Tafel 19.) 
Der den Norddeutschen Seekabelwerken, A.-Ges., in Nordenham an der 
Weser gehörige Kabelleger „von Podbielski“ hat unter Führung des Herrn 
Kapt. Gerstung in den Monaten Mai, Juni, Juli d. J. von den Aufsengründen 
vor dem Englischen Kanal über die Azoren nach New York und. auf annähernd 
gleicher Linie wieder zurück eine grofse Reihe von Tiefseelothungen ausgeführt, 
welche die Verlegung des zweiten transatlantischen deutschen Kabels auf dieser 
Strecke vorbereiten sollen. 
In höchst dankenswerther Weise haben die Norddeutschen Seekabelwerke 
das hierüber gesammelte Originalmaterial der Seewarte behufs Verwerthung und 
Veröffentlichung im Interesse der Meereskunde zur Verfügung gestellt; der 
Kabellegungsingenieur, Herr H. B. Forde, hat eine kurze Beschreibung der an 
Bord gebrauchten Apparate beigegeben, welcher um so lieber eine Stelle hier 
eingeräumt wird, als dadurch lehrreiche Vergleiche mit der kürzlich genau be- 
schriebenen Ausrüstung des Dampfers „Valdivia“ der deutschen Tiefsee-Expedition ') 
ermöglicht werden. — Ferner ist zu bemerken, dafs Herr Privatdocent Dr. Loh- 
mann in Kiel an der Lothungsreise des „von Podbielski“ theilgenommen und 
in äufserst sorgfältiger Weise die Beschaffenheit bezw. Zusammensetzung der 
Meeresgrundproben bestimmt hat. — Die Seewarte endlich hat aus dem vor- 
züglichen ihr eingesandten meteorologischen Journal eine Reihe auffälliger 
Temperaturen des Oberflächenwassers sowie die naturgemäfs mit möglichster 
Zuverlässigkeit berechneten Stromversetzungen entnommen und in den nach- 
folgenden Tabellen zwischen die Lothungen an gegebener Stelle eingefügt; 
hauptsächlich sind es die Temperatursprünge an dem Rande des Golfstromes 
und im Golfstrome selbst auf der amerikanischen Hälfte des Ozeans, welche 
Beachtung verdienen. 
Kurze Beschreibung der Apparate. 
Von H. B. Forde., 
l. Lothungsmaschinen. 
Es wurden zwei Lucas’ Patent - Tiefseelothungsmaschinen verwendet, 
welche nach den Angaben des Herrn F. R. Lucas, Kabelingenieur der „Telegraph 
Construction and Maintenance Co.“, London, konstruirt sind. — Auf die Draht- 
trommel dieser Maschinen sind 9000 bis 10000 m polirten Stahldrahts von 
0,7 mm Durchmesser und einer Bruchfestigkeit von 90 kg aufgewickelt. Es ist 
nicht rathsam, mehr als 10000 m Draht auf der Trommel zu haben, da die 
Flanschen der Trommel sonst zu stark beansprucht werden. 
Die Lothdrahttrommel ist durch ein Zahnradvorgelege mit einer drei- 
eylindrigen schnelllaufenden „Brotherhood“-Maschine verbunden, Der ganze 
Apparat ist auf einer eisernen Plattform über den Bugscheiben des Kabel- 
dampfers aufgestellt, so dals der Draht ganz frei vom Schiff läuft, Im Falle 
eintretenden schlechten Wetters kann der ganze Apparat in wenigen Minuten 
fortgenommen werden, 
2 Lothe. 
a) Loth mit gewöhnlichen Lothröhren. Diese Lothe sind mit vier 
kleinen Röhren versehen (Skizze A). Auf dem oberen Ende dieser Röhren ist 
eine Metallscheibe aufgesetzt, an deren unterer Seite sich eine Gummiplatte 
1) Wissenschafrliche Ergebnisse der Deutschen Tiefsee-Expedition. Band I: Oceanographie etc. 
Von Dr. G. Schott. Jena 1902.
	        
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